
Was ist Sopron und wo liegt es?
Sopron liegt im Nordwesten Ungarns am Fuß der Ausläufer der Alpen, unmittelbar an der Grenze zu Österreich. Die Stadt ist Hauptort der Region Westtransdanubien und zugleich Tor nach Österreich. Wien liegt nur etwa siebzig Kilometer entfernt, der Neusiedler See wenige Kilometer östlich. Dadurch ist Sopron ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler und Kurzurlauber aus Österreich und Deutschland.
Die kompakte Altstadt liegt in einem Halbkreis von Mauern, die auf den Resten der römischen Stadt Scarbantia stehen. Sie lässt sich in einem halben Tag erkunden. Die Region stellt die Seite West-Transdanubien ausführlich vor.
Welche Geschichte hat Sopron?
Die Römer gründeten hier Scarbantia an der Bernsteinstraße. Im Mittelalter entwickelte sich Sopron zu einer reichen Handelsstadt, die als königliche Freistadt Privilegien genoss. Deutschsprachige Bürger prägten die Stadt über Jahrhunderte, daher der deutsche Name Ödenburg. Im 16. und 17. Jahrhundert blieb Sopron von der Osmanenherrschaft weitgehend verschont, was den Erhalt der Bausubstanz erklärt.
Nach dem Ersten Weltkrieg sollte die Stadt an Österreich fallen. Eine Volksabstimmung im Dezember 1921 entschied jedoch für den Verbleib bei Ungarn. Seither trägt Sopron den Beinamen „Stadt der Treue“. Die Hintergründe zum 20. Jahrhundert erläutert die Seite 20. Jahrhundert.
Östlich der Stadt beginnt der Fertő-Hanság-Nationalpark mit dem Schilfgürtel des Neusiedler Sees und Besucherorten in Sarród.
Südwestlich von Sopron liegt die Stadt Kőszeg, die 1532 der Armee Süleymans standhielt.
Warum ist der Feuerturm das Wahrzeichen?
Der Feuerturm – ungarisch Tűztorony – erhebt sich über dem Hauptplatz und ist das Symbol der Stadt. Sein Unterbau stammt aus dem Mittelalter und steht auf römischen Fundamenten, der obere Teil mit Galerie und Kuppel wurde im 18. Jahrhundert barock ergänzt. Von der Galerie aus überblicken Sie die Altstadt, die Dächer und die Hügel der Umgebung, an klaren Tagen bis zu den Ausläufern der Alpen. Das Glockenspiel des Turms und die Uhr gehören zum Klang der Stadt, und abends wird der Turm angestrahlt.
Früher hielten Türmer Wache und warnten vor Bränden. Heute steigen Besucher über Treppen zur Plattform; der Aufstieg ist nicht lang, aber teilweise eng. Zugang und Zeiten sind je nach Saison unterschiedlich.
Was gibt es am Hauptplatz zu entdecken?
Der Hauptplatz Fő tér ist von gotischen und barocken Bürgerhäusern gesäumt. In der Mitte steht die Dreifaltigkeitssäule, ein Dank für das Ende einer Pest. Am Platz liegen die Ziegenkirche, das Storno-Haus mit Museum und das Fabricius-Haus mit archäologischen Sammlungen. Die Gassen ringsum laden zum Bummeln ein.
Die Ziegenkirche – ungarisch Kecske-templom – ist eine gotische Kirche des 13. Jahrhunderts. Ihr Name stammt von einer Legende: Eine Ziege soll einen Schatz entdeckt haben, mit dem der Bau bezahlt wurde. Im Inneren lohnen die gotischen Gewölbe und ein stiller Kreuzgang.
Wie erkunde ich die Altstadt?
Die Altstadt hat überraschend viele erhaltene Gebäude. In der Új utca stehen Häuser aus dem Mittelalter mit Innenhöfen, in der Templom utca finden Sie Kirchen und alte Synagogen. Schilder erklären die Geschichte einzelner Häuser. Museen zeigen Möbel, Apothekenbestände und Alltagsgeschichte.
Spazieren Sie ohne Eile, schauen Sie in Hofeinfahrten, und genießen Sie die Ruhe. Autos sind im Kern eingeschränkt. Achten Sie auf die Torbögen, Erker und Hausinschriften, die von Jahrhunderten bürgerlichen Wohlstands erzählen, und auf die Details der Fassaden, die jedes Haus unverwechselbar machen.
Was ist besonders am Wein aus Sopron?
Sopron ist ein eigenes Weinbaugebiet. Typisch ist die Rebsorte Kékfrankos, in Österreich Blaufränkisch genannt. Die Rotweine sind würzig und fruchtig, gedeihen im Klima des Neusiedler Sees und gelten als Spezialität der Region. In der Altstadt finden Sie Weinstuben und Kellergassen, in denen Sie verkosten können.
Die Weinbautradition der Stadt reicht Jahrhunderte zurück, einst gehörten Winzer zu den wohlhabenden Bürgern. Eine Einführung in das ungarische Weinland bietet die Seite Ungarischer Wein.
Was war das Paneuropäische Picknick?
Am 19. August 1989 fand bei Sopron das Paneuropäische Picknick statt, eine Friedensveranstaltung nahe der österreichischen Grenze. Dabei öffnete sich für kurze Zeit ein Grenztor, und mehrere hundert Bürger der DDR flohen nach Österreich. Das Ereignis gilt als Wendepunkt auf dem Weg zum Fall des Eisernen Vorhangs.
Heute erinnern eine Gedenkstätte und ein Denkmal in der Nähe von Sopronkőhida an den Ort. Der Besuch lohnt sich für Geschichtsinteressierte und ist ein bewegender Ausflug.
Was bietet der Neusiedler See in der Nähe?
Wenige Kilometer östlich liegt der Neusiedler See, ungarisch Fertő-tó, der sich über die Grenze nach Österreich erstreckt. Die Landschaft aus Schilf, Vogelwelt und flachem Wasser steht unter Naturschutz und gehört als Kulturlandschaft zum Welterbe. Radwege führen rund um den See, Vogelbeobachter finden zahlreiche Arten.
Am ungarischen Ufer liegt das Schloss Esterházy in Fertőd, oft als ungarisches Versailles bezeichnet, in dem der Komponist Joseph Haydn jahrelang wirkte. Mehr zu Musik lesen Sie auf der Seite Musik.
Gibt es Thermen in der Nähe?
Ganz in der Nähe liegt Balf mit einem Heilbad, dessen Schwefelwasser seit langem genutzt wird. Auch größere Thermen in der Region bieten Wellness für alle Altersgruppen. Das Wasser ist schwefelhaltig und wird bei Gelenk- und Hautbeschwerden angewendet; nach einem Tag auf Kopfsteinpflaster sorgt ein Bad für Entspannung. Informationen zum Bad finden Sie auf der Seite Heilbad Balf. Wer mehr Thermalangebote sucht, findet im weiteren Umkreis zusätzliche Heilbäder, die sich mit einer Weinreise verbinden lassen.
Was kann ich in den Wäldern tun?
Südlich der Altstadt beginnen die bewaldeten Lövér-Berge, ein Naherholungsgebiet mit Wanderwegen, Aussichtspunkten und Gaststätten. Sie sind im Sommer kühl und im Herbst farbenfroh. Wanderungen von der Altstadt aus dauern wenige Stunden, und mit dem Rad lassen sich die Hügel erkunden. Im Herbst sammeln Einheimische Pilze und Kastanien, im Winter ist bei Schnee Rodeln möglich. Gaststätten am Waldrand servieren deftige Hausmannskost, perfekt nach einem langen Spaziergang.
Welche Museen und alten Häuser lohnen den Eintritt?
Sopron besitzt eine ungewöhnlich dichte Folge kleiner Museen in historischen Häusern. Das Fabricius-Haus zeigt römische Funde aus Scarbantia und Möbel verschiedener Epochen, das Storno-Haus erzählt von der Sammlung der Künstlerfamilie Storno und von den Gästen, die hier Station machten, darunter der Komponist Franz Liszt. Die Apotheke zum Hirschen und weitere Häuser zeigen Alltagsgeschichte. In der Új utca steht die mittelalterliche Alte Synagoge, eines der wenigen erhaltenen Beispiele jüdischer Baukunst des 14. Jahrhunderts in Ungarn.
Planen Sie Zeit ein, denn die Häuser sind klein, haben aber viel zu erzählen. Montags sind viele Museen geschlossen, und die Öffnungszeiten ändern sich saisonal.
Was esse und trinke ich in Sopron?
In den Weinstuben der Altstadt wird deftige Hausmannskost serviert: Suppen, Gulasch, Gans und Wild, dazu Brot und Gemüse. Die Nähe zu Österreich zeigt sich in Mehlspeisen und Strudel. Einheimisches Bier ist das Soproni, das in der Stadt gebraut wird und vielen Ungarn bekannt ist. Zum Dessert gibt es Torten, etwa Strudel und Cremeschnitten aus den Konditoreien am Hauptplatz.
Viele Winzer bieten Verkostungen mit kleinen Speisen an. Gehen Sie ruhig auch in kleinere Lokale abseits des Hauptplatzes, dort essen oft die Einheimischen. Reservieren Sie in der Hauptsaison, denn beliebte Lokale sind am Wochenende voll. Preise liegen meist unter österreichischem Niveau, weshalb viele Gäste aus Wien zum Essen kommen.
Ist Sopron für Familien geeignet?
Ja, die kompakte Altstadt ist überschaubar und autoarm, sodass Kinder sicher laufen können. Der Aufstieg auf den Feuerturm, das Zählen der Türmchen und die Geschichte der Ziege machen Kindern Spaß. Im Wald der Lövér-Berge gibt es Spielplätze, in der Umgebung Radwege und Badeseen. Der Neusiedler See bietet Vogelbeobachtung und flaches Wasser, das für Kinder geeignet ist.
Wer mit Kleinkindern reist, nimmt eine Trage statt eines Kinderwagens mit, weil Kopfsteinpflaster die Wege beschwerlich macht.