
Was ist der Gedenkpark Ópusztaszer?
Der Nationale Historische Gedenkpark Ópusztaszer liegt in der Südlichen Großen Tiefebene am Hochufer der Theiß und gehört zu den wichtigsten Erinnerungsorten der ungarischen Geschichte. Sein Name verweist auf den Ort „Szer“, an dem die Chronik des Anonymus Fürst Árpád und seine Heerführer nach der Landnahme die Rechtsordnung des neuen Landes festlegen lässt. Auf dem Gelände stehen ein Monument zum tausendjährigen Jubiläum der Landnahme, die Ruinen eines der reichsten mittelalterlichen Klöster der Tiefebene, ein riesiges Rundgemälde und ein Freilichtmuseum.
Die Regierung beschloss 1970, in Ópusztaszer einen Gedenkpark anzulegen; dabei entstand auch die Idee, hier dem Rundgemälde „Die Ankunft der Ungarn“ eine neue Heimat zu geben. Heute verbindet der Park Geschichte, Archäologie, Volkskunde und Erlebnis für Familien. Er liegt in der Südlichen Tiefebene nahe Szeged; die Direktion des Kiskunság-Nationalparks betreut in der Nähe das Landschaftsschutzgebiet Pusztaszer.
Was beschreibt die Chronik des Anonymus über Szer?
Die Gesta Hungarorum, die Chronik des Anonymus, beschreibt im 40. Kapitel, wie Fürst Árpád und seine Krieger nach dem Sieg bis zu einem Sumpf zogen, der Körtvélytó heißt, und dort 34 Tage neben dem Wald Gyümölcsény blieben. Dort ordneten der Fürst und seine Adligen alle Gewohnheitsrechte des Landes, das Verhältnis zum Fürsten und die Strafen für Vergehen. Der Fürst schenkte seinen Gefolgsleuten Gebiete samt Bewohnern. Den Ort nannten die Ungarn „Szer“, weil dort die Angelegenheiten des Landes geordnet wurden („szerét ejtették“). Die Umgebung vom Theißufer bis zum Botva-Sumpf übergab Árpád dem Ond, dem Vater Etes. Zum Hintergrund der Landnahme lesen Sie Vorzeit bis 11. Jahrhundert.
Das Kloster der Familie Bor-Kalán, die sich auf Ond zurückführte, war im Mittelalter die reichste und größte klösterliche Einrichtung der Tiefebene. Seine Ruinen liegen neben dem Millenniumsdenkmal und werden bis heute ausgegraben.
Was zeigt das Millenniumsdenkmal?
Das Wahrzeichen des Parks ist das Árpád-Denkmal zum Millennium der Landnahme. Das Gesetz Nr. VII von 1896 verankerte das tausendjährige Jubiläum, Gesetz Nr. VIII bestimmte Denkmäler dafür, darunter das Denkmal in Pusztaszer, das an die erste Reichsversammlung erinnern sollte. Den Grundstein legte man am 27. Juni 1896, eingeweiht wurde das Denkmal am 21. Mai 1897. Es ist ein Werk des Bildhauers Ede Kallós und des Architekten Gyula Berczik.
Es zeigt den Fürsten sitzend, mit dem Säbel in der Hand und in die Ferne blickend. Der Bildhauer hielt den Moment fest, in dem Árpád und die Anführer hier ihr Zelt aufschlugen und 34 Tage lang das Gewohnheitsrecht des Landes ordneten. Hinter ihm liegt der Osten, vor ihm der Westen, sein Blick geht nach Südwesten in Richtung Rom, der „Ewigen Stadt“. Károly Buzál schuf die hundertjährigen Skulpturen in den Jahren 1997 und 1998 neu. Die ursprüngliche Árpád-Figur steht im Gebäude des Rundgemäldes, und am Eingang des Árpád-Platzes begrüßen die „echten“ Löwen die Besucher.
Was haben die Ausgrabungen ergeben?
Die Klosterkirche neben dem Millenniumsdenkmal ist der historisch älteste Teil des Parks. Eine Siedlung bestand am hohen Theißufer schon im 11. Jahrhundert; sie lag an der königlichen Straße vom Balkan über Szeged nach Buda, was ihre wirtschaftliche Stärke erklärt. Im 15. Jahrhundert war Szer ein zentraler Marktflecken mit Zoll- und Marktrecht. Den Durchzug der Osmanen 1526 überstand der Ort, der Fünfzehnjährige Krieg besiegelte sein Schicksal: Die Bevölkerung floh, die Osmanen richteten in den Resten des Klosters eine Garnison ein. Um 1600 hieß das Gebiet „Puszta Szer“. 1832 standen die Westfassade und die nördliche Mauer noch, wie ein Gemälde von Ede Pallavicini zeigt.
Die erste verlässliche schriftliche Quelle, die das Kloster erwähnt, ist der Vertrag von Bereg von 1233. Der bedeutendste Spross der Familie, Kalán, war 1181 bis 1183 Leiter der königlichen Kanzlei unter Béla III., ab 1186 Bischof von Pécs, später Statthalter von Dalmatien und Kroatien und 1204 zum Erzbischof von Esztergom gewählt, doch nur ein Jahr im Amt. Er starb Ende 1218.
1882 ließ der Titularabt Benedek Göndöcs den Benediktiner und Archäologen Flóris Rómer graben; die Ruinen ragten damals noch sieben Meter hoch. Von 1970 bis 1976 legte ein Team unter Ottó Trogmayer die Kirche vollständig frei, nachdem die Mauerreste in den 1950er-Jahren bewusst zerstört worden waren. Die erste kleine Dorfkirche wurde Ende des 10. Jahrhunderts gebaut und mehrfach erweitert, bis unter Béla III. eine prunkvolle dreischiffige Basilika entstand. Sie hatte einen 10 Zentimeter dicken Boden aus rotem Marmor und Säulenfiguren französischer Meister; der Klosterkreuzgang war U-förmig. Das war die Blütezeit.
Nach dem Mongolensturm wurde das Kloster in bescheidenerem Umfang wiederaufgebaut, in Fachwerkbauweise. Solche Fachwerk-Klöster sind aus Ausgrabungen sonst nicht bekannt. Nach 1388 gibt es keine Nachricht mehr von Mönchen. Im Wirtschaftshof fand man einen 9 Meter tiefen Brunnen mit Fischen, Schnecken, Muscheln, Algen und bemalten Eierschalen, 1993 eine Glockengussgrube mit Schmelzöfen aus der Arpadenzeit; die Archäologen konnten die Glocke aus den Formscherben rekonstruieren. Aus dem Friedhof stammen 961 Gräber. Die Ausgrabungen laufen weiter, und Besucher sehen die Archäologen bei der Arbeit.
Was ist das Feszty-Panorama?
Das Rundgemälde „Die Ankunft der Ungarn“ war eine der Hauptattraktionen der Millenniumsfeiern von 1896 und ist heute der größte Anziehungspunkt des Parks. Ein Panorama besteht aus einem umlaufenden Gemälde, das der Betrachter von einer Plattform in der Mitte eines Rundbaus sieht, davor ein gestalteter Vordergrund. Beides ist so abgestimmt, dass man glaubt, in einer echten Landschaft zu stehen. Árpád Feszty beschloss 1891 in Paris, ein Panorama zu malen, nachdem er ein Rundgemälde zur Schlacht von Champigny gesehen hatte. Ursprünglich wollte er die Sintflut malen, doch sein Schwiegervater Mór Jókai überzeugte ihn, ein Kapitel der ungarischen Geschichte zu wählen.
Mehrere Maler halfen: László Mednyánszky, Ignác Újváry und Béla Spányi malten die Landschaft, Pál Vágó und Henrik Papp Gruppenszenen, Celesztin Pállya die Lagerszenen mit Zelten und Herden. Im Frühjahr 1894 war das Werk vollendet und wurde im Panoramagebäude im Stadtwäldchen von Budapest ein großer Publikumserfolg. 1898 reiste das Bild zur Weltausstellung nach London und kehrte erst 1909 zurück, da das alte Gebäude dem Bau des Museums der Schönen Künste weichen musste. 1944 traf eine Bombe das Panoramagebäude und beschädigte das Bild. Die zerschnittenen Teile, auf Holzwalzen gerollt, kamen in die Nationalgalerie. Von 1991 bis 1995 restaurierte eine polnische Gruppe das Gemälde, die Rotunde entstand Mitte der 1980er-Jahre. Das Werk zeigt in sechs verbundenen Szenen die Ankunft der Magyaren im Karpatenbecken im Blick der Romantik. Das Gebäude, in dem es 1894 eröffnet wurde, stand im Budapester Stadtwäldchen, über das die Seite Heldenplatz und Stadtwäldchen berichtet.
Was zeigt die Rotunde außerdem?
Neben dem Panorama beherbergt die Rotunde mehrere Ausstellungen, die man über die Etagen erreicht, teils auch mit dem Aufzug. Eine Ausstellung zur Parkgeschichte trägt den Titel „Szerét ejtették“. Eine zweite behandelt Staatsorganisation und Burgenbau der Arpadenzeit, eine dritte, „Ilyet nem látott a Kárpát“, zeigt die Entstehung des Feszty-Panoramas mit den Vorbereitungen, der Zerstörung und der Restaurierung. Dazu kommen die Ausstellung „Vár állott, most kőhalom“ über Burgen und Schlachten im mittelalterlichen Ungarn, die Schau „Kincsek a földből“ (Archäologie und Numismatik) und das Jagdmuseum des Komitats Csongrád-Csanád.
Die Burgenausstellung führt von der Schlacht bei Pressburg im Juli 907 über den Sieg von Belgrad 1456 bis zur Schlacht von Mohács am 29. August 1526, die das Ende des selbstständigen Königreichs und 150 Jahre osmanische Herrschaft einleitete; der zweite Teil stellt Burgen vor, etwa Esztergom, Óbuda, Visegrád, Diósgyőr und Tata. Ein multimedialer Spielplatz im zweiten Stock lädt zum Mitmachen ein. Mehr zu dieser Zeit finden Sie unter 12. bis 15. Jahrhundert und 16. bis 19. Jahrhundert.
Wie lebten die landnehmenden Reiter?
Der Nomadenpark führt in das Leben der ungarischen Vorfahren im 9. und 10. Jahrhundert ein. Die eurasische Steppe reicht von den Karpaten bis zur Mandschurei und brachte die Kultur der pastoralen Großtierhalter hervor, der sich die Vorfahren der Ungarn von der Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus an anschlossen. Im Park stehen Jurten, in denen Aktivitäten der Zeit gezeigt werden: wie aus Wolle Filz wird, wie man webte und flocht, welche Glaubensvorstellungen das Leben prägten. Man kann Waffen der Zeit in die Hand nehmen und mit dem Reiterbogen schießen.
Bei einer 20 bis 25 Minuten langen Reitervorführung der Landnahmezeit werden Bogen und Pfeile, Lanze, Säbel und Streitkolben im Gebrauch gezeigt, dazu das Reiterspiel Buzkaschi. Die Vorführung ist anmeldepflichtig, kostet extra und hängt vom Wetter ab. Die Jurten werden vom 1. November bis 31. März abgebaut, der Nomadenpark ist also nur in der warmen Jahreshälfte vollständig zu erleben.
Was zeigt das Freilichtmuseum der Südlichen Tiefebene?
Das Freilichtmuseum zeigt Gehöfte der Marktflecken und Einzelhöfe (Tanya) der Südlichen Tiefebene. Der Volkskundler Antal Juhász begann 1973 mit der Planung und 1979 mit dem Aufbau. Dargestellt ist die Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1930er-Jahre, die Einrichtung stammt aus der Zeit um 1900 bis in die 1940er-Jahre. Die Bauernschaft der Südlichen Tiefebene lebte zu großen Teilen in Städten und auf Einzelhöfen in deren weitem Umland.
Szeged hatte im frühen 20. Jahrhundert die größte Tanya-Bevölkerung: 1930 lebten auf zehntausend Höfen mehr als 45.000 Menschen. Auf den Sandböden begann schon in den 1760er- und 1770er-Jahren der Weinbau, auf den schweren Schwarzerdeböden verbreitete sich der Paprikaanbau. Das gezeigte Szegediner Gehöft steht für einen intensiv wirtschaftenden Kleinbauern mit 10 bis 15 Joch Land; das Wohnhaus war ursprünglich dreigeteilt in Stube, Küche und Kammer und wurde erweitert, wenn der Sohn heiratete. Unter dem offenen Kamin kochte man in Tontöpfen, das Sprichwort sagt, jeder müsse im Leben einen Scheffel Asche essen. Im Schuppen unter dem Rohrdach trocknete im Herbst der Paprika; eine von einem Pferd getriebene Paprikamühle wurde aus einem Hof in Röszke hierher versetzt. An Wochenenden gibt es Gebäck aus dem Backofen, in der Hofschule Unterricht wie früher nach Anmeldung, und im Krämerladen in der Sommersaison Handwerksprodukte.
Was sollten Sie für den Besuch wissen?
Das Besucherzentrum bietet Information, ein Café, einen Konferenzsaal, ein 3D-Kino und das Hungarikum-Schatzhaus. Dort läuft ein 3D-Film zur ungarischen Geschichte von der Landnahme bis zum EU-Beitritt, außerdem der Film „Szer története“ über die Geschichte des Klosters Szer. Die Vorführungen finden an Öffnungstagen halbstündlich von 10.30 bis 17.30 Uhr statt. Ein Kräuterhaus und das Waldhaus „Kunsági Erdészház“ für Tagungen und Workshops ergänzen den Rundgang.
Planen Sie für Rotunde, Kloster, Nomadenpark und Freilichtmuseum mindestens einen halben bis ganzen Tag ein. Der Park eignet sich für Familien, weil viele Stationen zum Mitmachen einladen. Preise, Öffnungszeiten und Sonderveranstaltungen ändern sich, prüfen Sie sie vor der Anreise auf der Website des Parks. Wer die Region verbinden möchte, fährt von hier nach Szeged oder in den Kiskunság-Nationalpark.