
Was macht Kőszeg so besonders?
Kőszeg liegt im äußersten Westen Ungarns, unmittelbar an der Grenze zu Österreich, am Fuß des Kőszeger Gebirges. Die Stadt gehört zu den seltenen Orten des Landes, deren mittelalterliche Stadtmauer noch steht und deren Grundriss sich kaum verändert hat. Wer durch die Altstadt geht, bewegt sich zwischen Renaissancehäusern, Türmen, Kirchen und einer Burg, die noch im Wohnviertel der Bürger sitzt, statt über dem Ort zu thronen.
Der Ort verbindet drei Dinge, die selten zusammenkommen: eine Geschichte, die in einem einzigen Sommer 1532 europäische Bedeutung erlangte, ein gut gepflegter Stadtkern mit mehreren Museen und ein Umland aus Wald, Weinbergen und Wanderwegen, das die Stadt zur „Hauptstadt“ des Naturparks Írottkő macht. Dazu kommt ein Klima, das die Stadt als einzige Kleinstadt Ungarns dem subalpinen Typ nahebringt und seit Jahrhunderten Menschen mit Atemwegsproblemen anzieht.
Südlich von Kőszeg erstreckt sich der Őrség-Nationalpark mit Wehrkirchen, Glockentürmen und Mooren.
Für die Planung hilft die Einordnung in die Region: Kőszeg ist das Gegenstück zu Sopron, das nordöstlich liegt, und gehört zur Reiseregion Westtransdanubien. Die Stadt eignet sich für einen langen Tagesausflug, wer Burg, Museen und eine Wanderung verbinden möchte, braucht aber zwei Tage.
Wie entstand Kőszeg, und was geschah 1532?
Im 12. und 13. Jahrhundert wurde die Gegend wegen der Abwehr deutscher Einfälle strategisch wichtig. Im Kőszeger Gebirge entstanden Steinburgen, darunter die Oberburg auf dem Óház. Wann sie genau gebaut wurde, ist nicht bekannt, doch sie stand schon zur Zeit des Mongolensturms, denn König Béla IV. musste sie vom österreichischen Herzog zurückerobern. In einer Urkunde darüber taucht der Name erstmals auf: castrum Kuszug, 1248. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verlegte die Familie Németújvári (Güssinger) ihren Sitz hierher. Henrik und sein Sohn Iván bauten unter der alten Burg, am Ufer des Gyöngyös-Bachs, die repräsentative Unterburg, gründeten die Stadt und befestigten sie mit Mauern. Ein Teil der ersten Bewohner waren deutsche Siedler mit Privilegien.
Iván und seine Nachfahren stritten mit Herzog Albrecht von Österreich, der 1289 die Burgen besetzte. Dabei ging das Franziskanerkloster der Stadt unter. König Karl Robert nahm der Familie 1327 die meisten Burgen und gab ihr Ersatz im Landesinneren; 1328 verlieh er Kőszeg den Titel einer königlichen Stadt mit Selbstverwaltung und Marktrecht, später kam das Recht zum Verkauf der Weine ins Ausland hinzu. 1392 schenkte König Sigismund die Stadt dem Palatin Miklós Garai, 1445 nahm sie der deutsch-römische König Friedrich III. in Besitz und verlieh den Bürgern 1446 das Wappen, das die Stadt noch heute führt. Matthias Corvinus eroberte sie 1483 zurück; nach seinem Tod blieb sie bis 1647 ein Pfandbesitz der Habsburger.
Im Jahr 1532 stand Kőszeg unter Hauptmann Miklós Jurisics, als das osmanische Heer gegen Wien zog. Vom 5. bis 30. August hielt die Stadt unter der persönlichen Aufsicht von Sultan Süleyman 19 heftigen Angriffen stand. Sie wurde von wenigen Soldaten, den Bürgern und Bauern der Umgebung verteidigt. Nach dem letzten Sturm erzwang eine Revolte der hungernden Janitscharen den Abbruch der Belagerung; der Großwesir Ibrahim musste abziehen. Als der letzte Teil des Heeres um 11 Uhr die Gegend verließ, läuteten die Glocken. Seit 1777 läuten sie bis heute jeden Tag zu dieser Stunde. Der Ausgang ist ein Kapitel der Geschichte Ungarns im 16. bis 19. Jahrhundert, das viel Platz im Selbstbild der Stadt einnimmt.
Warum war Kőszeg im 17. und 18. Jahrhundert reich?
Nach der Belagerung erhielten die Bürger von König Ferdinand I. Steuerfreiheit und Privilegien für den Wiederaufbau der Mauern; dabei erhielt das Befestigungssystem im Wesentlichen seine heutige Form. Die folgenden rund zwei Jahrhunderte waren die blühendste Zeit: Die Stadt lag an der Fernhandelsroute, die Wien mit der Adria verband. Wein, in der Region das wichtigste Erzeugnis des ganzen Mittelalters, und Gewerbeprodukte fanden Absatz. Ende des 16. Jahrhunderts arbeiteten viele Handwerker in Zünften. Der Wohlstand spiegelt sich in den Renaissancehäusern am Jurisics-Platz.
In der Reformation wurde die Bevölkerung fast vollständig protestantisch, bildete aber nach Sprachen getrennte Gemeinden. Die deutsche Gemeinde erhielt die Jakobskirche, für die Ungarn entstand 1615 bis 1618 eine neue Kirche, die nach der Rückkehr zum katholischen Glauben zur Emmerichskirche wurde. 1648 kam die Stadt zu Ungarn zurück und wurde freie königliche Stadt, als einzige im Komitat Vas; sie durfte bis 1848 Abgesandte in den Landtag schicken. 1677 gründete Erzbischof György Széchényi das katholische Gymnasium, das die Jesuiten führten und das heute Jurisics-Miklós-Gymnasium heißt. Von 1724 bis 1869 tagte hier die Distriktstafel, ein Gericht für größere Streitfälle des transdanubischen Adels. Adelsfamilien wie Sigray, Festetics und Nádasdy kauften deshalb Häuser, und Juristen ließen sich nieder.
Im 19. Jahrhundert ging es bergab. Die Eisenbahnlinien wurden an der Stadt vorbeigeführt, die Tuchmacherei verlor gegen billige Fabrikware, und mit dem Ende der Distriktstafel 1869 fehlte ein Teil der geistigen Schwungkraft. Die Bürger bauten Kasernen und Schulen, um Einnahmen zu sichern, und finanzierten selbst die Bahnverbindung nach Szombathely. Der Touristenverein errichtete in den Bergen Aussichtstürme und Informationsstellen. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der größere Teil des Bezirks zu Österreich, die Märkte der Umgebung gingen verloren, und nach dem Zweiten Weltkrieg sperrte die Grenze die Stadt für Jahrzehnte ab. Erst nach dem Abbau des Eisernen Vorhangs 1989 belebte sich der Tourismus wieder, der in den 1970er-Jahren langsam begonnen hatte.
Was erwartet Sie in der Jurisics-Burg?
Die Burg ist die größte Sehenswürdigkeit der Stadt und liegt im Westen der ummauerten Altstadt, wobei ihre Außenmauern stellenweise mit der Stadtmauer zusammenfallen. Der älteste Teil stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die ursprünglich gotische Innenburg wurde erweitert, in Renaissance und Barock umgebaut und diente als Herrschaftsschloss. Das spätgotische bis frührenaissancezeitliche Gewölbe des Laufgangs zählt zu den schönsten Beispielen ungarischer Burgbaukunst. Im Hof stand das Standbild von Miklós Jurisics. Die Familie Esterházy besaß die Anlage 236 Jahre lang, daher wird sie auch Esterházy-Burg genannt.
Im Obergeschoss des Süd- und Südostflügels zeigt das Stadtmuseum die Dauerausstellung „Jahrhunderte der Burg von Kőszeg“. Die Räume behandeln die árpádenzeitlichen Burgen der Gegend, das 15. Jahrhundert, den Gegensatz der Großmächte, den Feldzug Süleymans von 1532, die Belagerung, die Pfandbesitzer und die Esterházy. Dazu kommen eine Ausstellung über das Buch des Weinaustriebs, eine Herrentafel mit Küche aus dem 12. bis 16. Jahrhundert, eine Waffenkammer, in der Sie manche Waffen und Rüstungen anfassen und ausprobieren dürfen, und zwei Räume über die Bezüge der Heiligen Krone zu Kőszeg. Im Rittersaal laufen Filme über die Stadt und die Burg, die Kapelle birgt ein Lapidarium.
Sie können den Westturm besteigen: Von dort reicht der Blick über die Altstadt und die umgebenden Berge bis zum Óház-Aussichtsturm, zum Sultan-Aussichtsturm und zur Kalvarienbergkirche. Im Erdgeschoss gibt es ein Spielzimmer mit Bogenschießen, Frottage-Stationen zum Abpausen von Burgdetails, einen Basar, ein Büffet und einen Kräutergarten. Ein 15-minütiger 3D-Film führt durch die ungarische Geschichte von der Landnahme bis zur Gegenwart und läuft neben Ungarisch auch auf Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Russisch und Chinesisch; er kostet extra. Die Burg ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von Juni bis Ende August auch montags.
Was sehen Sie bei einem Rundgang durch die Altstadt?
Kern der Altstadt ist der Jurisics-Platz. Hier stehen die Renaissancehäuser der wohlhabenden Zunftbürger, und hier befindet sich der Brunnen, den die Stadt 1766 anstelle eines älteren Kettenbrunnens bauen ließ. Das Brunnenhaus im Zopfstil war ursprünglich geschlossen, 1818 bis 1824 wurde es klassizistisch umgestaltet, indem man die fensterartigen Öffnungen freilegte. Heute ist es nach vier Seiten mit Bögen geöffnet, ein flaches böhmisches Kappengewölbe ruht auf Pfeilern mit dorischen Pilastern. Der Brunnen spielt zu festen Uhrzeiten Musik, darunter um 11.03 Uhr das Kőszegi ének von Lajos Bárdos, um 16.01 Uhr Vivaldis „Herbst“ und um 18.03 Uhr den Marsch der Bahnlinie Kőszeg–Szombathely.
Am Jurisics-Platz liegt auch das Tábornokház (Generalshaus), das heute die Zentrale des Stadtmuseums ist. Daneben steht das Heldentor (Hősök Tornya), das Wahrzeichen der Stadt: Es wurde 1932 an der Stelle des árpádenzeitlichen Südtors der Stadtmauer errichtet. Das Museum zeigt hier die Ausstellung „Kleinhandwerke“, die in dieser Form im Land einzigartig ist; die nächste vergleichbare steht in Prag. Kőszeg ist der einzige Ort, in dem nach mehrjähriger organisierter Sammlung ganze Werkstätten mit voller Ausstattung ins Museum kamen. Hinzu kommt eine der reichsten Zunft- und Gewerbesammlungen des Landes: Die erste Zunft der freien königlichen Stadt entstand 1504, später folgten 54 weitere. Das Museum selbst gründeten die Bürger 1932.
Im Haus Jurisics-Platz 6 liegt das Apothekenmuseum „Zum Goldenen Einhorn“. Die Stadt besitzt, einmalig im Land, mehrere Apothekentypen, und dieses Haus erinnert an die Klosterapotheke ebenso wie an die bürgerliche. Hier arbeitete die erste Apotheke der Stadt von 1665 bis 1983. Im Erdgeschoss sehen Sie das Apothekeninterieur des 17. Jahrhunderts und die pharmaziehistorische Ausstellung, im Original die Kirschholzmöbel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Besonders ist der Trockenboden (Drogenboden), im Land einzigartig. Im Hof liegt ein barock gestalteter Apothekergarten.
Im Altturm (Zwinger) sehen Sie einen neuneckigen Bastionsturm, der zum ältesten Teil des Verteidigungssystems der Stadt zählt. Die Museen sind von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen und Familien bietet die Burg ein kostenloses Burgspiel an, und neben den Dauerausstellungen zeigt das Stadtmuseum wechselnde Ausstellungen, zuletzt „Kőszegs hervorragende Werte“ über das lokale Kulturerbe.
Welche Weine und Feste prägen Kőszeg?
Der Weinbau prägte die Stadt durch das gesamte Mittelalter. Seit 2004 gibt es die Kőszeger Weinstraße: Auf Anregung des Naturparkvereins und der Weinfreunde entstand die Kőszeger Weinstraße, 2006 das Haus der Kőszeger Weine. Der Wein ist vor allem Rotwein; beliebte Sorten sind Kékfrankos, Zweigelt und Blauburger, unter den Weißen Chardonnay und Furmint, dazu gibt es Rosé. Verkauft wird überwiegend im Ausschank der Winzer, aber auch in der Gastronomie der Stadt. Weitere Weinregionen Ungarns stellt die Seite Ungarischer Wein vor.
Ein Wahrzeichen der Weinkultur ist das Buch des Weinaustriebs (Szőlő jövésnek könyve). Seit 1740 wird darin jedes Jahr der Austrieb der Reben am Georgstag, dem 24. April, gezeichnet, zuerst mit Bleistift und Feder, später als Aquarell. Die Eintragung findet bis heute jedes Jahr am 24. April statt, und in der Burg können Sie das Buch virtuell durchblättern.
Der Festkalender ist dicht. Das Kőszeger Lesefest (Kőszegi Szüret) mit internationalem Blasorchestertreffen läuft seit mehr als 30 Jahren, sein Höhepunkt ist der Karneval am Samstag des letzten vollen Septemberwochenendes. Im August erinnern die Kőszeger Belagerungstage („Halbmond und Vollmond“) seit 2007 an 1532: Vereine, Feuerwehr, Minderheiten und Künstler schlüpfen in Kostüme, und wie 1532 dauert die „Belagerung“ der Touristen 25 Tage. Seit 1984 gibt es den Historischen Lauf, bei dem auf 1532 Metern jeder mitlaufen kann. Im Herbst folgt der Markt zum Ursulatag mit dem Fest „Geschmack des Naturparks“.
Welche Wanderungen und Natur bietet die Umgebung?
Kőszeg ist die „Hauptstadt“ des Naturparks Írottkő, der aus 18 Gemeinden besteht. Von der Stadt führen markierte Wege zu den Stájer-Häusern, zur Siebenquelle (Hétforrás) im Talkessel von Rőtfalva, zum Óház-Aussichtsturm und zum Gipfel des Írottkő. Vom Aussichtsturm auf dem Írottkő sehen Sie den Panoramablick auf die Alpen. Hier treffen sich mehrere Fernwege, darunter der Alpannonia-Weg, der Mária út und der Nationale Blaue Weg. Beliebt sind außerdem der Bootssee am Fuß des Berges, der Kalvarienberg mit Panoramablick über die Stadt und der Sankt-Veits-Berg; vom Óház-Aussichtsturm reicht der Blick auf die Zeugenberge Ság und Somló. Rund um die Stadt führen Radwege, es gibt Reitmöglichkeiten, und ein Stadtspaziergang führt zu den geschützten Bäumen. Das Besucherzentrum István Bechtold mit interaktiver Ausstellung und Vogelschau ist ein beliebter Ausgangspunkt für Touren ins Gebirge.
Das Klima der Stadt ist ein nationaler Wert: Kőszeg ist praktisch die einzige Kleinstadt Ungarns mit subalpinem Klima, und seit Jahrhunderten war sie Ziel für Menschen mit Atemwegserkrankungen. Die Stadt arbeitet am Erhalt dieser Bedingungen im Wandel des Klimas. Mehr zum Klima des Landes finden Sie auf der Seite Klima und beste Reisezeit.
Auch das Musikleben ist ausgeprägt. Seit 1937 erinnert das Kodály-Fest in der letzten Maiwoche an den Besuch von Zoltán Kodály, zu dem der Chor Angelica beiträgt. Ende September erklingt Musik zu Ehren von Franz Liszt, der 1846 in Kőszeg auftrat und im nahen Doborján (Raiding) geboren wurde. Das Sommerfestival läuft in seinem 16. Jahr, die Hangzó Város genannten Sommerkurse einer Musikakademie gehören dazu. Über die ungarische Musik im Ganzen informiert die Seite Musik.
Welche Anlaufstellen und Termine sollten Sie kennen?
Die Touristeninformation Tourinform liegt am Hauptplatz (Fő tér 2). Dort erhalten Sie Karten, Wanderrouten und die gedruckte Beschreibung eines Stadtspaziergangs zu den geschützten Bäumen von Kőszeg. Für Altstadt, Burg und Museen genügt ein langer Tag; mit einer Wanderung im Naturpark Írottkő werden zwei Tage daraus. Wer mehr Zeit hat, verbindet Kőszeg mit Sopron.
Burg und Museen sind im Sommer am vollständigsten geöffnet: Die Burg hat von Juni bis August auch montags auf. Die besten Anlässe für einen Besuch sind der Georgstag am 24. April mit der Eintragung ins Buch des Weinaustriebs, die Belagerungstage im August und das Lesefest am letzten vollen Septemberwochenende. Eintrittspreise und Öffnungszeiten ändern sich, prüfen Sie sie vor der Anreise auf den Seiten der Stadt, der Burg und der Museen.