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Pilis und Visegráder Berge

Am rechten Donauufer erheben sich zwei Gebirge mit völlig verschiedener Geschichte: der Pilis aus Kalk und Dolomit mit dem Pilis-tető (756 Meter) und die vulkanischen Visegráder Berge mit dem Dobogókő (rund 700 Meter). Beide gehören zum Duna-Ipoly-Nationalpark, und das Pilis-Biosphärenreservat besteht seit 1981. In den Bergen wurden über 300 Höhlen entdeckt, das Ariadne-Höhlensystem ist 7,4 Kilometer lang, und in Visegrád trafen sich 1335 die Könige von Ungarn, Böhmen und Polen.
Bewaldeter Kalkgebirgskamm mit felsigen Gipfeln und Buchenwald im Herbst, im Tal ein Dorf, klare Luft

Was unterscheidet den Pilis von den Visegráder Bergen?

Wer von Budapest aus nordwärts fährt, sieht an der Donau zwei Gebirge, die auf den ersten Blick ähnlich wirken: waldbedeckte Rücken, enge Täler, dazwischen Dörfer. Geologisch trennen sie Welten. Der Pilis liegt am rechten Donauufer als östlichster Ausläufer des Transdanubischen Mittelgebirges und besteht aus Kalkstein und Dolomit. Die Visegráder Berge im Norden sind ein Vulkangebirge. Dazwischen und rundherum hat sich ein Schutzraum gebildet, der als Teil des Duna-Ipoly-Nationalparks und als Biosphärenreservat geschützt ist.

Der Donaubogen mit Visegrád und Esztergom erzählt zugleich ungarische Geschichte: Römer, Árpáden-Könige, Mönche und Siedler hinterließen hier ihre Spuren. Die Landschaft insgesamt beschreibt die Seite zum Donauknie.

Die beiden Gebirge bilden gemeinsam den Block Pilis-Visegrád, einen der Kerne des Nationalparks; den anderen Kern bildet das Börzsöny jenseits des Stroms, das die Donau in der Eiszeit von den Visegráder Bergen abgetrennt hat. Wie der Nationalpark als Ganzes aufgebaut ist, zeigt die Seite zum Duna-Ipoly-Nationalpark. Die Pflanzen- und Tierwelt der Bergzüge ist ähnlich, obwohl das Gestein verschieden ist: Buchen- und Hainbuchen-Eichenwälder, Felsrasen, Höhlen und Bergbäche bestimmen das Bild. Das macht den Reiz einer Wanderung aus, denn auf wenigen Kilometern wechseln Kalkfels, Vulkangestein, Wald, Wiese und Flussblick.

Wie entstand der Pilis und wie sieht er heute aus?

Der Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet „kahler Gipfel“. Die Höhen oberhalb von 500 Metern ragen aus bewaldeten Hängen und sind kahl, weil dort der Boden fehlt. Die höchsten Gipfel sind der Große Soplák mit 710 Metern, der Große Bodzás mit 717 Metern und der Pilis-tető mit 756 Metern. Die Berge fallen nach Südwesten steil und felsig ab und sind nach Südosten sanft geneigt; tiefe, steilwandige Täler trennen die Gebirgsblöcke.

Die Gesteine entstanden im ersten Drittel des Erdmittelalters, am Ende der Trias. Kalkstein und Dolomit setzten sich vor rund 200 Millionen Jahren in einem flachen Meer ab, das bis zu etwa 40 Millionen Jahre bestand. Die ursprüngliche Gesteinsschicht war mehrere Kilometer mächtig, und die Erosion hat viel davon abgetragen. Bohrungen fanden triassische Karbonatschichten bis in rund 1,5 Kilometer Tiefe. Später hoben sich die Gesteinsblöcke, kippten, und junge tektonische Bewegungen zerlegten sie.

Heller Dolomitfelsen über einem Buchenwald im Mittelgebirge, einzelne Kiefern auf dem Grat, klarer Himmel

Trotz langer Nutzung ist ein hoher Anteil der Fläche bewaldet. Typisch sind Buchen- und Hainbuchen-Eichenwälder; die unteren Hänge bis etwa 200 bis 300 Meter Höhe tragen Eichenwälder. Auf den sonnigen, felsigen Oberhängen wechseln wärmeliebende Eichenwälder, Gebüsche und Felsrasen einander ab. In Eichen- und Buchenwäldern wachsen seltene Orchideen. An der Westgrenze ihres Verbreitungsgebiets stehen hier Pflanzen aus den Ostkarpaten.

Bei den Tieren fallen der Wanderfalke auf, der auf den Kalkfelsen mit stabilem Bestand brütet, und der selten gesehene Wespenbussard, der warme Eichenhänge bevorzugt und vor allem Wespen und Bienen jagt. In den Höhlen brüten und überwintern Fledermäuse, nahezu alle einheimischen Arten sind vertreten, darunter streng geschützte.

Warum sind die Visegráder Berge vulkanisch?

Der Vulkanismus fand im späten Miozän vor etwa 20 Millionen Jahren statt und dauerte über eine Million Jahre. Lava bedeckte die Gesteine des Pilis, den Dachsteinkalk und die Hauptdolomitschichten. Der Csódi-Berg bei Dunabogdány entstand durch eine frühe vulkanische Aufwölbung, die die Deckschichten nicht durchbrach. Es überwiegen Andesit-Agglomerate, Tuffe und Schieferkalk. Die ursprünglichen Vulkane und Krater ragten Tausende Meter auf; in zehn bis elf Millionen Jahren hat die Erosion sie auf wenige Hundert Meter abgetragen. Der höchste Gipfel ist der Dobogókő mit etwa 700 Metern.

Der Durchbruch der Donau in der frühen Eiszeit trennte die Visegráder Berge vom Börzsöny, beide gehören geologisch zum Nördlichen Mittelgebirge. Fast anderthalb Millionen Jahre hat sich der Strom in das harte Vulkangestein geschnitten; erhalten sind Terrassen wie der Große und der Kleine Visegráder Berg und der Burgberg. Auf sandüberdeckten Terrassenresten in 200 bis 300 Metern Höhe wachsen Tieflandpflanzen, auf Lössausläufern bilden sich Steppeninseln. Die Weinberge und Obstgärten an den Hängen wurden vom frühen 20. Jahrhundert an aufgegeben, und Steppenrasen eroberte sie schrittweise zurück. Hainbuchen-Eichen- und Buchenwälder erreichen hier ihre östliche Verbreitungsgrenze.

Die Tierwelt ähnelt trotz anderer Geologie der des Pilis. Der Schwarzstorch brütet versteckt in alten Bäumen tiefer Täler und jagt tagsüber an Bächen; zunehmend zeigt er sich an Bächen, die durch Bergdörfer fließen. Die Pannonische Eidechse lebt an mehreren Stellen, und die Vogelwelt umfasst mehrere seltene, streng geschützte Arten.

Auf Lössausläufern und Plateaus wächst das Katzenpfötchen. Zusammen mit dem Pilis bilden die Visegráder Berge einen der Kerne des Nationalparks; was beide verbindet, ist die Lage am Fluss, denn beide Gebirge entwässern ihre Bäche und Quellen fast vollständig in die Donau.

Welche Kulturlandschaft entstand rund um die Berge?

Zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert veränderte sich das Land stark. Im 18. Jahrhundert siedelten sich serbische, deutsche und slowakische Gemeinschaften an, deren Dörfer bis heute die Täler prägen. Im 20. Jahrhundert kamen Steinbrüche, Holzeinschlag und Waldbahnen hinzu. Am Donauufer entstanden Künstler- und Schriftstellerkolonien in Szentendre, Zebegény, Leányfalu und Visegrád.

Auch die Klöster gehören zur Kulturlandschaft: Paulinerklöster wie Mariánostra, 1352 gegründet, und die Zisterzienserabtei Pilisszentkereszt prägten das Gebirge. Spuren der späten Bronzezeit sind Erdburgen in beiden Gebirgen, der römische Limes zog sich von Óbuda bis Esztergom, und der Abschnitt zwischen Visegrád und Esztergom war am besten befestigt.

Was ist das Pilis-Biosphärenreservat?

Das Biosphärenreservat besteht seit 1981 und geht auf Dr. László Madas zurück, den ersten Direktor der Pilis-Staatsforstverwaltung. Es ist ein regionales Bündnis aus Staatsforst, Nationalparkdirektion, Gemeinden und Verbänden. Einmal im Jahr tritt ein Forum zusammen, an dem die Bürgermeister von 16 Gemeinden teilnehmen. Als „Reservat der alten Generation“ entstand es vor der Strategie von Sevilla 1995.

Die Kernzone besteht fast ausschließlich aus Staatswald, ohne Siedlungen und mit nur wenigen Wanderwegen; manche Teile liegen nahe an Städten wie Kesztölc. In der Pufferzone, ebenfalls Staatswald, liegen fünf Siedlungen, und sie wird an Wochenenden stark für Tagesausflüge aus der Hauptstadt genutzt. Die Übergangszone wurde durch freiwillige Vereinbarung der Gemeinden festgelegt, nicht durch eine Ministerialverordnung; vier Siedlungen liegen ganz in ihr. Hier dominieren Forstwirtschaft, Weinbau, Obstbau, Beweidung und Pflanzenanbau.

Sonnige Weinberge und Obstwiesen an einem Hang über einem Dorf am Donaubogen im weichen Herbstlicht

Geschichtlich waren Jagd und Forstwirtschaft die frühesten Nutzungen, zeitweise als königliches und später staatliches Jagdrevier. Der Weinbau blühte vom Mittelalter bis zur Wende zum 20. Jahrhundert, und die Weinbauregion Szentendre–Buda war in Europa bekannt. Nach einem Schädlingsbefall folgte ein schwerer Rückschlag, und der Obstbau endete nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden Gärten und Ferienlager auf früheren Steppen.

Zu den Naturwerten zählt das Zusammentreffen der Andesit-Berge der Karpaten mit den Dolomit- und Kalkgebirgen. Die Purpur-Nieswurz ist die Karpatenblume des Gebiets, das Große Küchenschell wächst auf Kalkfelsen, der Wanderfalke brütet auf den Gipfeln, und der Schlangenadler ist der seltene Waldjäger. Der Staatsforst betreibt seit rund 50 Jahren naturnahe Forstwirtschaft, in Ungarn im großen Maßstab führend. Die Naturschule oberhalb von Visegrád besteht seit 1988 und unterrichtet jährlich rund 8.000 Kinder in mehrtägigen Programmen. Seit 2017 werden Besucherbefragungen durchgeführt, mit über 2.000 ausgefüllten Fragebögen.

Welche Höhlen gibt es im Pilis?

Im Gebiet wurden über 300 Höhlen entdeckt. Das Ariadne-Höhlensystem ist 7,4 Kilometer lang und hat die größten Hallen und Tropfsteine Transdanubiens. Schon in der Steinzeit suchten Menschen Schutz in den Höhlen; die Höhle Pilisszántó-Kőfülke bewahrte Werkzeuge und Jagdreste aus der Eiszeit. Die Höhlen sind für Fledermäuse Wochenstuben und Winterquartier.

Welche historischen Stätten liegen im Gebiet?

Seit der Jungsteinzeit hat der Mensch den Pilis gerodet; später folgten Römerzeit und Völkerwanderung. Auf freien Flächen entstanden Felder, Weinberge und Obstgärten. Im Mittelalter dienten die Wälder als königliche Jagdgründe. Einsiedler lebten abgeschieden, und kleine Dörfer in den Becken zwischen den Bergen lebten vom Holzeinschlag. Bei Kesztölc stand eines der bedeutendsten Klöster der Palatine, dessen Ruinen vor Kurzem ausgegraben wurden. Pilisszentkereszt war Sitz einer berühmten Zisterzienserabtei.

Die Visegráder Berge waren in der Römerzeit eine wichtige Grenzregion und seit der Árpádenzeit von strategischer Bedeutung. Esztergom und Visegrád waren kirchliche und später königliche Verwaltungszentren. Sehenswert sind die Reste des römischen Limes, die Zitadelle von Visegrád, der Salomonturm und die Basilika von Esztergom. Esztergom ist der Geburtsort und Krönungsort von König Stephan dem Heiligen und Sitz der katholischen Kirche Ungarns. In Visegrád trafen sich 1335 die Könige von Ungarn, Böhmen und Polen. In Dömös sind die Ruinen eines romanischen Klosters aus dem 12. Jahrhundert mit Untergeschosskirche erhalten.

Wie plane ich eine Wanderung oder einen Ausflug?

Die Berge sind von Budapest aus in einem Tag erreichbar und eignen sich für Wanderungen zwischen Dobogókő, Pilis-tető und dem Donauufer. Wer mehr Zeit hat, verbindet die Gipfel mit Besuchen in Visegrád und Esztergom; die Höhlen der Hauptstadt beschreibt der Beitrag Höhlen in Budapest.

Der Druck der Erholungssuchenden ist spürbar: Die Pufferzone des Reservats wird an Wochenenden stark für Tagesausflüge aus der Hauptstadt genutzt, und Forststraßen locken mit dem Auto. Deshalb lohnt es sich, auf markierten Wegen zu bleiben und Gebiete der Kernzone zu meiden, in denen es nur wenige Wanderwege gibt. Wer Natur und Kultur verbinden will, wandert von Dömös zu den Klosterruinen, besucht die Zitadelle von Visegrád oder die Basilika von Esztergom und beschließt den Tag an der Donau.

Häufige Fragen zu Pilis und Visegráder Berge