
Wie entstand das Parlament in Budapest?
Als Ungarn im 19. Jahrhundert innerhalb der Habsburgermonarchie nach mehr Eigenständigkeit strebte, wuchs der Wunsch nach einem Parlamentsgebäude, das dem Selbstbewusstsein der Nation Ausdruck verleiht. Nach dem Ausgleich von 1867 und der Vereinigung von Pest, Buda und Óbuda zur Hauptstadt im Jahr 1873 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den der Architekt Imre Steindl für sich entschied. Der Grundstein wurde 1885 gelegt, und zur Tausendjahrfeier der Landnahme 1896 wurde das Haus feierlich eingeweiht. Vollständig fertiggestellt war es 1904.
Steindl starb 1902 und erlebte die Vollendung seines Lebenswerks nicht mehr. Das Gebäude blieb sein Vermächtnis und prägt das Bild der Hauptstadt bis heute.
Was macht die Architektur des Parlaments so besonders?
Das Parlament ist ein Paradebeispiel für den Historismus. Die Fassade folgt der Neugotik, den Grundriss und die Kuppel aber prägen Formen der Renaissance und des Barock. Steindl ließ sich vom Londoner Palace of Westminster inspirieren, schuf jedoch ein eigenständiges Werk mit symmetrischem Aufbau, einer Hauptkuppel und zwei großen Sitzungssälen für Ober- und Unterhaus. Die Gesamtlänge liegt bei rund 268 Metern, die Kuppel erreicht 96 Meter – eine Zahl, die an das Jahr 896 der Landnahme und an das Festjahr 1896 erinnert.
Rund um das Dach reihen sich zahllose Türmchen, Fialen und Statuen. An der Fassade sehen Sie Standbilder ungarischer Herrscher, Fürsten und Feldherren.
Was ist in der Kuppelhalle zu sehen?
Das Herzstück jeder Führung ist die sechzehneckige Kuppelhalle, die unter der Hauptkuppel liegt. Hier ruht auf einem Podest hinter Glas die Heilige Krone, die Stephanskrone, zusammen mit Zepter, Reichsapfel und Schwert. Die Insignien gelten in Ungarn als nationales Heiligtum; bis heute wird die Krone von einer Ehrengarde bewacht. Ihre Geschichte ist abenteuerlich: Sie wurde im Zweiten Weltkrieg außer Landes gebracht, gelangte in die Vereinigten Staaten und kehrte erst 1978 nach Ungarn zurück. Seit dem Jahr 2000 ist sie im Parlament ausgestellt.
Der Blick nach oben lohnt sich ebenfalls: Das Gewölbe der Kuppel ist mit Wappen und goldenen Ornamenten verziert, die im Licht der hohen Fenster glänzen. Fotografieren ist in der Kuppelhalle nur eingeschränkt erlaubt; das Personal weist Sie vor Ort darauf hin.
Welche Räume gehören zum Rundgang?
Die Tour beginnt im Treppenhaus, das mit seinen Säulen, den Glasfenstern und den Deckengemälden wie ein Kirchenschiff wirkt. Die Prunktreppe ist mit rotem Teppich ausgelegt und mit vergoldeten Verzierungen geschmückt; hier hat fast jedes Detail eine eigene Symbolik. Weiter geht es durch lange Gänge mit Mosaiken und Wandmalereien, vorbei an Büsten und Gemälden, bis zum früheren Oberhaussaal, der heute für Zeremonien und Konferenzen genutzt wird.
Auffällig sind die Materialien: Marmor, Gold und kunstvolles Kunsthandwerk wurden in großen Mengen verbaut. Das Gebäude gilt als Gesamtkunstwerk, an dem Handwerker aus dem ganzen Land beteiligt waren. Mehr zur Baukunst des Landes bietet die Seite Architektur.
Wie besichtige ich das Parlament?
Das Innere ist ausschließlich bei geführten Touren zugänglich, die in mehreren Sprachen angeboten werden, darunter Deutsch. Der Zugang erfolgt über das Besucherzentrum auf der Nordseite am Kossuth-Platz. Da die Zahl der Teilnehmer begrenzt ist und das Parlament an Sitzungstagen oder bei Veranstaltungen für Besucher geschlossen sein kann, sollten Sie Ihre Eintrittskarte rechtzeitig im Voraus beim offiziellen Ticketverkauf des Parlaments reservieren. Halten Sie Ihren Ausweis bereit, denn am Eingang finden Sicherheitskontrollen statt.
Eine Führung dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Preise, Sprachen und Startzeiten ändern sich; prüfen Sie diese Angaben deshalb direkt beim Veranstalter. Rechnen Sie außerdem mit einer Wartezeit an der Sicherheitsschleuse und kommen Sie zehn bis fünfzehn Minuten vor Beginn.
Wie komme ich zum Parlament?
Das Parlament liegt am Kossuth-Platz im Stadtteil Lipótváros, mitten im Zentrum von Pest. Am bequemsten erreichen Sie es mit der Metrolinie M2 bis zur Station Kossuth Lajos tér; von dort sind es nur wenige Schritte. Auch die Straßenbahn entlang des Pester Donauufers hält in der Nähe. Vom Hotel in der Innenstadt gelangen Sie meist zu Fuß dorthin: Von der Kettenbrücke aus spazieren Sie in etwa zwanzig Minuten am Wasser entlang. Das Ufer ist ein beliebter Spazierweg, auf dem man das Gebäude schon von weitem sieht.
Wer ohnehin die Stadt erkundet, verbindet den Besuch am besten mit anderen Zielen im Umkreis, etwa der Kettenbrücke. Eine Übersicht über alle Stadtteile gibt Ihnen die Seite Budapest.
Was bedeuten die Schuhe am Donauufer?
Nur wenige Gehminuten südlich des Parlaments liegt ein stilles Mahnmal: Am Ufer stehen sechzig Paar Schuhe aus Eisen, die der Filmregisseur Can Togay und der Bildhauer Gyula Pauer 2005 schufen. Sie erinnern an die Menschen, die 1944 und 1945 von Mitgliedern der faschistischen Pfeilkreuzler am Donauufer erschossen wurden, viele von ihnen jüdische Bürger Budapests. Die Schuhe sind in unterschiedlichen Größen und Stilen gearbeitet – Männerschuhe, Frauenschuhe, Kinderschuhe – und wirken gerade deshalb so unmittelbar.
Besucher legen hier Blumen nieder oder stellen Kerzen auf. Bitte behandeln Sie den Ort mit Respekt: kein lautes Verhalten, keine Selfies mit scherzhaften Posen. Das Mahnmal gehört zum Gedenken an die dunkelsten Jahre der ungarischen Geschichte, die Sie auf der Seite 20. Jahrhundert nachlesen können.
Wo gibt es die schönsten Blicke auf das Parlament?
Das Gebäude fotografiert sich von mehreren Seiten unterschiedlich. Das klassische Motiv entsteht am gegenüberliegenden Ufer in Buda: Von der Fischerbastei oder vom Uferweg unterhalb des Burgbergs sehen Sie die gesamte Längsfront mit der Kuppel im Zentrum. Besonders wirkungsvoll ist die blaue Stunde, wenn die Beleuchtung angeht und sich das Parlament im ruhigen Wasser der Donau spiegelt. Ein zweiter Klassiker ist der Blick von der Margaretenbrücke oder von der Margareteninsel flussabwärts.
Auf der Pester Seite eignet sich der Kossuth-Platz mit dem Reiterdenkmal von Ferenc II. Rákóczi für Fotos aus der Nähe. Wer das Gebäude samt Spiegelung ohne Menschenmassen aufnehmen möchte, geht frühmorgens los. Mehr zum Burgberg lesen Sie auf der Seite Burgviertel.
Lohnt eine Bootsfahrt vorbei am Parlament?
Ja, denn vom Fluss aus erscheint das Gebäude in seiner vollen Länge, und die Perspektive ändert den Eindruck deutlich. Mehrere Anbieter fahren Rundfahrten auf der Donau, tagsüber wie abends. Die Abendfahrten bei Beleuchtung sind besonders beliebt, weil dann auch die Kettenbrücke, der Burgpalast und die Fischerbastei in warmem Licht erstrahlen. Manche Fahrten schließen ein Getränk oder ein Abendessen ein.
Wer sparen möchte, nutzt die öffentlichen Fähren auf der Donau, die in Budapest als Teil des Nahverkehrs verkehren, und genießt ähnliche Ausblicke. Welche Boote wann fahren, hängt von Jahreszeit und Wasserstand ab; erkundigen Sie sich vor Ort am Anleger.
Was ist bei Sicherheitskontrolle und Kleidung zu beachten?
Am Eingang gelten Regeln wie an einem Flughafen: Taschen werden durchleuchtet, größere Rucksäcke und Stative müssen häufig abgegeben werden, und Sie sollten den Ausweis oder Reisepass dabeihaben. Schränken Sie das Gepäck deshalb auf das Nötigste ein. Eine bestimmte Kleiderordnung gibt es nicht, doch angemessene Kleidung zeigt Respekt vor dem Ort; Mützen und Hüte nehmen Sie während der Führung ab. Die Räume sind klimatisiert, in der Kuppelhalle kann es kühl sein, deshalb empfiehlt sich eine leichte Jacke.
Die Zugänge sind weitgehend barrierefrei; wer eine Begleitung oder besondere Unterstützung benötigt, meldet dies bei der Reservierung an. Für Familien gilt: Kinder sind willkommen, sollten aber ruhig bleiben, denn die Gruppen ziehen durch repräsentative Räume mit empfindlicher Ausstattung.
Welche Besonderheiten sollte man kennen?
Im Parlament arbeiten bis heute die Abgeordneten des ungarischen Nationalrats, deshalb ist ein Teil des Gebäudes nicht öffentlich zugänglich. Auch die Verwaltung und Teile der Büros sind untergebracht. Auf dem Platz vor dem Haus ist die Staatsflagge gehisst, und zu bestimmten Anlässen findet ein feierlicher Wachwechsel statt.
Für Reisende gut zu wissen: Das Parlament ist Teil des Weltkulturerbes „Budapest, einschließlich der Donauufer, des Burgviertels und der Andrássy-Straße“. Außerdem ist es ein Beispiel dafür, wie Ungarn Baukunst, Handwerk und Politik zu einem nationalen Symbol verschmolz.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Besuch?
Das Gebäude ist das ganze Jahr über sehenswert. Im Frühling und im Frühherbst herrscht angenehmes Wetter für Spaziergänge am Ufer, und die Tage sind lang genug für Besichtigung und Bootsfahrt. Im Sommer wird es in der Stadt heiß, dafür sind die Abende lange hell und milder. Der Winter bringt Nebel und manchmal Schnee, was dem Parlament einen fast märchenhaften Charakter verleiht, und die Schlangen vor dem Besucherzentrum sind kürzer.
Wann sich welche Jahreszeit am besten eignet, lesen Sie auf der Seite Klima und beste Reisezeit. Für die Unterkunft empfiehlt sich ein Hotel in der Innenstadt von Pest, von dem aus Sie das Parlament zu Fuß erreichen.
Was lässt sich mit dem Besuch gut kombinieren?
Rund um das Parlament liegt eine Reihe weiterer Sehenswürdigkeiten, die sich an einem Tag verbinden lassen. Im Süden beginnt das Gebiet um die Freiheitsbrücke mit der Großen Markthalle. Nur wenige Minuten entfernt liegt die Prachtstraße Andrássy út, die zum Heldenplatz führt.
Für einen entspannten Abschluss bietet sich ein Bad an, etwa im Széchenyi-Bad im Stadtwäldchen, oder ein Abend im jüdischen Viertel. So wird der Besuch des Parlaments Teil eines runden Tages in der Stadt.