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Kettenbrücke Budapest

Die Kettenbrücke ist die älteste feste Brücke über die Donau in Budapest und das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde 1849 eröffnet, verbindet Pest mit dem Burgberg in Buda und wird von steinernen Löwen bewacht. Am schönsten wirkt sie bei Einbruch der Dunkelheit, wenn ihre Beleuchtung aufleuchtet.
Die Kettenbrücke in Budapest mit steinernem Pylon und Löwenfigur vor dem beleuchteten Burgberg in der Abenddämmerung

Was ist die Kettenbrücke in Budapest?
Die Kettenbrücke, ungarisch Széchenyi lánchíd, überspannt die Donau zwischen dem Roosevelt-Platz in Pest und dem Clark-Ádám-Platz am Fuß des Burgbergs in Buda. Sie ist eine Hängebrücke, getragen von mächtigen Eisenketten, die an zwei steinernen Pylonen in der Form römischer Triumphbögen hängen. Als erste feste Verbindung zwischen den beiden Stadthälften veränderte sie das Gesicht der Region: Aus den getrennten Städten Pest und Buda wuchs eine Metropole zusammen.

Heute gehört die Brücke zum UNESCO-Welterbe „Budapest, einschließlich der Donauufer“. Sie ist Fußgängern, Radfahrern und dem Autoverkehr gleichermaßen zugänglich und zählt zu den meistfotografierten Motiven Ungarns. Einen Gesamtüberblick über die Hauptstadt bietet die Seite Budapest.

Wie kam es zum Bau der Kettenbrücke?
Eine bekannte Anekdote erzählt, dass der Reformer Graf István Széchenyi 1820 beim Tod seines Vaters tagelang nicht über die vereiste Donau kam, um an der Beerdigung teilzunehmen. Weil es weder eine feste Brücke noch eine zuverlässige Fähre gab, soll er beschlossen haben, den Fluss dauerhaft zu überwinden. Ob die Geschichte in jedem Detail stimmt, ist offen; sicher ist, dass Széchenyi zu den treibenden Kräften hinter dem Projekt stand und die Finanzierung mit Unterstützung weiterer Reformer organisierte.

Zuvor überquerte man die Donau im Sommer mit Pontonbrücken oder Fähren und im Winter über das Eis. Für Händler, Reisende und Bürger war das mühsam und manchmal gefährlich. Der Bau begann 1839 und dauerte zehn Jahre; am 20. November 1849 wurde die Brücke eröffnet, mitten in den unruhigen Monaten nach der ungarischen Revolution von 1848.

Wer hat die Brücke gebaut?
Der Entwurf stammt vom englischen Ingenieur William Tierney Clark, der bereits eine ähnliche Brücke über die Themse in Marlow gebaut hatte. Für die Bauleitung vor Ort sorgte der schottische Ingenieur Adam Clark, der nicht mit ihm verwandt war. Adam Clark ließ sich in Budapest nieder, begleitete den Bau über Jahre und blieb bis zu seinem Tod in der Stadt. Auch der Tunnel unter dem Burgberg und der Platz am Brückenkopf gehen auf ihn zurück, weshalb der Platz heute seinen Namen trägt.

Eine Besonderheit war das Prinzip der Gleichbehandlung: Széchenyi bestand darauf, dass auch der Adel Brückenzoll bezahlt – ein Novum, denn bis dahin war der Adel in Ungarn von solchen Abgaben befreit. Das Zeichen setzte für die damalige Zeit ein Signal für bürgerliche Gleichheit. Mehr zum historischen Hintergrund finden Sie auf der Seite 16. bis 19. Jahrhundert.

Was hat es mit den Löwen auf sich?
An beiden Brückenköpfen liegen je zwei steinerne Löwen. Der Bildhauer János Marschalkó schuf sie 1852. Um sie ranken sich Legenden: Dem Künstler soll nach der Einweihung vorgeworfen worden sein, den Löwen fehle die Zunge, woraufhin er sich aus Verzweiflung in die Donau gestürzt haben soll. Die Geschichte ist erfunden – die Löwen haben sehr wohl Zungen, sie sind aber vom Boden aus kaum zu sehen, weil sie tief im Maul sitzen.

Die Löwen sind zu einem Symbol geworden und werden oft fotografiert; ein Foto mit ihnen im Vordergrund und dem Burgberg im Hintergrund gehört zu den klassischen Motiven der Stadt. Wer auf die Brücke geht, sollte ruhig einen Moment bei den Löwen verweilen und die Ausblicke genießen.

Was geschah im Zweiten Weltkrieg?
Im Januar 1945 sprengten die abziehenden deutschen Truppen sämtliche Budapester Donaubrücken, darunter auch die Kettenbrücke. Von dem Bauwerk blieben nur die Pylone stehen, die Ketten stürzten in den Fluss. Die Zerstörung war ein Schock für die Stadt, die ohnehin schwer unter der Belagerung litt. Den Zusammenhang schildert die Seite 20. Jahrhundert.

Der Wiederaufbau begann bald nach Kriegsende. Man orientierte sich eng am ursprünglichen Entwurf, verwendete aber neues Material, und 1949, genau hundert Jahre nach der Erstöffnung, konnte die Brücke wieder eröffnet werden. Seither hat sie den Charakter eines Denkmals und eines Symbols für den Wiederaufbau. In den vergangenen Jahren wurde sie zudem umfassend saniert.

Wie ist die Brücke aufgebaut?
Die Brücke ist rund 375 Meter lang und ruht auf zwei Pylonen. Das Material wurde im 19. Jahrhundert aus Eisen gefertigt; heute besteht die tragende Struktur aus Stahl. Zwischen den Pylonen hängt die Fahrbahn an Ketten, die über Hängestangen mit der Fahrbahn verbunden sind. Die Architektur zeigt klassizistische Elemente, etwa die Triumphbogen-Form der Pylone und die symmetrische Gestaltung.

Wer genau hinschaut, entdeckt Zierelemente an den Geländern und Wappen am Brückenkopf. Nach Einbruch der Dunkelheit werden Ketten und Pylone mit Tausenden Lichtpunkten beleuchtet. Der Anblick gilt als einer der schönsten in Europa. Mehr über die Baukunst der Stadt lesen Sie auf der Seite Architektur.

Wie läuft ein Spaziergang über die Brücke ab?
Starten Sie am Roosevelt-Platz in Pest, wo die Akademie der Wissenschaften steht, und gehen Sie über die Brücke in Richtung Buda. Auf der Brücke bieten Gehwege auf beiden Seiten freie Sicht über die Donau, flussaufwärts zur Margaretenbrücke und flussabwärts zur Elisabethbrücke. Am Ende erreichen Sie den Clark-Ádám-Platz mit dem Nullkilometerstein, von dem aus in Ungarn die Entfernungen gemessen werden, und dem Zugang zur Standseilbahn.

Der Spaziergang dauert gemütlich etwa zehn bis fünfzehn Minuten. Wer die Brücke bei Tag und bei Nacht sehen möchte, erlebt zwei völlig unterschiedliche Stimmungen. Für den Aufstieg ins Burgviertel bietet sich die Standseilbahn an.

Geheimtipp – Gehen Sie zuerst in der Abenddämmerung über die Brücke und noch einmal spät am Abend zurück. Dann sehen Sie die Beleuchtung vom Wasser aus, und die Menschenmassen haben sich verlaufen.

Wo gibt es die beste Aussicht auf die Kettenbrücke?
Das Bild der Brücke gelingt von mehreren Punkten. Klassisch ist die Fischerbastei oder der Burgberg auf der Budaer Seite, von wo Sie die Brücke von oben sehen. Am Pester Ufer lohnt der Blick von der Promenade am Donaukorso, vor allem mit dem Parlament im Hintergrund. Besonders schön ist die Perspektive von einem Boot auf der Donau, das unter der Brücke hindurchfährt; vom Wasser aus wirken Ketten und Pylone besonders mächtig.

Auch der Gellértberg mit seiner Zitadelle bietet einen Fernblick, auf dem Brücke und Fluss wie ein Modell wirken. Das Parlament liegt flussabwärts am selben Ufer und lässt sich mit der Brücke gemeinsam fotografieren.

Welche anderen Donaubrücken sollte man kennen?
Budapest besitzt mehrere Donaubrücken im Stadtgebiet, die jeweils eigene Geschichten erzählen. Die Margaretenbrücke führt zur Margareteninsel, die elegante Elisabethbrücke ist nach Königin Elisabeth, genannt Sisi, benannt, und die grüne Freiheitsbrücke bei der Markthalle gilt mit ihren Verzierungen als Meisterwerk der Jahrhundertwende. Alle wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und später wiederaufgebaut.

Die Kettenbrücke bleibt jedoch die Ikone. Wer mehr als einen Tag in der Stadt verbringt, kann zwei oder drei Brücken auf einem Spaziergang verbinden, etwa mit einem Abstecher zur Margareteninsel.

Was gibt es rund um die Brückenköpfe zu entdecken?
Am Pester Brückenkopf liegt der Roosevelt-Platz, einer der repräsentativsten Plätze der Stadt. Hier steht der Palast der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, die auf Széchenyis Anregung gegründet wurde; der Graf stiftete dafür ein Jahreseinkommen. Gegenüber erhebt sich der Gresham-Palast, ein Jugendstilbau von 1906 mit prachtvollem Eingangstor und Mosaiken, der heute als Hotel dient. Auch wer nicht dort übernachtet, kann einen Blick in die Lobby werfen, soweit es der Betrieb erlaubt. Ein Denkmal erinnert an Széchenyi selbst.

Auf der Budaer Seite folgt der Clark-Ádám-Platz mit dem Nullkilometerstein und dem Eingang zum Burgbergtunnel, den ebenfalls Adam Clark bauen ließ. Der Tunnel durchquert den Hügel und verbindet das Donauufer mit der Rückseite des Berges, sodass die Brücke bis heute den Verkehr in Richtung Westen erleichtert. Hier beginnt auch der Aufstieg zum Burgpalast, den Sie in der Regel mit der Standseilbahn zurücklegen.

Was tun, wenn die Dämmerung einsetzt?
Zur blauen Stunde füllt sich die Uferpromenade in Pest mit Spaziergängern, und auf der Brücke herrscht eine lockere, festliche Stimmung. Wer essen gehen möchte, findet im Umkreis des Platzes Restaurants und Cafés vom einfachen Lokal bis zum gehobenen Haus. Eine Bootsfahrt bei Dunkelheit zeigt Brücke, Burg und Parlament in einem einzigen Panorama.

Anschließend lässt sich der Abend im jüdischen Viertel mit seinen Ruinenbars fortsetzen oder bei einem ruhigen Glas ungarischen Weins ausklingen. Wer noch früh aufstehen will, erlebt am nächsten Morgen die Brücke in Ruhe und fast ohne Menschen.

Ist die Brücke für Fußgänger und Autos offen?
Die Brücke ist für Fußgänger jederzeit begehbar. Die Verkehrsregeln für Autos haben sich in den letzten Jahren im Zuge von Sanierung und Verkehrsplanung mehrfach geändert, deshalb erkundigen Sie sich vor Ort oder im Hotel nach dem aktuellen Stand.

Wer mit Gepäck unterwegs ist, nimmt besser ein Taxi oder den Bus, denn die Brücke ist lang, der Wind kann kräftig sein, und in der Hochsaison ist der Gehweg voll.

Wann lohnt der Besuch am meisten?
Die Brücke ist ganzjährig ein Genuss, und jede Jahreszeit zeigt eine andere Seite des Bauwerks. Im Hochsommer lohnt es sich, früh am Morgen oder erst am späten Abend zu kommen, weil die Sonne auf der offenen Brücke stark brennt und der Gehweg tagsüber voll ist. An Feiertagen und bei Festen der Stadt wird die Brücke teils für Veranstaltungen genutzt, dann verändern sich Zugänge und Verkehr. Wer an einem Wochentag außerhalb der Ferienzeit anreist, hat meist die besten Chancen auf ruhige Aufnahmen. Im Frühling und Herbst ist das Licht am schönsten, im Sommer sind die Abende lang und warm, im Winter hüllt Nebel den Fluss ein und sorgt für eine stimmungsvolle Kulisse. Mehr über Wetter und Reisezeit finden Sie auf der Seite Klima und beste Reisezeit.

Häufige Fragen zu Kettenbrücke Budapest