
Warum heißt Székesfehérvár Stadt der Könige?
Székesfehérvár liegt in Mitteltransdanubien und ist über Jahrhunderte die Stadt der Krönungen gewesen. Der Hügel des heutigen Doms ist die Stelle der ersten Herrscherresidenz, des Palastes von Großfürst Géza, und bildet den ältesten Kern der Stadt. Von König Stephan, dem Staatsgründer, erhielt Székesfehérvár den Status einer freien königlichen Stadt. Die Krönungsbasilika, die 1031 erstmals erwähnt wird, war bis 1543 der Ort, an dem ungarische Könige gekrönt und bestattet wurden, und bis ins 16. Jahrhundert hinein Aufbewahrungsort der Krönungsinsignien, des Staatsschatzes und des Staatsarchivs.
Wer die Stadt besucht, findet deshalb weniger große Bauten der Könige als Erinnerungsorte: Ruinen, Denkmäler, Museen und eine barocke Innenstadt. Die Stadt gehört zur Region Mitteltransdanubien und liegt auf dem Weg zwischen Budapest und dem Plattensee. Zur Geschichte der Königszeit lesen Sie Vorzeit bis 11. Jahrhundert und 12. bis 15. Jahrhundert.
Was blieb von der Krönungskirche?
Die Krönungsbasilika wird erstmals 1031 erwähnt. Das dreischiffige Bauwerk mit vier Türmen war bis 1543 die Krönungskirche der ungarischen Könige; im Mittelalter krönte man hier 38 Könige. Der früh verstorbene Heilige Emmerich wurde von seinem Vater, dem Staatsgründer Stephan, in der Basilika beigesetzt, die Stephan als eigene Grabstätte bauen ließ. Später fanden hier 14 Könige und viele Mitglieder der Königsfamilie ihre letzte Ruhe. Reichstage tagten hier, hier standen der königliche Thron, die Schatzkammer, das Staatsarchiv, die Krone, das Zepter, das Schwert und der Krönungsmantel.
1601 flog die Basilika in die Luft, im 18. Jahrhundert trug man ihre Steine für Neubauten ab. Die Ausgrabungen begannen 1862 und dauern bis heute an. Zum 900. Todestag von König Stephan wurde das Gelände 1938 als Gedenkort gestaltet; Mausoleum und Arkadengang planten nach Géza Lux. Heute sind ein steinerner Sarkophag aus der Zeit der Heiligsprechung Stephans, farbige Fenster von Lili Árkainé Sztehló und Wandbilder von Vilmos Aba-Novák zu sehen; auf dem Fresko erscheint der Maler selbst. Der Ruinengarten ist Nationale Gedenkstätte. Der Besuch ist nach Anmeldung möglich, den Ablauf nennt die Stadt auf ihrer Tourismusseite.
Was gibt es im Zentrum zu sehen?
Der Dom St. Stephan steht auf dem Hügel der ersten Herrscherresidenz, auf den Fundamenten der mittelalterlichen gotischen Peter-und-Paul-Basilika. Gebaut wurde er von 1758 bis 1768 nach Plänen von Martin Grabner, teils mit Spenden, mit erheblicher Unterstützung von Königin Maria Theresia. 1777, bei der Gründung des Bistums Székesfehérvár, erhielt er den Rang einer Kathedrale. Die Türme wurden 1805 bis 1815 erhöht; die gotischen Fenster in ihrer Mitte, Beleg der mittelalterlichen Herkunft, kamen erst bei der Restaurierung 1936/37 zum Vorschein. In der Unterkirche stehen die Sarkophage von König Béla III. und seiner Gemahlin Anna von Antiochia mit den Abdrücken der Körper.
Im Inneren schmücken Fresken von Johann Cymbal das Leben des Heiligen Stephan. Das Hauptaltarbild von Vincenz Fischer zeigt Stephan, der die Heilige Krone der „Großherrin Ungarns“ anvertraut. Reichlich roter Marmor gibt dem Raum Würde; der Altar mit korinthischen Kapitellen stammt vom Hofbaumeister Franz Anton Hillebrandt. Auf der Terrasse zwischen den Türmen stehen Stephan, Ladislaus und Emmerich als Statuen.
Der Hauptplatz wird vom Denkmal „Fehérvári jog“ beherrscht, im Volksmund Reichsapfel. Die lateinische Inschrift lautet sinngemäß: Fehérvár ist freie Stadt durch die Gnade von König Stephan. Das Denkmal verbildlicht dieses uralte Privileg: Auf einem Sockel über dem Brunnenbecken halten drei Löwen den Reichsapfel, jeder mit einem Wappen, dem des Landes, dem der Stadt und dem von König Andreas II. Darunter stehen drei Jahreszahlen: 1001 (Krönung Stephans), 1688 (Befreiung von der Türkenherrschaft) und 1938 (900. Todestag Stephans). Sowjetische Soldaten verbarrikadierten das Werk 1945 mit Brettern; in den 1950er-Jahren wurde es halbiert, die Rundung kam in den 1960er-Jahren zurück, das Kreuz 1986.
Neben dem Bischofspalast und dem Diözesanmuseum prägt das Rathaus den Platz. Sein rechter Flügel wird schon 1698 im Grundbuch als Rathaus geführt. Es bewahrt eines von drei Wandbildern Aba-Nováks in der Stadt, und hier steht seit 2013 die Nachbildung der Heiligen Krone, die die Stadt durch Spenden erwarb. Das Grundmaterial ist Feinsilber, überzogen mit reinem Gold; die Krone wiegt anderthalb Kilogramm und trägt 19 Emailbilder, 80 Almandine, 4 Saphire, 410 Perlen, 6 Amethyste und einen Türkis. Sie ist zusammen mit dem Tourinform-Büro im Rathaus zu besichtigen.
Das Hiemer-Haus ist ein barockes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das aus drei zusammengewachsenen Häusern besteht. Hier befinden sich der Trausaal, das Tourinform-Büro und das Spielzeugmuseum Hetedhét, das im Mai 2011 eröffnete. Im Keller wartet ein Escape Room namens „Wathay-Code“. Das Vörösmarty-Theater brannte 1944 aus; die Bevölkerung baute es mit vereinten Kräften wieder auf, und am 7. November 1962 eröffnete das Nationaltheater Budapest es mit Vörösmartys „Csongor und Tünde“ neu. 2004/05 wurde das Haus vollständig umgebaut.
Was ist die Bory-Burg?
Die Bory-Burg im Stadtteil Máriavölgy ist eines der ungewöhnlichsten Bauwerke Ungarns, ein Denkmal der Liebe. Jenő Bory, Ingenieur und Bildhauer aus Fehérvár, kaufte 1912 im Mariental ein Grundstück, auf dem nur ein kleines Presshaus aus Stahl stand, und verbrachte hier die Sommer mit der Familie. Nach dem Krieg begann er zu bauen, von 1923 bis zu seinem Tod 1959. Er verstand sein Haus nicht als Gebäude, sondern als Skulptur. Es entstand ohne Gesamtplan von Jahr zu Jahr, Bory war Architekt, Bauleiter, Maurer und Polier zugleich.
Der Grundriss ist symbolisch: Die beiden Mittelpunkte, die Kapelle der ehelichen Liebe und das Atelier, stehen für die beiden Angelpunkte im Leben des Erbauers. Seine Frau Ilona Komócsin ist überall präsent, in Mauern, Skulpturen, Bildern, Gartenblumen und auf der sonnigen Veranda. Die Burg hat sieben Türme und rund 30 Räume, darunter drei Ateliers; von den Kasematten bis zu den Aussichtstürmen sind es bis zu 30 Meter. Mosaike, Glasbilder und Zierbrunnen tauchen an unerwarteten Stellen auf, mehrere hundert Skulpturen stehen überall. Im Hof mit den hundert Säulen reihen sich Gestalten der ungarischen Geschichte vom Stammesführer Álmos bis zum Lautenspieler Sebestyén Tinódi. Die Adresse lautet Máriavölgyi út 54.
Welche weiteren Ziele lohnen?
Das Árpád-Bad entstand 1905 im Jugendstil mit Kuppel und Muschelverzierungen über der kohlensäurehaltigen Árpád-Quelle und diente jahrzehntelang als Volksbad. In den frühen 1920er-Jahren kam das Hotel Árpád dazu, ab 1946 lieferte das städtische Kraftwerk Fernwärme. Nach zwei Jahrzehnten Schließung wurde das Bad unter Aufsicht der Denkmalpfleger saniert und im Frühjahr 2010 eröffnet: Kabinen, Bodenbeläge und Stuck wurden originalgetreu wiederhergestellt. Das Highlight ist das türkische Bad, daneben gibt es ein Mosaikbecken, ein Sitz-Sprudelbad und ein Hauptbecken mit 36 bis 38 Grad warmem Wasser, ein mosaikgefliestes Tepidarium sowie in einem Neubau Sauna, Dampfkabine und Erlebnisduschen. Weitere Bäder Ungarns stellt die Seite Wellness und Heilbäder vor.
Das Vörösmarty-Theater gehört zu den neuesten und zugleich ältesten Theatern des Landes. Bei der Einweihung am 22. August 1874 sprachen für die Kisfaludy-Gesellschaft Mór Jókai und Gyula Gyulai, für die Akademie der Wissenschaften László Arany und Ferenc Pulszky; Jókais Festrede trug die Schauspielerin Róza Laborfalvi vor, die Festvorstellung war Katonas „Bánk bán“. Auf der Bühne standen die besten ungarischen Schauspieler ihrer Zeit, darunter Irén Varsányi, Gyula Hegedűs und Gizi Bajor. Beim Wiederaufbau wurde der Balkon durch Logen ersetzt und der Zuschauerraum klimatisiert.
Im Stadtteil Palotaváros bewahrt die Rác-Straße als Freilichtmuseum seit den 1980er-Jahren das Aussehen des früheren Serbenviertels (Rácváros) des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Haus Rác utca 11 zeigt seit 1988 die Ausstellung „Palotavárosi emlékek“ Volkskunde und Handwerk, darunter die Werkstatt der Hutmacherdynastie Dietrich, deren Gründer Ede Dietrich 1891 Geselle wurde. Der Stadtteil Palotaváros entstand aus zwei mittelalterlichen Vorstädten, der Sziget und der Rácváros. In der Rác-Straße, der Hauptstraße von Rácváros, konzentrierte sich seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts alles, was zur Geschichte der serbischen Gemeinde gehört: Kirche, Schule und die Häuser der Bauern, Handwerker und Kaufleute. Die serbisch-orthodoxe Kirche der Straße ist barock, einschiffig und dem Gedenken der Geburt Johannes des Täufers geweiht. Zu den Handwerkern des Viertels zählten Schuhmacher und Gerber; die im 17./18. Jahrhundert zugezogenen Serben lebten oft vom Handel.
Die Blumenuhr im Park am Országzászló tér entstand 1960 in der Gärtnerei der städtischen Betriebe; Stadtgärtner Jenő Horváth entwarf sie, riesige Zeiger werden von einem versenkten Uhrwerk angetrieben und zeigen von Frühling bis Herbst die Zeit. Am Stadtrand liegt das Naturschutzgebiet Sóstó, 200 Hektar groß, mit einem Besucherzentrum im MOL-Arena-Gebäude, einem sieben Kilometer langen Lehrpfad, 19 Informationstafeln, zwei Vogelbeobachtungstürmen und einem Grünen Hof zum Picknicken. Das Vidi-Museum im Stadion zeigt die Geschichte des Fußballvereins Videoton/Fehérvár FC seit 1941.
Wie viel Zeit brauchen Sie?
Das Zentrum mit Dom, Reichsapfel, Rathaus, Glockenspiel und Ruinengarten lässt sich zu Fuß in einem halben Tag erkunden. Die Bory-Burg im Mariental, das Árpád-Bad und das Sóstó-Gebiet verlängern den Besuch auf einen ganzen Tag. Das Tourinform-Büro am Városház tér 1 vermittelt Führungen und Informationen, ebenso die Besuchsanmeldung des Ruinengartens. Öffnungszeiten ändern sich; prüfen Sie sie vor der Anreise.