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Budapester Zoo

Der Budapester Zoo im Stadtwäldchen ist einer der ältesten Tiergärten der Welt. Er öffnete am 9. August 1866 und wurde 1907 bis 1912 nach dem Bankrott der Betreibergesellschaft von der Stadt komplett neu gebaut. Aus dieser Zeit stammen das Haupttor mit den Steinelefanten, das Elefantenhaus, das Palmenhaus mit Aquarium und die künstlichen Felsen.
Das Haupttor des Budapester Zoos mit Steinelefanten und Mosaik im klaren Morgenlicht, davor der leere Vorplatz

Was macht den Budapester Zoo besonders?

Der Budapester Zoo im Stadtwäldchen gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Zoos der Welt. Seine Gründung wurde 1864 beschlossen, am 9. August 1866 öffnete er erstmals seine Tore. Der Geburtstag wird jedes Jahr an diesem Datum gefeiert; 2025 wurde der Garten 159 Jahre alt. Anders als viele Zoos ist er nicht nur eine Tiersammlung, sondern ein Gesamtkunstwerk: Ein großer Teil der Gebäude entstand zwischen 1907 und 1912 und ist bis heute erhalten, und vieles davon trägt die Handschrift ungarischer Architekten, die später berühmt wurden.

Wer den Zoo besucht, geht also durch ein Stück Architekturgeschichte. Neben den Tieren fallen das Haupttor mit den Steinelefanten, das Elefantenhaus mit seinen Ornamenten, das Palmenhaus mit Eisenskelett und die künstlichen Felsen der Großen Felsenanlage auf. Der Zoo liegt im Stadtwäldchen, direkt neben dem Széchenyi-Bad und in Nachbarschaft zum Heldenplatz; beides lässt sich zu einem langen Tag verbinden. Der Zoo betreibt außerdem einen Kleintierzoo auf der Margareteninsel.

Wie entstand der Zoo im 19. Jahrhundert?

Als in London, Dublin, Bristol und Amsterdam Zoos eröffnet wurden, entstand auch in Ungarn der Gedanke an einen Tiergarten, angeregt vom Beispiel der Kaiserstadt Wien und westeuropäischer Bürgerzoos. In der Reformzeit gab es zudem eine starke Bewegung zur Förderung der nationalen Bildung, etwa mit der Gründung der Akademie. Die Aufteilung des Geländes, die Wege und die Parkflächen plante Chefgärtner Ármin Petz. Für die Gebäude beauftragte man das berühmte Architektenpaar Antal Szkalnitzky und Henrik Koch d. J., die auch die Universitätsbibliothek, die Hauptpost der Innenstadt, den Thonet-Hof und die vier Mietshäuser am Oktogon in Budapest entwarfen.

Die Eröffnung fand großen Zuspruch: Bis zum Jahresende 1866 kamen 66.918 Besucher. Wenige Wochen nach der Eröffnung, am 16. August, spazierte auch Königin Elisabeth in Begleitung von Prinzessin Clotilde durch den Garten. Eine Giraffe war damals eine große Rarität in Zoos, und die erste in Budapest kam erst 1868 als Geschenk von Kaiser Franz Joseph, auf Fürsprache der Königin.

Weil die Einnahmen die Kosten nicht deckten, litt der Zoo unter ständigen Geldsorgen. 1873 wurde die Aktiengesellschaft in die Gesellschaft für Tier- und Pflanzeneinbürgerung umgewandelt, die Spenden und Hilfen suchen konnte. Im selben Jahr, am 1. August 1873, wurde Károly Serák Direktor, ein Gutsbesitzer aus Nagyabony, der über dreißig Jahre blieb und sich gegen 22 Bewerber durchsetzte. Er erhöhte die Einnahmen, indem er Attraktionen in den Garten holte, die mit Tieren wenig zu tun hatten: 1880 ein Feuerspektakel, 1886 den Ballonflieger Viktor Silberer, vor allem aber Zirkusnummern und völkerkundliche Schauen. Der Zoo baute davon auch selbst: 1876 entstand das erste Löwenhaus nach Plänen von Alajos Hauszmann, 1885 ein neues Ziertor.

Einordnung – Ab 1878 zeigte der Zoo bei völkerkundlichen Schauen Menschen aus anderen Weltgegenden, zuerst eine nubische Karawane mit vielen Tieren. Aus heutiger Sicht befremdet das. Die Vorführungen fanden nicht in Käfigen neben den Tieren statt, sondern als eigene Schauen.

Wie kam es zum Bankrott?

Der Garten kaufte in den 1890er-Jahren viele Tiere: 1890 allein 198, darunter Tiger, Jaguar, Pumas, Leoparden, Zebras und Kängurus, 1891 sogar 430. Das berühmteste Tier jener Zeit war das Nilpferd Jónás. Der Zoo kaufte den Bullen 1893 für 11.500 Mark im Berliner Zoo; er kam im März nach Budapest und lebte bis 1917 hier. Ebenfalls 1893 sah das Publikum erstmals einen Orang-Utan, 1894 kaufte man das erste Nashorn für 6.500 Mark, 1895 ein Paar amerikanische Bisons. Ein Eislaufplatz, der ab 1890 betrieben wurde, brachte im Winter 1891/92 rund 4.659 Gulden ein, dazu kamen Pony- und Kamelreiten und eine feste Zirkusarena, die 1889 auf einem Teil des Geländes entstand.

Zur Millenniumsausstellung 1896 vermietete der Zoo mehr als fünf Hektar seines Geländes an die Betreiber der Ős-Budavár, eines Vergnügungsviertels im Stil des türkenzeitlichen Buda. Täglich kamen dort 20.000, an starken Tagen bis zu 60.000 Gäste. Der Zoo selbst zählte 1896 mit 518.497 Besuchern den bisherigen Rekord. Doch nach dem Jubiläumsjahr sank die Besucherzahl. Zudem verlängerte die Stadt den Pachtvertrag am 25. April 1896 nur gegen Auflagen: Der Zoo musste ein neues Restaurant bauen, das später die Familie Gundel übernahm und das bis heute steht, dazu ein Eisengitter, einen Park und die Zirkusarena für 100.000 Kronen kaufen. Nach der Schließung der Ős-Budavár fehlte die Einnahmequelle.

Direktor Serák starb 1906. Die Nachfolger füllten die Lücken mit immer mehr Spektakeln, 1904 sogar mit Stierkämpfen, die zwar nicht tödlich endeten, aber die Öffentlichkeit spalteten. 1906 ordnete Innenminister Gyula Andrássy eine Untersuchung an, und mit Erlass vom 23. Februar 1907 löste der Minister die Gesellschaft auf. Gleichzeitig schlug er vor, die Stadt solle den Zoo nach dem Vorbild anderer europäischer Großstädte selbst übernehmen. Das war ein Meilenstein: Erstmals wurde offiziell erwogen, den Unterhalt einer solchen Bildungseinrichtung aus öffentlichen Mitteln zu bezahlen. Die Stadt übernahm das Gelände, das ihr ohnehin gehörte, die meisten Gebäude und kaufte die restliche Habe samt 519 Tieren im Konkursverfahren für 51.000 Kronen.

Wie entstand der heutige Zoo?

Die Stadt wollte einen Zoo, der der Hauptstadt würdig war; besonders Bürgermeister István Bárczy setzte sich dafür ein. Zuerst bewilligte man 1.212.000 Goldkronen, für die Planung bildete man einen Ausschuss mit 14 Mitgliedern unter Tivadar Bódy. Der Zoologe Adolf Lendl entwarf das fachliche Programm und leitete die Umsetzung; ab 1911 war er auch Direktor. Der Park wurde auf mehr als elf Hektar für reine Zoozwecke gesichert, die Zirkusarena rückte rund 100 Meter nach Osten. Die Schausteller mussten ihr bisheriges Gelände räumen, auf dem das Széchenyi-Bad gebaut wurde.

Die meisten Gebäude entwarfen zwei junge, damals noch unbekannte Architekten: Károly Kós und Dezső Zrumeczky, Schüler von Kornél Neuschloss, der die technische und architektonische Leitung innehatte. Viele ihrer Bauten greifen die Formensprache der siebenbürgischen „Holzturm“-Volksarchitektur auf, besonders aus Kalotaszeg; andere sind vom exotischen Bauen ferner Länder angeregt. Ein großer Teil der Gebäude steht noch, wenn auch manche heute eine andere Funktion haben.

  • Haupttor: Neuschloss entwarf es selbst, honorarfrei, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Die Steinelefanten, die gegliederte Scheinkuppel, die Skulpturen von Gyula Maugsch und das Mosaik von Miksa Róth machten es zu einem Wahrzeichen des Zoos.
  • Elefantenhaus: Ebenfalls von Neuschloss. Der Kuppelbau wirkt orientalisch und verbindet byzantinische, osmanische und Mogul-Formen in einer eigenen Jugendstil-Auffassung. Damals bauten viele Architekten Tierhäuser im Stil der Herkunftsländer der Tiere.
  • Palmenhaus: Der Stadtingenieur Gyula Végh plante es zusammen mit Károly Räde und Keresztély Ilsemann. Es besteht aus einer zentralen Halle mit Sattel- und Parabeldach, sechs Seitenflügeln und einem überdachten Café. Im Untergeschoss entstand das erste bedeutende öffentliche Aquarium Ungarns für Meer- und Süßwasser.
  • Große Felsenanlage: Die Felsen sind dem Hamburger Vorbild von Hagenbeck nachempfunden, aber nicht kopiert. Végh plante das Stahlbetongerüst, die Oberfläche formte ein Team um den Bildhauer Gyula Benke, beraten von der Ungarischen Geologischen Anstalt. Das natürliche Vorbild war der Egyes-kő im siebenbürgischen Hagymás-Gebirge.

Am 20. Mai 1912, einem Montag, eröffnete der neue Zoo; am Sonntag davor gab es einen Rundgang für die Presse. Der Eintritt kostete für Erwachsene eine Krone. Das beliebteste Tier blieb Jónás, daneben sah man zwei junge Nilpferde und eine kleine Elefantenherde. Der Zoo zählte in seinem Fach zur Weltspitze.

Wie überstand der Zoo die Weltkriege?

Im Ersten Weltkrieg wurden sofort 28 Tierpfleger eingezogen; ihre Ehefrauen und älteren Kinder sprangen unter Aufsicht der Verbliebenen ein. Nach den wirtschaftlichen Krisen der Nachkriegszeit begann 1929 eine neue Epoche mit Direktor Herbert Nadler, der sich gegen mehrere bekannte Bewerber durchsetzte, darunter den Afrikajäger Kálmán Kittenberger. Trotz knapper Mittel entstanden unter ihm ein neues Innenleben des Vogelhauses mit geräumigen Volieren (1930), moderne Löwenkäfige und der 1.600 Quadratmeter große Afrika-Gemeinschaftsauslauf (1931) sowie eine neue Filteranlage für das Aquarium (1932).

Im Zweiten Weltkrieg traf es den Zoo hart. Eine Luftangriffsnacht im September 1944 richtete drei Bombeneinschläge auf dem Gelände an, im Winter 1944/45 lief die Front durch den Garten. Am 13. Januar 1945 endeten die Kämpfe im Zoo. Danach standen vom Palmenhaus nur noch das Eisengerüst ohne Glas, und viele Gebäude waren beschädigt oder zerstört, darunter Büffelhaus und Giraffenhaus. Nach dem Ende der Kämpfe fand Direktor Nadler 14 überlebende Tiere: im Elefantenhaus fünf Nilpferde und einen Elefanten, in den Trümmern ein Zebra, ein Kamel und ein Lama, im beschädigten Großen Felsen einen abgemagerten Taira und vier kleine Vögel. Das Elefantenhaus blieb vergleichsweise unversehrt, seine Heizung und die Thermalwasserleitung funktionierten, so fand ein Teil der Tiere hier Unterschlupf. Schon am 1. Mai 1945 öffnete der Zoo wieder, und in den Beeten wuchs Gemüse statt Blumen, weil Budapest noch hungerte.

Der Wiederaufbau dauerte. Die ersten größeren Tierkäufe waren 1950 möglich, das Palmenhaus wurde 1952 als letzter ruinierter Bau wiederhergestellt. In den 1960er-Jahren ersetzten neue Häuser das zerstörte Büffel- und Giraffenhaus, damit verschwanden die letzten sichtbaren Kriegsspuren. Der Zoologe Csaba Anghi, ab 1956 Direktor, brachte den Zoo wieder auf ein wissenschaftliches Niveau; die Einrichtung erhielt den Titel eines wissenschaftlichen Instituts. 1966 feierte der Zoo sein hundertjähriges Bestehen. Von 1994 bis 2020 leitete Miklós Persányi den Garten, mit einer vierjährigen Unterbrechung ab 2003 insgesamt 22 Jahre.

Was sollten Sie beim Besuch beachten?

Der Zoo liegt im Stadtwäldchen (Városliget). Wegen der Geschichte lohnt es sich, die Gebäude bewusst anzusehen: das Haupttor mit den Steinelefanten, das Elefantenhaus, das Palmenhaus und die Felsenanlagen. Auch das Restaurant des Zoos, das Gundel, ist ein Erbe der Zeit vor 1907. Die Webseite des Zoos führt einen Jahreskalender der Öffnungszeiten und ein Verzeichnis der Tickets; Preise ändern sich, prüfen Sie sie vor dem Besuch.

Wer mehr Zeit hat, kombiniert den Zoo mit den Nachbarn im Park: Das Millenniumsdenkmal und die Museen am Heldenplatz, das Széchenyi-Bad und die Prachtstraße Andrássy út, die zum Park führt. Zum Gesamtbild Budapests gehört die Seite Budapest, zur Baukunst der Zeit die Seite Architektur.

Häufige Fragen zu Budapester Zoo