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Debrecen

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Debrecen ist mit rund 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Ungarns und das Tor zur Puszta. Die Universitätsstadt im Osten gilt als „calvinistisches Rom“, überrascht mit der größten reformierten Kirche des Landes, dem weiten Nagyerdő-Wald und dem berühmten Blumenkarneval im August.

Die Universitätsstadt Debrecen liegt im Osten Ungarns und ist mit etwa 200.000 Einwohnern die größte Stadt der Großen Tiefebene und die zweitgrößte des Landes – nur die Hauptstadt Budapest ist größer. Ihre Bürger waren einst wohlhabende Bauern und Viehhändler; ihre Stadt nannten sie das „Rom der Calvinisten“, denn nirgends in Ungarn war die Reformation so fest verwurzelt. Bekannt wurde Debrecen durch die würzigen Debreziner Wurstwaren und den prächtigen Blumenkarneval. Als Tor zur Puszta ist die Stadt zugleich Ausgangspunkt für Ausflüge in den Nationalpark Hortobágy. Eine Einordnung in Ungarns Städte & Regionen finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Was macht Debrecen aus?

Debrecen ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ostungarns. Die Stadt verbindet ein klassizistisches Stadtbild mit einer lebendigen Universität, deren Hauptgebäude zu den schönsten des Landes zählt. Anders als das hügelige Westungarn liegt Debrecen mitten in der flachen Tiefebene – ringsum erstreckt sich die Puszta. Die Innenstadt ist großzügig angelegt, mit weiten Plätzen und Boulevards, und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Ihren Charakter als calvinistische Hochburg trägt die Stadt bis heute mit Stolz. Als bedeutende Universitätsstadt ist Debrecen zudem jung und lebendig: Studierende prägen das Straßenbild, und ein reges Kulturleben mit Theatern, Festivals und Konzerten macht die Stadt zu mehr als nur einem Zwischenstopp auf dem Weg in die Puszta.

Geschichtlich war Debrecen über Jahrhunderte ein wohlhabender Marktflecken mit ungewöhnlich viel Eigenständigkeit. Während der osmanischen Besatzung lavierte die Stadt geschickt zwischen den Mächten und blieb weitgehend verschont; ihr Reichtum gründete auf Viehhandel und Handwerk. Zweimal wurde Debrecen sogar kurzzeitig Hauptstadt Ungarns: 1849 während der Revolution gegen die Habsburger und erneut 1944, als hier die provisorische Nationalversammlung tagte. Heute lebt in Debrecen rund jeder fünfzigste Ungar, und mit großen Industrieansiedlungen, einer renommierten Universität und einem internationalen Flughafen entwickelt sich die Stadt zu einem dynamischen Zentrum im Osten des Landes.

Warum ist die Große Reformierte Kirche das Wahrzeichen?

Die Große Reformierte Kirche (Nagytemplom) auf dem Kossuth-Platz ist das unverkennbare Wahrzeichen Debrecens und die größte protestantische Kirche Ungarns. Der klassizistische Bau von 1824 mit seinen beiden markanten Türmen prägt das Stadtbild; vom Turm bietet sich ein weiter Blick über die Tiefebene. Im Inneren fasst der schlichte, helle Saal mehrere tausend Gläubige, und die größte Glocke des Landes, die „Rákóczi-Glocke“, hängt in einem der Türme. Die Kirche hat auch historische Bedeutung: 1849 rief hier Lajos Kossuth die Unabhängigkeit Ungarns von den Habsburgern aus. Bei Ausgrabungen wurden unter der Kirche Reste eines älteren Vorgängerbaus entdeckt. Hinter der Großkirche liegt ein Gedenkgarten mit Statuen der Landeshelden. Direkt benachbart steht das Reformierte Kollegium, eine der ältesten Schulen Ungarns, deren Bibliothek wertvolle Handschriften bewahrt und an der über Jahrhunderte die protestantische Elite des Landes ausgebildet wurde. Mehr zu den geschichtlichen Hintergründen lesen Sie unter Geschichte Ungarns.

Welche Baudenkmäler lohnen in der Altstadt?

Rund um den Kossuth-Platz reihen sich sehenswerte Bauten: Das klassizistische Rathaus zählt zu den herausragenden Baudenkmälern, das Csokonai-Theater wurde 1865 fertiggestellt. Neben der Franz-Liszt-Musikhochschule liegen die Universität und die Landwirtschaftshochschule. In der Piac-Straße erinnern historische Handelshäuser an die Zeit, als Debrecen ein bedeutender Marktplatz war – eines trägt bis heute eine Merkurfigur an der Fassade. Aus der von Geschäften gesäumten Gambrinus-Gasse führen Treppen in die Einkaufsstraße. Die im 15. Jahrhundert angelegte Széchenyi-Straße hieß ursprünglich „Német“ (Deutsch), denn hier wohnten deutsche Kaufleute. Ein eigenes Kapitel verdient das Déri-Museum: Es zeigt neben archäologischen und kunsthistorischen Sammlungen vor allem die monumentalen Christus-Trilogie-Gemälde von Mihály Munkácsy, einem der bedeutendsten ungarischen Maler des 19. Jahrhunderts. Weitere lohnende Ziele für Kulturreisende stellen wir auf unserer Seite zu Ungarns Sehenswürdigkeiten vor. Einen Eindruck vom kulturellen Leben gibt unsere Seite zur Kultur.

Was bietet der Nagyerdő-Wald mit Thermalbad?

Im Norden der Stadt liegt der Nagyerdő („Großer Wald“), ein über 1.000 Hektar großes Erholungsgebiet im ältesten geschützten Wald Ungarns. Hier finden sich ein modernes Thermal- und Erlebnisbad (Aquaticum), ein Zoo, ein Vergnügungspark, eine Freilichtbühne sowie ein botanischer Garten. Das Heilwasser von Debrecen ist mineralreich und ganzjährig nutzbar – ein guter Ort, um nach dem Stadtbummel zu entspannen. Im Sommer ergänzt ein Strandbad mit Wellenbecken das Angebot, während die überdachten Thermalbecken auch im Winter genutzt werden können. Die mediterran gestaltete Aquaticum-Badelandschaft mit ihren künstlichen Höhlen, Wasserfällen und tropischen Pflanzen gilt als eine der originellsten Thermen Ungarns. Eingebettet in den Großen Wald liegen außerdem das Stadion, das große Universitätsgebäude und mehrere Kurhotels, sodass sich Erholung, Sport und Naturerlebnis auf engem Raum verbinden lassen. Damit reiht sich Debrecen in Ungarns reiche Bädertradition ein; einen Überblick bietet unsere Seite Wellness & Thermalbäder.

Gut zu wissen – Der Blumenkarneval findet alljährlich um den 20. August statt und ist die touristisch beliebteste Zeit. Wer den großen Festumzug erleben möchte, sollte Unterkunft und Tickets früh buchen.

Warum ist Debrecen das Tor zur Puszta?

Debrecen ist der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in die Puszta: Nur etwa 40 Kilometer westlich beginnt der Nationalpark Hortobágy, die größte zusammenhängende Steppenlandschaft Mitteleuropas und seit 1999 UNESCO-Welterbe. Hier zeigen Csikós-Reiter ihre traditionelle Reitkunst, Graurinder und Zackelschafe weiden auf weiten Ebenen, und die berühmte neunbogige Steinbrücke spannt sich über das Flachland. Den kulturellen Höhepunkt in der Stadt selbst bildet der Blumenkarneval (Virágkarnevál): Seit 1966 zieht jedes Jahr am 20. August ein farbenprächtiger Festumzug mit blumengeschmückten Wagen durch Debrecen. Hunderttausende Besucher säumen dann die Straßen, abends folgen Konzerte und ein großes Feuerwerk. Offizielle Informationen zum Schutzgebiet bietet die Verwaltung des Nationalparks Hortobágy.

Was kann man rund um Debrecen unternehmen?

Die Umgebung von Debrecen bietet weit mehr als die Stadt selbst – ein gemieteter Wagen oder geführte Touren erschließen die Weite der Großen Tiefebene. Wichtigstes Ziel ist der schon erwähnte Nationalpark Hortobágy mit seinem Dorf gleichen Namens, wo eine traditionelle Csárda (Steppenwirtshaus) ungarische Hirtenküche serviert und der Nationalpark-Besucherzentrum die Tier- und Pflanzenwelt der Puszta erklärt. Mit Pferdekutschen geht es hinaus zu den Herden grauer Steppenrinder, Wasserbüffel und Mangalica-Wollschweine; im Frühjahr und Herbst rasten zudem Zehntausende Kraniche an den Fischteichen, ein Höhepunkt für Vogelbeobachter. Wer es ruhiger mag, fährt zum nahen Badeort Hajdúszoboszló, dessen weitläufiges Thermalbad zu den beliebtesten Ungarns zählt. Auch das barocke Nyírbátor mit seinen gotischen Kirchen, der Marienwallfahrtsort Máriapócs und die Tokaj-Weinregion im Norden liegen in erreichbarer Entfernung und lassen sich gut zu einer Rundreise durch Ostungarn verbinden. Passende Hotels & Unterkünfte für solche Touren finden Sie über unsere Reiseseiten.

Wann ist die beste Reisezeit für Debrecen?

Die beste Reisezeit für Debrecen liegt zwischen Mai und September, wenn warmes, meist trockenes Kontinentalklima zum Erkunden von Stadt und Puszta einlädt. Der Sommer kann in der Tiefebene heiß werden – Werte über 30 Grad sind im Juli und August keine Seltenheit –, dafür sind die Tage lang und die Thermalbäder im Nagyerdő angenehm. Der absolute Höhepunkt ist der 20. August mit dem Blumenkarneval; in dieser Woche ist die Stadt voll und Unterkünfte sind teuer, weshalb Sie früh buchen sollten. Mai, Juni und September bieten mildere Temperaturen, blühende Landschaften beziehungsweise die Kranichrast im Hortobágy und deutlich ruhigere Bedingungen. Frühling und Herbst eignen sich auch besser für ausgedehnte Wanderungen und Radtouren durch die Steppe. Die Wintermonate sind kalt und oft neblig, doch gerade dann lohnt sich ein Besuch der überdachten Thermalbecken – und zur Adventszeit verwandelt ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt den Kossuth-Platz.

Wie reist man nach Debrecen an?

Debrecen ist verkehrsgünstig gelegen und auf mehreren Wegen gut erreichbar. Am bequemsten reist man mit der Bahn: Vom Budapester Westbahnhof (Nyugati) fahren mehrmals stündlich InterCity-Züge, die Fahrzeit beträgt nur etwa 2,5 Stunden. Der Hauptbahnhof liegt zentral, von dort bringen Straßenbahn und Busse Reisende in die Innenstadt und hinaus zum Nagyerdő. Mit dem Auto erreicht man Debrecen über die Autobahn M3 und M35 aus Budapest in rund zwei bis drei Stunden. Wer aus Deutschland anreist, kann auch den Flughafen Debrecen (IATA-Code DEB) nutzen, der internationale Verbindungen unter anderem nach mehreren europäischen Städten anbietet und nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt liegt. Innerhalb der Stadt sind die meisten Sehenswürdigkeiten rund um den Kossuth-Platz fußläufig erreichbar; für den Weg in den Großen Wald oder zu den Bädern ist die historische Straßenbahnlinie 1 eine charmante und günstige Option.

Häufige Fragen zu Debrecen

Ist Debrecen wirklich die zweitgrößte Stadt Ungarns?

Ja. Mit rund 200.000 Einwohnern ist Debrecen nach Budapest die zweitgrößte Stadt des Landes und das Zentrum der Großen Tiefebene. Es gilt als wirtschaftliches und kulturelles Herz Ostungarns.

Wann findet der Debrecener Blumenkarneval statt?

Der Blumenkarneval wird alljährlich um den 20. August gefeiert, den ungarischen Nationalfeiertag. Höhepunkt ist der große Festumzug mit Wagen, die mit Millionen frischer Blüten geschmückt sind. Die Tradition reicht bis 1966 zurück.

Wie kommt man von Debrecen in die Puszta?

Der Nationalpark Hortobágy liegt nur etwa 40 Kilometer westlich und ist mit dem Auto oder der Bahn gut erreichbar. Dort erlebt man Csikós-Reiter, Graurinder und die typische Steppenlandschaft der Großen Tiefebene.

Wie lange dauert die Anreise von Budapest nach Debrecen?

Mit dem InterCity-Zug ab dem Budapester Westbahnhof sind Sie in rund 2,5 Stunden in Debrecen, mit dem Auto über die Autobahn M3/M35 je nach Verkehr in zwei bis drei Stunden. Zudem gibt es den Flughafen Debrecen (DEB) mit internationalen Verbindungen.