
Was ist das Museum der Schönen Künste in Budapest?
Das Museum der Schönen Künste am Heldenplatz in Budapest gehört zu den bedeutenden Kunstmuseen Europas. Das Haus öffnete 1906 und zeigt die Kunst der Antike und die europäische und ungarische Kunst bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Bestände umfassen heute mehr als 120.000 Objekte. Große Sonderausstellungen locken regelmäßig Hunderttausende an.
Nach der größten Rekonstruktion seiner Geschichte öffnete das Museum Ende 2018 wieder. Seither erfüllt es die Anforderungen an Kunstschutz und Besucherkomfort des 21. Jahrhunderts, und die Dauerausstellungen wurden neu gestaltet. Zum ersten Mal seit Langem hängt die ungarische Kunst vor 1800 wieder hier, wie es der ursprünglichen Konzeption entsprach. Die ungarische Kunst ab dem 19. Jahrhundert ist in der Nationalgalerie in der Burg von Buda zu sehen, bis die Neue Nationalgalerie im Stadtwäldchen eröffnet, die das japanische Büro SANAA plant.
Das Museum steht am Heldenplatz, gegenüber der Kunsthalle (Műcsarnok). Es lässt sich mit Zoo, Széchenyi-Bad und der Prachtstraße Andrássy út zu einem Tag im Stadtwäldchen verbinden.
Wie entstand das Museum?
Die Gründung des Museums beschloss das Millenniumsgesetz von 1896. Als Standort wählte man 1898 das Grundstück gegenüber der Kunsthalle. Den Bau planten Albert Schickedanz und Fülöp Ferenc Herzog, die auch Kunsthalle und Millenniumsdenkmal am Platz entworfen hatten. In Anwesenheit von Kaiser und König Franz Joseph I. wurde das Gebäude am 1. Dezember 1906 eingeweiht, am 5. Dezember öffnete es für das Publikum.
Der Kern der Sammlung kam aus den Beständen des Nationalmuseums und der Landesgemäldegalerie; dazu kamen die Sammlungen Jankovich, Pyrker, Esterházy und Ipolyi. Durch Ankäufe, Stiftungen und Geschenke wuchs der Bestand weiter. Der Erste Weltkrieg und die schwierige Wirtschaftslage der Folgejahre bremsten die Entwicklung, einzelne Sammlungen wuchsen aber auch in der Zwischenkriegszeit.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Museum schwere Schäden: Eine Bombe traf den Treppenaufgang im Obergeschoss, das Glasdach wurde vollständig zerstört. Den Großteil der wertvollsten Kunstwerke brachte man in den letzten Kriegsmonaten überstürzt und mangelhaft verpackt in Waggons nach Westen. Die Sammlung kehrte 1946 und 1947 aus Deutschland zurück, teils beschädigt; ein kleiner Teil der Gemälde ging auf der Flucht oder im Kriegsgeschehen verloren und steht bis heute auf der Verlustliste. Nach 1957 wurden die ungarischen Werke in zwei Schritten abgetrennt und in die Ungarische Nationalgalerie gegeben. 2012 vereinigten sich beide Institutionen, 2018 kehrten die Werke ungarischer Herkunft vor 1800 körperlich in das sanierte Haus zurück.
Welche Meisterwerke zeigt die Gemäldegalerie?
Die Gemäldegalerie ist bei italienischen Werken am reichsten: Sie besitzt Meisterwerke von Raffael, Giorgione, Tizian, Tintoretto und Tiepolo. Die niederländische Malerei vertreten Petrus Christus und Gerard David, das „Goldene Zeitalter“ des 17. Jahrhunderts Van Dyck, Jacob van Ruisdael und Jordaens. Die spanische Sammlung zählt zu den angesehensten Europas mit Velázquez, El Greco, Goya und Murillo. Zahlreich und hochwertig sind die deutsche und mitteleuropäische Kollektion mit Dürer, Holbein, Cranach, Maulbertsch und Kupeczky. Kleiner, aber interessant ist der Barockteil mit französischer (Claude Lorrain, Poussin) und britischer Schule (Reynolds, Constable).
Die Geschichte der Galerie ist eng mit dem Sammeln in Ungarn verknüpft. Die Schätze der ungarischen Herrscher sind in den Stürmen der Geschichte zerstreut worden, daher vereinte das 1896 gegründete Museum die Sammlungen ungarischer Adeliger und kirchlicher Sammler aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die bedeutendste war die Sammlung Esterházy, mit deren Kauf 1870 und 1871 die Landesgemäldegalerie entstand, der Vorläufer des Museums. Unter den 637 Gemälden waren Madonnen von Raffael, Correggio und Boltraffio, 263 holländische und flämische Bilder und der Kern der spanischen Sammlung mit Werken von Ribera, Murillo und Goya.
Von Nationalmuseum kam die Sammlung des Reformzeit-Sammlers Miklós Jankovich. Dazu kam der Nachlass von János László Pyrker, Erzbischof von Eger und Patriarch von Venedig, mit 192 Stücken, darunter „Caterina Cornaro“ von Gentile Bellini, ein Jünglingsbildnis von Giorgione und Werke von Tiepolo und Veronese. Zwischen 1872 und 1880 schenkte der Gelehrte und Bischof Arnold Ipolyi der Landesgalerie 60 frühe italienische und deutsche Tafelbilder, unter anderem von Ambrogio Lorenzetti, Sassetta und Michele Pannonio. Er ergänzte so gezielt die Esterházy-Galerie, der frühe Meister fehlten. Ab 1884 beschleunigte Károly Pulszky als Direktor den systematischen Ausbau: Er kaufte vor allem in Italien, aber auch bei Händlern in Köln, Amsterdam, London und Paris. Zu seinen Erwerbungen zählen das Männerbildnis von Sebastiano del Piombo, das Bildnis Karls V. von Barent van Orley und die italienische Freskensammlung. Dank Pulszky und seinem Nachfolger Gábor Térey empfing das Museum 1912 in seinem neuen Gebäude mit dem Nachlass von Graf János Pálffy eine der bedeutendsten Sammlungen des Landes.
Nach dem Ersten Weltkrieg waren große Ankäufe im Ausland nicht mehr möglich; Schenkungen und Käufe aus ungarischen Privatsammlungen blieben die Quellen. In der Zwischenkriegszeit schenkte Marcell Nemes „Die büßende Magdalena“ von El Greco. In den 1950er-Jahren verschmolzen mit dem Museum die einst eigenständigen Sammlungen von György Ráth und die Zichy-Galerie, die der Gemäldegalerie zugeschlagen wurden.
Was bietet die Skulpturensammlung?
Die Alte Skulpturensammlung hat mehr als 600 Werke und birgt Schätze der italienischen Renaissance, etwa die Reiterstatuette, die Leonardo da Vinci zugeschrieben wird, und Verrocchios „Schmerzensmann“. Ebenso bedeutend sind Kleinbronzen aus Renaissance und Barock. Das deutsche, niederländische und französische Mittelalter ist mit der Internationalen Gotik (Schöne Madonnen) und Holzskulpturen aus der Werkstatt Riemenschneiders vertreten, die österreichische Barockkunst mit Donner und Messerschmidt.
Begründer der Sammlung war Károly Pulszky, der 1894/95 für das künftige Museum mehr als 120 Skulpturen in Italien kaufte, darunter den Erzengel Gabriel von Agostino di Duccio und das Relief des heiligen Georg von Giovanfrancesco Rustici. Danach erwarb das Museum zwei Jahrzehnte lang Gipsabgüsse statt Originalen. Erst 1914 kamen mit dem Nachlass des Bildhauers István Ferenczy, vor allem italienische Kleinbronzen, wieder Originale hinzu, darunter die Reiterstatuette. Die erste Ausstellung der Sammlung richtete Simon Meller 1921 in zwei Erdgeschossräumen ein; der Skulpturenraum der Dauerausstellung belegte von 1936 bis 1978 das zweite Obergeschoss.
Die Alte Ungarische Sammlung versammelt Gemälde, Skulpturen, Bauplastik und Grabsteine, die zwischen dem 11. Jahrhundert und 1800 in Ungarn oder für ungarische Auftraggeber entstanden. Ihre Flügelaltäre sind die größte Sammlung dieser Art in Mitteleuropa. Weil Altäre im späten Renaissance- und Barockzeitalter die wichtigste monumentale Gemäldegattung für ein großes Publikum waren, bildet der Bestand an Altarbildern einen Schwerpunkt. Nach der Zusammenlegung der Museen 2012 öffnete im Herbst 2018 eine neue Dauerausstellung mit dem barocken Teil der Sammlung; der mittelalterliche und der Renaissance-Teil sind bis zum Umzug noch in der Nationalgalerie zu sehen.
Was zeigen die Antiken- und die Ägypten-Sammlung?
Die Antikensammlung ist in Ungarn einzigartig: Sie ist die einzige umfassende Sammlung antiker Kunst im Land und der einzige Ort, an dem man direkt der Kunst der klassischen Antike begegnen kann. Rund 6.000 Objekte aus dem Ausland werden hier betreut, studiert und gezeigt. Die Sammlung umfasst die gesamte klassische Zeit vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. und ist besonders reich an griechischem und etruskischem Material; auch die römische Kaiserzeit und das griechisch-römische Ägypten sind mit bedeutenden Stücken vertreten. Ihr Keim war eine Sammlung von Abgüssen antiker Plastik aus dem späten 19. Jahrhundert; 1908 kaufte das Museum die 135 Marmorstücke des Archäologen Paul Arndt, 1914 kamen Terrakotten hinzu. Die Sammlung betreut zudem die archäologische Bibliothek mit rund 35.000 Titeln, die einzige klassisch-archäologische Fachbibliothek von internationalem Rang im Land, und ein Fotoarchiv mit etwa 50.000 Aufnahmen.
Die Ägyptische Sammlung entstand 1934: Damals kamen rund 1.200 ägyptische Objekte aus dem Nationalmuseum und anderen ungarischen Sammlungen in das Museum. 1939 eröffnete hier die erste ständige ägyptische Ausstellung des Landes. Die ersten Stücke gelangten im 19. Jahrhundert durch Reisende, Sammler und Händler nach Ungarn; beliebt waren Mumien von Menschen und Tieren, kleine Bronzefiguren und Amulette. Eine Grabung der Jahre 1907 in Saruna und Gamhud in Mittelägypten, die der in Kairo lebende Unternehmer Fülöp Back finanzierte, brachte unter anderem sieben Tempelwandfragmente aus ptolemäischer Zeit und 25 Särge mit Mumien an den ungarischen Staat. Weitere Zugänge brachten die Nubien-Rettungsgrabung von 1964 in Abdallah Nirqi und die Grabungen der Budapester Universität ELTE in Theben seit 1983; Funde daraus bewahrt das Museum als Leihgabe. Außer hier gibt es ägyptische Objekte in Ungarn nur im Déri-Museum in Debrecen, in den Reformierten Sammlungen in Pápa und im Savaria-Museum in Szombathely.
Welche Zeichnungen und Drucke besitzt das Museum?
Die Grafische Sammlung umfasst rund 9.000 Zeichnungen und fast 100.000 Druckgrafiken von den 1300er-Jahren bis zur Gegenwart. Sie bietet Einblick in das Werk der Meister von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Leonardo da Vinci, Raffael, Rembrandt und Francisco Goya bis zu Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso, Antoni Tàpies, Georg Baselitz und Gerhard Richter. Papierarbeiten sind lichtempfindlich, daher sind sie nicht in der Dauerausstellung zu sehen; der Ausstellungsraum zeigt wechselnde Auswahlen und ist während der Sonderausstellungen von Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. Die Möbel des Raums, die für Präsentation und Lagerung geeignet sind, entwarf 1904 bis 1906 Ede Toroczkai Wigand.
Den größten Teil bildet die Esterházy-Sammlung, die der ungarische Staat 1871 kaufte: etwa 3.500 Zeichnungen und 50.000 Stiche. Fürst Miklós Esterházy II. (1765 bis 1833) baute das Erbe seiner Vorfahren ab den 1790er-Jahren binnen weniger Jahrzehnte zu einer enzyklopädischen Kunstsammlung aus. Die berühmten Radierfolgen von Goya und Jacques Callot stammen aus dieser Sammlung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaufte das Museum von Gyula Elischer die Kupferstiche Dürers und 245 Radierungen Rembrandts. Der Nachlass von Pál Majovszky brachte 1934 eine Zeichnungssammlung mit 259 Blättern, darunter Werke von Delacroix, Manet, Renoir, Seurat, Rodin, Cézanne, Gauguin und Toulouse-Lautrec. Seit den 1960er-Jahren kamen große Schenkungen, etwa Picassos über Daniel-Henry Kahnweiler, eigene Arbeiten von Victor Vasarely, Grafiken von Joseph Beuys und 600 Blätter abstrakter Künstler von der Stiftung Larese-Janett in St. Gallen.
Wann ist geöffnet, und wie planen Sie den Besuch?
Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Die Kasse und der Einlass enden um 17 Uhr, ab 17.30 Uhr beginnt die Räumung von der obersten Ebene. An jedem zweiten Freitag im Monat öffnet das Museum von 12 bis 20 Uhr, Einlass bis 19 Uhr; die nächsten Termine sind der 13. November und der 11. Dezember 2026. Der Shop und das Bistro haben eigene Zeiten. Die Ausstellungsräume sind etwa 22 Grad warm. Eintrittskarten sind auch vor Ort an der Kasse erhältlich; für große Sonderausstellungen ist die Zahl begrenzt, und es kann Wartezeiten geben. Karten für Führungen werden vor allem online verkauft.
Aktuell läuft vom 30. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 die Sonderausstellung „Bonjour Monsieur Gauguin“. Zu den Dauerausstellungen gehören „Ägypten der Antike“, „Klassische Antike“, die europäische Kunst 1250 bis 1600, 1600 bis 1700 und 1700 bis 1800, die europäische Skulptur 1350 bis 1800 und „Barockvarianten“. Dazu kommen die Romanische, die Renaissance- und die Barockhalle. Außerhalb zeigt das Museum europäische Bauplastik in einem Schaudepot und seine Gipsabgusssammlung im Sternfort von Komárom. Ohne Eintrittskarte betreten Sie nur Vorhalle, MuseumShop und Marmorhalle.
Wer die Kunst Ungarns im Zusammenhang sehen will, ergänzt den Besuch mit einem Gang durch das Burgviertel, wo die Nationalgalerie die Kunst ab 1800 zeigt. Zum Überblick über die Stadt dient die Seite Budapest.