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Andrássy út

Die Andrássy út ist die schönste Prachtstraße von Budapest: ein rund 2,5 Kilometer langer Boulevard vom Zentrum zum Heldenplatz. Gesäumt von Stadtpalästen, Staatsoper, Musikakademie und Cafés, gehört sie seit 2002 zum UNESCO-Welterbe und lässt sich zu Fuß oder mit der historischen Metro M1 erkunden.
Die baumgesäumte Prachtstraße Andrássy út in Budapest mit neoklassizistisch-prunkvollen Stadtpalästen im Herbstlicht

Was ist die Andrássy út?
Die Andrássy út, deutsch Andrássy-Allee oder Andrássy-Straße, verbindet die Innenstadt von Pest mit dem Stadtwäldchen. Sie beginnt am Deák Ferenc tér, führt über den Oktogon-Platz und den Kodály körönd bis zum Heldenplatz (Hősök tere). Wer genau hinsieht, entdeckt an den Fassaden Reliefs, Stuckfiguren und Erker, die jedes Haus individuell machen. Viele Höfe sind durch offene Torbögen einsehbar, und hinter manchen Türen verbergen sich Treppenhäuser mit Wandmalereien, Mosaiken und kunstvollen Geländern, die das großbürgerliche Budapest der Jahrhundertwende erahnen lassen. Rechts und links reihen sich Stadtpaläste im Stil der Neorenaissance, Mietshäuser mit Balkonen und schmiedeeiserne Tore. Unter der Straße verläuft die Metrolinie M1, was den Straßenraum von Verkehr entlastet.

Die Straße gilt als Pariser Boulevard von Budapest und wurde bewusst als Prachtstraße der Hauptstadt angelegt. Wer sie entlangschlendert, erlebt Architektur, Kaffeehauskultur und Musikgeschichte auf kurzer Strecke. Den Stadtüberblick finden Sie auf der Seite Budapest.

Wie entstand die Prachtstraße?
Nach der Vereinigung von Buda, Óbuda und Pest im Jahr 1873 wollte die Stadt eine repräsentative Magistrale schaffen. Die Idee stammt aus den frühen 1870er Jahren, der Bau dauerte bis in die 1880er Jahre. Benannt wurde die Straße nach Graf Gyula Andrássy, dem ersten Ministerpräsidenten des Königreichs Ungarn nach dem Ausgleich von 1867. Zur Tausendjahrfeier 1896 wurde sie um die unterirdische Bahn ergänzt, die als erste U-Bahn des europäischen Festlands gilt.

Im 20. Jahrhundert trug sie je nach politischer Lage mehrfach wechselnde Namen, ehe 1990 der ursprüngliche Name zurückkehrte. Die wechselvolle Zeit spiegelt sich in den Gebäuden, von denen einige zu Orten der Erinnerung wurden. Hintergrund liefert die Seite 20. Jahrhundert.

Warum gehört die Straße zum Welterbe?
Die UNESCO nahm die Andrássy-Allee 2002 in das Welterbe „Budapest, einschließlich der Donauufer, des Burgviertels und der Andrássy-Straße“ auf. Begründet wurde das mit der einheitlichen städtebaulichen Planung, der Qualität der Bauten und der Bedeutung als Beispiel für urbane Entwicklung im 19. Jahrhundert. Das Zusammenspiel von Architektur, Grünflächen und der U-Bahn gilt als besonders gelungen.

Für Besucher heißt das: Die Straße wird gepflegt, Neubauten müssen sich einfügen, und Schilder erklären die Geschichte einzelner Häuser. Einen weiteren Blick auf die Baustile der Stadt gibt die Seite Architektur.

Was macht die Staatsoper so besonders?
Die Ungarische Staatsoper wurde nach Plänen von Miklós Ybl gebaut und 1884 eröffnet. Der prachtvolle Bau mit seiner Fassade, den Statuen berühmter Komponisten und dem prunkvollen Zuschauerraum gilt als einer der schönsten Opernsäle Europas. Der Saal ist mit Gold, Fresken und einem großen Kronleuchter ausgestattet und bietet etwa 1.200 Gästen Platz. Gustav Mahler war hier Direktor.

Schon die Fassade lohnt einen Blick: Vor dem Eingang sitzen die Marmorfiguren von Franz Liszt und Ferenc Erkel, dem Schöpfer der ungarischen Nationaloper, und im Foyer führen geschwungene Treppen unter bemalten Decken nach oben. Wer eine Aufführung besuchen möchte, bucht Karten im Voraus; alternativ gibt es Führungen durch das Haus. Preise und Termine ändern sich. Mehr über die Musikgeschichte des Landes lesen Sie auf der Seite Musik.

Was ist an der Liszt-Akademie zu sehen?
Die Franz-Liszt-Musikakademie am Liszt-Ferenc-Platz wurde 1907 eröffnet und zählt zu den bedeutenden Musikhochschulen Europas. Ihr Jugendstilgebäude mit Mosaiken, Keramik und Fresken ist ein Kunstwerk für sich. Im Großen Saal finden Konzerte statt, die das Publikum mit hervorragender Akustik begeistern.

Der Platz davor ist ein beliebter Treffpunkt mit Cafés und Restaurants, die zum Verweilen einladen. Der Ort gilt als Zentrum des Musiklebens der Stadt, und abends klingen oft Töne aus den Übungsräumen auf die Straße.

Was ist das Haus des Terrors?
Das Gebäude Andrássy út 60 war Sitz der faschistischen Pfeilkreuzler und später der kommunistischen Staatssicherheit. Heute informiert dort das Museum Terror Háza über beide Diktaturen in Ungarn. Die Ausstellung ist eindringlich, mit Zellen im Keller und Fotos von Opfern, und verlangt Zeit sowie Respekt. Für Besucher, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts verstehen möchten, ist sie wichtig, sie ist jedoch nichts für sehr junge Kinder.

Die Ausstellung ist stark inhaltlich gestaltet und politisch gefärbt; reflektieren Sie das Gesehene, ziehen Sie auch andere Quellen heran. Hintergründe zur Epoche bietet die Seite 20. Jahrhundert.

Was gibt es am Ende der Straße?
Am Ende der Andrássy út öffnet sich der Heldenplatz mit dem Millenniumsdenkmal. Eine hohe Säule trägt die Figur des Erzengels Gabriel, davor reiten die sieben magyarischen Stammesführer, und in den Kolonnaden stehen Standbilder ungarischer Könige und Helden. Links und rechts liegen das Museum der Bildenden Künste und die Kunsthalle.

Hinter dem Platz beginnt das Stadtwäldchen mit Burg Vajdahunyad und dem Széchenyi-Bad, sodass ein Spaziergang über die Straße hier einen idealen Abschluss findet.

Wo kann ich unterwegs einkehren?
Entlang der Straße gibt es viele Cafés, in denen Sie Kaffee und Kuchen genießen. Das Kaffeehaus ist in Budapest eine Institution; man sitzt unter Stuck und Kronleuchtern, liest Zeitung oder beobachtet das Treiben. Im Sommer stehen Tische im Freien. Wer es süß mag, probiert die Dobostorte, den Klassiker der ungarischen Konditoreien.

Die Preise im Zentrum sind höher als in Seitenstraßen. Die Cafés öffnen früh am Morgen und sind ein guter Ort für ein ungarisches Frühstück mit Kaffee, Gebäck und Wurst. Wer sparen will, wählt ein Lokal in der Nebenstraße oder isst am Stehtisch in einer Konditorei.

Wie sieht ein guter Spaziergang aus?
Beginnen Sie am Deák Ferenc tér und gehen Sie langsam stadtauswärts. Nach den ersten Häusern erreichen Sie die Oper, anschließend den Oktogon-Platz, einen achteckigen Kreisverkehr. Danach wird die Straße ruhiger, und Sie kommen am Terror Háza vorbei, bevor sich der Kodály körönd zeigt, ein runder Platz mit vier Statuen. Schließlich erreichen Sie den Heldenplatz.

Für den gesamten Weg brauchen Sie ohne Besichtigung rund eine Dreiviertelstunde, mit Museen und Cafés einen halben Tag. Alternativ fahren Sie mit der M1, die an mehreren kleinen Stationen hält, die im alten Stil erhalten sind.

Warum ist die Metro M1 eine Sehenswürdigkeit?
Die Millenniums-U-Bahn wurde 1896 zur Tausendjahrfeier eröffnet und gilt als erste U-Bahn auf dem europäischen Festland; nur London war früher dran. Die Strecke liegt dicht unter der Straße, die Stationen sind klein und mit Fliesen in Weiß und Braun, Holzvertäfelungen und alten Schildern ausgestattet. Das ergibt ein Gefühl wie in einem Museum, in dem man dennoch zügig fährt. Die gelben Wagen verkehren in dichtem Takt, Haltestellen sind unter den Gehsteigen gut zu erreichen.

Wer die Straße in einer Richtung zu Fuß geht, kann in der anderen die M1 nutzen, um die Atmosphäre der alten Bahn zu erleben. Am Deák Ferenc tér treffen sich drei Metrolinien, deshalb ist der Startpunkt von fast allen Hotels aus gut zu erreichen. Hinweise zum Ticketkauf erhalten Sie am Automaten oder am Schalter.

Was ist der Oktogon-Platz?
Der Oktogon ist der größte Knoten an der Allee: Ein achteckiger Platz, an dem die Andrássy út die Große Ringstraße kreuzt. Die Häuser an den Ecken sind abgeschrägt und folgen der Form des Achtecks. Hier herrscht Betrieb, Straßenbahnen, Cafés und Läden prägen das Bild. Tagsüber ist der Platz ein Verkehrsknoten, abends ein Treffpunkt.

Entlang der Allee finden Sie Geschäfte, Boutiquen und Galerien. Wer Souvenirs sucht, findet in den Seitenstraßen kleine Läden mit Handwerk, Mode und Design junger ungarischer Labels, dazu Antiquariate und Galerien, in denen sich das Stöbern lohnt. Die Öffnungszeiten der Läden variieren, am Sonntag sind viele geschlossen.

Was passiert abends rund um die Straße?
Wenige Gehminuten von der Allee entfernt beginnt das jüdische Viertel, in dem Bars, Restaurants und Kneipen bis in die Nacht geöffnet sind. Die Straße selbst ist abends ruhiger, aber beleuchtet, und die Opernhäuser locken ein Publikum in Abendgarderobe an. Nach einer Vorstellung gehen viele in ein Café oder ein Weinlokal.

Für eine Verbindung aus Kultur und Nachtleben bietet es sich an, nach dem Spaziergang die Ruinenbars im siebten Bezirk zu besuchen. Dort herrscht eine völlig andere Atmosphäre als an der Prachtstraße.

Was können Familien unternehmen?
Für Kinder ist die Straße vor allem in Verbindung mit dem Stadtwäldchen reizvoll. Die Fahrt mit der alten U-Bahn macht Spaß, im Park gibt es Spielplätze, die Burg Vajdahunyad und den Tiergarten, und im Winter eine Eislaufbahn. Eine Pause in einer Konditorei mit Eis und Kuchen gehört in vielen Familien dazu. Das Terror Háza ist für kleine Kinder nicht geeignet.

Die Wege sind eben, Kinderwagen lassen sich gut schieben. Planen Sie genügend Pausen ein; die Strecke wirkt lang, wenn die Füße müde sind.

Was sollte ich unterwegs beachten?
Die Straße ist tagsüber und abends sicher, dennoch gilt in Touristenzonen die übliche Vorsicht vor Taschendieben, besonders in der Metro und an den Haltestellen. Prüfen Sie in Restaurants die Rechnung und bezahlen Sie bevorzugt in Forint, der ungarischen Landeswährung. Viele Lokale nehmen Karten, dennoch lohnt ein kleiner Bargeldvorrat für Trinkgeld und Kleinigkeiten.

Öffentliche Toiletten sind selten; Cafés und Museen sind die beste Anlaufstelle. Für längere Strecken ist festes Schuhwerk ratsam.

Wann ist der beste Zeitpunkt?
Die Allee ist im Frühling und Herbst besonders schön, wenn die Bäume blühen oder sich verfärben. Im Sommer spenden sie Schatten, im Winter ist die Straße weihnachtlich beleuchtet. Wetterhinweise gibt die Seite Klima und beste Reisezeit.

Häufige Fragen zu Andrássy út