
Was macht Pécs als Reiseziel aus?
Pécs liegt am Südhang der Mecsek-Berge im Südwesten Ungarns, nahe der kroatischen Grenze. Als fünftgrößte Stadt des Landes wirkt sie dennoch überschaubar und gemütlich. Das Klima ist milder als im Rest des Landes, was sich in Mandelbäumen, Weinbergen und früh blühenden Gärten zeigt. Die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden, und rund um den Hauptplatz Széchenyi tér spielt sich das Leben ab.
Pécs vereint römische, osmanische, habsburgische und moderne Schichten. Wer auf kleinem Raum Geschichte und Kunst sucht, ist hier richtig. Die Region rund um die Stadt stellt die Seite Süd-Transdanubien vor, in deren Zentrum Pécs liegt.
Welche Epochen haben Pécs geprägt?
Die Römer gründeten hier die Stadt Sopianae, die im 4. Jahrhundert Hauptstadt der Provinz Valeria war. Im Mittelalter gründete König Ludwig der Große 1367 die erste Universität Ungarns in Pécs. Unter dem Humanisten und Bischof Janus Pannonius, einem der bedeutendsten ungarischen Dichter des 15. Jahrhunderts, blühte die Stadt kulturell. Danach gehörte sie rund 150 Jahre zum Osmanischen Reich, das heute noch am Stadtbild erkennbar ist.
Im 19. Jahrhundert brachte der Bergbau Wohlstand, ebenso die Keramik der Familie Zsolnay. 2010 war Pécs Kulturhauptstadt Europas, was zahlreiche Sanierungen und neue Kulturorte nach sich zog. Die Epoche der Osmanen und Habsburger beschreibt die Seite 16. bis 19. Jahrhundert.
Was sind die frühchristlichen Grabkammern?
Unter dem Domplatz liegen Gräber und Grabkapellen aus dem 4. Jahrhundert, in denen Christen der römischen Stadt bestattet wurden. Die Anlage gehört seit 2000 zum UNESCO-Welterbe. Wandmalereien zeigen biblische Szenen, Pflanzen und Symbole wie den Pfau und Christusmonogramme. Sie gelten als bedeutende Zeugnisse frühchristlicher Kunst nördlich der Alpen.
Besucher gehen durch schmale Gänge und betrachten die Malereien aus der Nähe. Die Räume sind klein, die Luftfeuchtigkeit ist bewusst reguliert, deshalb sind Besuchergruppen begrenzt. Öffnungszeiten, Eintritt und Führungen erfragen Sie vor Ort oder beim Betreiber.
Was ist die Moschee am Hauptplatz?
Das Wahrzeichen von Pécs steht am Széchenyi tér: die Moschee von Pascha Gazi Kászim. Sie entstand im 16. Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft und ist eine der am besten erhaltenen osmanischen Bauten in Ungarn. Nach der Vertreibung der Osmanen wurde sie zur christlichen Kirche umgewidmet, ohne den Charakter zu verlieren. Auf dem Dach steht ein Kreuz über dem Halbmond.
Im Inneren ergänzen islamische Ornamente und christliche Elemente einander. Die Kuppel, Gebetsnische und Wandmalereien erinnern an die wechselvolle Geschichte. Der Besuch lohnt sich, der Eintritt ist kostenpflichtig oder gegen eine Spende möglich; informieren Sie sich vorab.
Was zeichnet die Kathedrale aus?
Die Kathedrale St. Peter und Paul erhebt sich mit vier Türmen über dem Domplatz. Ihre Wurzeln reichen ins 11. Jahrhundert, das heutige neoromanische Aussehen erhielt sie im 19. Jahrhundert durch den Architekten Friedrich von Schmidt. Im Inneren fallen die kräftigen Wandmalereien und der Hochaltar auf. Im Untergeschoss liegt die Krypta.
Auf dem Platz davor finden Konzerte und Märkte statt. Der Blick auf die vier Türme aus der Altstadt gehört zu den Wahrzeichen der Stadt.
Was ist das Zsolnay-Viertel?
Die Porzellan- und Keramikmanufaktur Zsolnay wurde 1853 gegründet. Vilmos Zsolnay entwickelte die Eosin-Glasur mit ihrem schillernden Metallglanz und den frostfesten Pyrogranit, der Fassaden in ganz Europa schmückt. Das ehemalige Fabrikgelände ist heute ein Kulturviertel mit Museen, Werkstätten, Cafés und Veranstaltungsorten. Es wurde im Rahmen der Kulturhauptstadt umfassend saniert.
Im Viertel finden Sie Ausstellungen zur Familiengeschichte, die Eosin-Sammlung und Mitmachangebote. Der Zsolnay-Brunnen auf dem Széchenyi tér ist ein beliebtes Fotomotiv. Mehr zum Handwerk des Landes lesen Sie auf der Seite Kunsthandwerk.
Welche Museen lohnen sich?
Pécs besitzt mehrere Museen in der Altstadt. Das Csontváry-Museum zeigt Werke des Malers Tivadar Csontváry Kosztka, eines Außenseiters der ungarischen Kunst. Das Vasarely-Museum erinnert an Victor Vasarely, den in Pécs geborenen Begründer der Op-Art. Weitere Häuser widmen sich Archäologie, Stadtgeschichte und moderner Kunst.
Die Museen liegen nah beieinander, sodass Sie mehrere an einem Tag besuchen können. Die Öffnungszeiten sind je nach Haus unterschiedlich, montags sind viele geschlossen. Prüfen Sie diese vorab.
Wie sieht ein guter Stadtrundgang aus?
Beginnen Sie am Széchenyi tér mit Moschee, Rathaus und Brunnen. Gehen Sie über die Fußgängerzone Király utca zum Dom und zu den Grabkammern. Von dort führt der Weg entlang der Reste der Stadtmauer mit der Barbakane, einem mittelalterlichen Befestigungsturm, zu den Museen. Anschließend können Sie in das Zsolnay-Viertel spazieren.
Für den Rundgang rechnen Sie mit einem halben Tag, mit Museen einen ganzen. Im Sommer ist es heiß, planen Sie Pausen in Cafés ein. Abends sind die Plätze beleuchtet und stimmungsvoll.
Was bieten die Mecsek-Berge?
Oberhalb der Stadt erheben sich die bewaldeten Mecsek-Berge. Sie sind ein beliebtes Ausflugsziel mit Wanderwegen, Aussichtspunkten und Fernsehturm. Von oben überblicken Sie Pécs und die Ebene. Mit dem Auto oder Bus erreichen Sie die Höhe in einer halben Stunde.
Im Frühjahr blühen die Wälder, im Herbst sind die Wanderwege bunt. Gutes Schuhwerk ist ratsam.
Wie lebt die Universitätsstadt?
Pécs ist eine Studentenstadt, und das merkt man vor allem abends. Die Universität, deren Wurzeln bis 1367 zurückreichen, prägt mit ihren Fakultäten Straßen, Cafés und Kneipen. Rund um die Király utca und die Plätze der Altstadt finden Sie Bars, Weinstuben und kleine Livemusik-Lokale, in denen sich Studenten, Künstler und Gäste mischen. Die Atmosphäre ist entspannt und weniger touristisch als in Budapest.
Im Sommer finden Open-Air-Veranstaltungen auf den Plätzen statt, im Herbst beginnt mit dem Semester ein spürbar lebendigeres Treiben. Wer die Stadt von ihrer jungen Seite erleben möchte, bleibt einen Abend länger und isst in einem der einfachen Studentenlokale.
Welche Rolle spielen die Ungarndeutschen?
In der Gegend um Pécs, im Komitat Baranya, leben seit Jahrhunderten Nachfahren deutscher Siedler, die als Donauschwaben oder Ungarndeutsche bezeichnet werden. Sie siedelten ab dem 18. Jahrhundert in der Region, brachten Handwerk, Landwirtschaft und Weinbau mit und prägen bis heute Dörfer, Feste und Küche. Deutsche Familiennamen, Trachten und Chöre sind in manchen Orten lebendig.
Für deutsche Gäste ist das ein reizvoller Anknüpfungspunkt: In einigen Dörfern hören Sie noch den schwäbischen Dialekt, und lokale Museen erzählen von Ansiedlung und Vertreibung nach 1945. Die Hintergründe schildert die Seite 20. Jahrhundert.
Was können Familien in Pécs erleben?
Für Kinder bietet die Stadt Spielplätze, Parks und ein Tiergarten am Rand der Mecsek-Berge. Die Fahrt auf den Berg mit dem Auto oder Bus und ein Picknick im Wald gehören zu den einfachen Freuden. Das Zsolnay-Viertel hat Mitmachangebote, bei denen Kinder Keramik bemalen oder Figuren formen können. Die kurzen Wege in der Altstadt eignen sich gut für kleine Beine.
Für heiße Tage gibt es im Umland Thermalbäder und Freibäder, die Abkühlung versprechen. Planen Sie Pausen in Eiscafés ein; diese gehören in Pécs zu den besten Gelegenheiten, Einheimische zu treffen.
Wie plane ich zwei Tage in Pécs?
Am ersten Tag erkunden Sie die Altstadt: Széchenyi tér mit Moschee und Brunnen, Király utca, Domplatz mit Kathedrale und Grabkammern, danach ein Museum am Nachmittag. Abends essen Sie in einem Lokal der Altstadt und genießen den Sonnenuntergang auf einem der Plätze.
Der zweite Tag gehört dem Zsolnay-Viertel am Vormittag und den Mecsek-Bergen am Nachmittag. Wer ein Auto hat, fährt am späten Nachmittag nach Villány und probiert dort Wein. Ein dritter Tag eignet sich für Siklós und Harkány; ein vierter für Mohács und die Donau.
Was esse und trinke ich in Pécs?
Die Küche ist vom Süden geprägt: Fisch, Paprika, Gemüse, dazu Weine aus der Region. Das nahe Villány ist für kräftige Rotweine bekannt. Mehr zu den Weinen steht auf der Seite Ungarischer Wein. In Pécs selbst ist die Gastronomie vielfältig, von Hausmannskost bis zu modernen Lokalen.
Lokale Biere und Weine finden Sie in Kneipen und Weinstuben der Altstadt, und auch Pécser Weine wie die weiße Sorte Cirfandli kommen dort ins Glas. Probieren Sie die Spezialitäten in kleinen Portionen und fragen Sie nach Empfehlungen des Hauses. Sonntags haben manche Lokale geschlossen, deshalb lohnt eine Reservierung für den Abend.
Welche Ausflüge lohnen sich?
Von Pécs aus erreichen Sie in kurzer Fahrt Villány mit seinen Weinkellern, Siklós mit seiner Burg und Harkány mit seinem Thermalbad. Auch Mohács an der Donau und das Naturgebiet der Drau sind lohnende Ziele. Wer die Region ausführlich erkunden möchte, nimmt sich mehrere Tage.
Eine Fahrt zum Plattensee ist ebenfalls möglich; mehr dazu finden Sie auf der Seite Plattensee.