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Miskolc

Miskolc liegt am Fuß des Bükk-Gebirges in Nordungarn. Die Stadt verbindet einen Avas-Hügel mit rund 900 Weinkellern und Aussichtsturm, mehrere sehenswerte Kirchen vom gotischen Avas-Kirchlein bis zur Holzkirche, das Nationaltheater, den Kurort Miskolctapolca sowie Lillafüred und die Burg Diósgyőr in den Stadtteilen am Gebirge.
Schlanker Betonaussichtsturm auf einem bewaldeten Hügel über den Dächern der Altstadt in Nordungarn, davor weiß getünchte Weinkellerfronten mit Rundbogentüren im Herbstlicht

Was erwartet Sie in Miskolc?

Miskolc liegt am Rand des Bükk-Gebirges im Nordosten Ungarns und ist ein guter Standort für die ganze Region. Der Name der Stadt geht auf Miskóc aus dem Geschlecht Bor zurück, der in Tapolca den Mittelpunkt seiner Sippe festlegte und dort ein Kloster gründete. Die Stadt besteht aus mehreren Vierteln mit eigenem Charakter: die Innenstadt zwischen Széchenyi-Straße und Hősök tere, den Avas-Hügel mit seinen Kellern, den Kurort Miskolctapolca im Westen sowie Lillafüred und Diósgyőr am Gebirgsrand.

Die Stadt eignet sich als Basis für Nordungarn: Lillafüred liegt bereits im Bükk-Nationalpark; die Weinregion Tokaj und Eger sind von hier aus erreichbar. Dieser Überblick stellt die Sehenswürdigkeiten der Stadt selbst vor.

Warum lohnt der Avas?

Der Avas ist der Hausberg der Stadt und das Wahrzeichen ihrer Weinkultur. Auf seiner Nordseite liegt die historische Kellerzeile von Kisavas, die Europa einzigartig in unmittelbarer Nähe zum Zentrum steht. Rund 900 Keller und Weinhäuser lassen sich zählen, nicht selten 300 bis 400 Jahre alt. Die Kellerräume verlaufen im Abstand von etwa sechs bis sieben Metern parallel in den Berg; die meisten sind 10 bis 20 Meter lang, manche 50 bis 100 Meter.

Die Keller gehören zur vergessenen Weinkultur von Miskolc, die auf eine siebenhundertjährige Geschichte zurückblickt. Schon im 17. Jahrhundert trug das Stadtwappen Weinreben. Die Reblaus-Epidemie der 1880er-Jahre beendete diese Kultur. Die meisten Kellerhäuser gehören zum Avas-Kult der 1910er- bis 1930er-Jahre; Ferenc Móra und Zsigmond Móricz kehrten hier gern ein. In den 1970er-Jahren renovierten viele Städter die Keller als Freizeitorte. Durch neue Weinpflanzungen seit den 1970er-Jahren entstand die Weinregion Bükk, zu der die Miskolcer Reben gehören. Zwei Betriebe knüpfen an die alte Tradition an, das Weingut von Zsolt Sándor und die Handwerkskellerei Gallay; Veranstaltungen an der Kellerzeile sind der „Avasi Borangolás“ und das Fröccs-Festival. Allgemein zum Wein lesen Sie Ungarischer Wein.

Den Hügel krönt der Aussichtsturm, der zugleich als Fernsehturm dient. Der erste Turm entstand 1906, als die Asche von Franz II. Rákóczi in die Heimat überführt wurde und der Zug Miskolc berührte; er wurde nach wenigen Monaten abgebaut. 1934 folgte ein Turm im Székely-Stil nach Plänen von Bálint Szeghalmy, den im Aufstand von 1956 das Geschoss eines sowjetischen Panzers zerstörte. Der heutige Turm nach Plänen von Miklós Hofer und György Vörös wurde am 20. August 1963 eingeweiht. Seine schlanke Silhouette ist das Zeichen der Stadt. 2023 wurden Turm und Umgebung erneuert, mit einem pergolaüberdachten Rundweg und einem neuen Gastronomiebetrieb unter dem Turm.

Welche Kirchen sollten Sie sehen?

Die gotische reformierte Kirche am Avas ist eines der ältesten Gebäude der Innenstadt. Der Bau begann im 13. Jahrhundert romanisch und wurde im 15. Jahrhundert zu einer spätgotischen Hallenkirche. 1544 steckten die Osmanen sie in Brand, danach blieb sie zwei Jahrzehnte ohne Dach, wodurch die meisten Fresken verloren gingen. Ihre 13 gotischen Fenster haben alle unterschiedliches Maßwerk, dazu zieren zwei Rosenfenster den Bau. Der Glockenturm steht getrennt von der Kirche und wurde 1557 gebaut; sein Glockenspiel ertönt seit 1941 alle Viertelstunde. Die Kirche liegt neben dem Avaser Friedhof, dem ältesten der Stadt.

Die Holzkirche hinter dem Petőfi-Platz zählt zu den beeindruckendsten Kirchen von Miskolc: ein Holzbau im Székely-Stil, zu 95 Prozent aus Kiefernholz. Zum Eingang führt eine Treppe vom székelischen Tor „Bathó kapu“ hinauf. Schon 1698 stand hier eine Holzkirche; die heutige Gestalt gab ihr 1938 der Stadtbaumeister Bálint Szeghalmy. Die Symbole an der Kirche drücken die Begegnung von Leben und Tod aus. 1997 fiel der Bau einer Brandstiftung zum Opfer und wurde mit Spenden wieder aufgebaut; die Weihe war im Mai 1999. Die Asche des Architekten Szeghalmy ruht in der Nähe der Kirche. Hier finden vor allem Konzerte klassischer Musik statt.

Die „Hahnkirche“, die reformierte Kirche der Innenstadt in der Kossuth-Straße, trägt einen goldenen Hahn auf der Spitze. Sie ist die größte reformierte Kirche der Region und entstand klassizistisch zwischen 1786 und 1808. Im 68 Meter hohen Turm hängt die 28 Zentner schwere Eszter-Glocke zum Gedenken an die im 19. Jahrhundert früh verstorbene Tochter einer reichen Kaufmannsfamilie, Eszter Bató.

Am Hősök tere steht die barocke Minoritenkirche. Der Grundstein wurde im September 1729 gelegt, 1743 war sie fertig, gestiftet von den Familien Almássy und Fáy. Beim Brand am 19. Juli 1843 verbrannte das Dach, Glocken schmolzen, doch bis 1845 stellte man alles wieder her. Der Hochaltar von 1819 trägt als Bild eine Kopie von Tizians „Mariä Himmelfahrt“, die Alajos Sajósy 1867 malte. Die neobarocken Gewölbemalereien stammen von 1928. Die zweitürmige Fassade gliedern dorische und ionische Säulen.

Die Synagoge in der Kazinczy-Straße 7 entstand 1861 bis 1863 im neuromanischen, maurischen Stil nach Plänen von Ludwig Förster, der auch die Synagoge der Budapester Dohány-Straße entwarf. Eine arabeske Rosette und schmale Rundbogenfenster schmücken die Fassade; der dreischiffige Innenraum hat schlanke Eisenpfeiler mit gotischen und byzantinischen Elementen. Marmortafeln in der Toreinfahrt in der Déryné-Straße erinnern an die 1944 aus Miskolc und Umgebung deportierten Juden. Die Synagoge ist seit 2022 wieder zu besichtigen; im selben Jahr eröffnete das Jüdische Museum Miskolc in der Déryné-Straße 20, montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 16 Uhr. Eine zweite Synagoge von 1901 in der Palóczy-Straße wurde 1963 abgerissen.

Die griechisch-katholische Kathedrale am Búza tér von 1912 baute Glatter János für ruthenische und rumänische Gläubige. Ihre Ikonostase mit 19 Bildern entstand 1918. 2011 wurde Miskolc wieder Sitz eines griechisch-katholischen Bischofs, seither trägt die Kirche den Rang der Kathedrale. Die meisten dieser Kirchen sind zu Gottesdiensten oder nach Anmeldung zu besichtigen; die genauen Zeiten nennt die Stadt auf ihren Besucherseiten.

Was gibt es im Zentrum zu sehen?

Das Nationaltheater in der Széchenyi-Straße ist ein klassizistisch-romantischer Bau, an dessen Stelle das erste steinerne Theater im Gebiet des heutigen Ungarn stand. Dieses Theater wurde 1819 begonnen und 1823 mit Károly Kisfaludys Stück „Die Tataren in Ungarn“ eröffnet. 1843 brannte es nieder. Der Grundstein des heutigen Hauses, geplant von Giuseppe Cassano, wurde im September 1847 gelegt; eröffnet wurde es 1857 mit Mihály Vörösmartys „Marót bán“. Erster Direktor war Endre Latabár, Mitglied der Schauspielerdynastie. Die Fassade blieb klassizistisch, das Innere neobarock. In den 1880er-Jahren kam der Turm hinzu, der damals der Feuerwache diente und heute die Uhrzeit zeigt. Der Umbau der 1990er-Jahre vergrößerte die Fläche von 8.000 auf mehr als 16.000 Quadratmeter; heute hat das Haus fünf Spielstätten.

Das Rathaus am Városház tér 8 ist ein romantischer Bau; der Grundstein wurde am 26. März 1870 gelegt, die Pläne zeichnete Stadtbaumeister Lajos Czakó, gebaut hat Ede Klein. Das erste Rathaus an dieser Stelle war im 17. Jahrhundert ein einfacher Bau, ein zweites entstand um 1762 und brannte 1843 ab. Das Rákóczi-Haus in der Széchenyi-Straße ist ein barockes Herrenhaus, das der Kaufmann Ferenc Dőry in den 1650er-Jahren errichten ließ. Fürst Franz II. Rákóczi war zweimal in Miskolc zu Gast und richtete 1706 hier sein Hauptquartier ein; seit 1996 ist die Galerie Miskolc in dem Haus untergebracht. Mehr zu dieser Zeit finden Sie in der Geschichte Ungarns.

Was ist Miskolctapolca?

Miskolctapolca im Westen der Stadt ist der Kurortteil, den Quellen warmen und kalten Wassers über Jahrtausende prägten. Archäologische Grabungen belegen, dass die Gegend von Anfang an besiedelt war; hier legte Miskóc, der Namensgeber der Stadt, den Sitz seines Geschlechts fest und gründete das Benediktinerkloster. Es wurde in den Wirren nach der Schlacht von Mohács 1526 zerstört, danach verödete Tapolca und hieß lange Pusztatapolca. Im 18. Jahrhundert wurde die Gegend wiederbesiedelt, es entstanden zunächst drei Becken, Umkleiden und ein Gasthof mit sechs Zimmern. Im 19. Jahrhundert untersuchten Fachleute die Quellen: Das Wasser half gegen Gicht und Gelenkleiden und vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weshalb Miskolctapolca das „Mekka der Herzkranken“ hieß.

1908 einigten sich Bistum und Stadt in 17 Punkten, und Miskolc baute ein Wasserwerk; in den Jahrzehnten danach entstanden das Thermal- und das Freibad, der Bootssee im Park und die Gastronomie. 1934 wurde das damalige Görömbölytapolca zum Erholungsort erklärt und 1950 offiziell Teil von Miskolc. Neben dem Höhlenbad liegen die Ruinen der 900 Jahre alten Benediktinerabtei, die 2012 Archäologen des Herman-Ottó-Museums fanden. Die bis zu 150 Zentimeter hohen Mauern lagen jahrhundertelang anderthalb bis zwei Meter unter der Erde; die Kirche stand auf einer Insel und hatte schon im 11. Jahrhundert eine Rotunde, die Pfarrkirche der Siedlung und das früheste Gebäude des mittelalterlichen Miskolc. Die Kirche verfiel um 1532; den Turm nutzte man im 18. Jahrhundert als Weinkeller, an seiner Stelle entstand 1924 das Hotel Anna. Die Ruinen liegen im Freien und sind kostenlos zugänglich.

Was liegt westlich im Gebirge?

Lillafüred liegt am Hámori-See, dort wo drei Täler zusammentreffen, und gehört zur Stadt Miskolc. Das Palotaszálló, ein neorenaissancezeitliches Hotel, wurde von 1925 bis 1929 als Staatsprojekt nach Plänen von Kálmán Lux gebaut und 1930 eröffnet. Die Elite der Zeit machte es zum Treffpunkt; Kongresse, Konferenzen und sogar ein Filmfestival fanden hier statt, und der Film „Meseautó“ von 1934 wurde hier gedreht. Seit 2015 ist das Haus nationaler Wert Ungarns. In der Halle hängen zwei Wandbilder, eins zeigt König Ludwig den Großen in Diósgyőr beim Empfang einer venezianischen Friedensgesandtschaft; im Mátyás-Restaurant erinnern bunte Fenster an frühere ungarische Städte wie Pressburg, Kronstadt, Kaschau und Klausenburg. Unter dem Hotel erstrecken sich die Hängenden Gärten, von 2012 bis 2014 erneuert und kostenlos zugänglich. Sie sind terrassenförmig angelegt, die unterste Terrasse liegt am Wasserfall am Eingang der Anna-Höhle. Wegen der Steintreppen ist der Weg mit Rollstuhl oder Kinderwagen mühsam. Mehr zu Höhlen und Wanderungen finden Sie auf der Seite zum Bükk-Nationalpark.

Die Burg Diósgyőr ist als historische Gedenkstätte anerkannt, eine von 52 in Ungarn. Ihre Ruine entdeckten Künstler im frühen 19. Jahrhundert: Gemälde und Zeichnungen zeigen das vom Dickicht überwucherte Gebäude auf dem Hügel. König Ludwig der Große ließ in der Burg eine für die Zeit ungewöhnliche zweigeschossige Kapelle mit offenem Mittelteil bauen; sie wurde 2014 der heiligen Hedwig geweiht, seiner jüngsten Tochter, die den polnischen Thron erbte und 1997 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde. Der Rittersaal war einer der größten Säle Mitteleuropas jener Zeit; Ludwig feierte hier die Krönung zum polnischen König. Die Burg ist derzeit wegen eines Umbaus für Besucher geschlossen. Die benachbarte Arena Lovagi Tornák Tere, ein Platz für Ritterspiele, Konzerte und Theater mit bis zu 4.000 Plätzen, ist weiter in Betrieb. Die Öffnung nach dem Umbau gibt die Burg auf ihrer Website bekannt.

Praxistipp – Für Miskolc genügen zwei Tage: ein Tag Innenstadt mit Avas, Kirchen und Theater, ein Tag Miskolctapolca, Lillafüred und Bükk. Der Avas-Turm und die Kellerzeile sind zu Fuß vom Zentrum erreichbar. Besichtigungszeiten der Kirchen sind oft auf Anmeldung beschränkt, prüfen Sie sie vor der Anreise.

Wie planen Sie den Aufenthalt?

Die Innenstadt, die Kirchen und die Kellerzeile lassen sich zu Fuß erkunden; für Miskolctapolca, Lillafüred und die Burg Diósgyőr brauchen Sie Straßenbahn, Bus oder Auto. Wer Wein mag, probiert am Avas Weine der Region Bükk; Weine aus Tokaj und Eger bieten sich zum Vergleich an, mehr dazu unter Tokajer Wein und Egri Bikavér. Im Herbst und Frühling sind Temperaturen und Licht für Spaziergänge am angenehmsten; die beste Reisezeit erklärt die Seite zum Klima. Von Budapest aus liegt die Stadt auf dem Weg nach Nordostungarn.

Häufige Fragen zu Miskolc