
Was ist die Mátra und wo liegt sie?
Die Mátra erhebt sich im Norden Ungarns zwischen der Tiefebene im Süden und den Hügeln des Nógrád im Norden. Sie gehört zum Nordungarischen Mittelgebirge und ist der innerste Bogen der Nördlichen Karpaten. Als höchstes Gebirge des Landes trägt sie mit dem Kékes auch den höchsten Gipfel Ungarns, 1.014 Meter über dem Meer. Auf dem Kékes gelangt man als einzigem Ort in ganz Ungarn über die Marke von 1.000 Metern. Der Name des Berges, Kékes, ist von der Siedlung Kékestető zu unterscheiden, die zur Stadt Gyöngyös gehört.
Die Mátra beginnt buchstäblich am Stadtrand von Gyöngyös. Der Sár-hegy, ein südlicher Ausläufer, ragt dort 500 Meter hoch auf. Zur Stadt gehören auch Mátrafüred, Sástó, Mátraháza und Kékestető. Weitere Orte rund um das Gebirge sind Mátraszentimre, Parád, Parádfürdő, Recsk, Sirok und Domoszló. Die Nachbarregionen beschreibt die Seite Nordungarn, das östlich anschließende Gebirge der Seite Bükk-Nationalpark.
Der größte Teil der Mátra liegt im Komitat Heves, ein kleinerer Teil im Komitat Nógrád. Das Landschaftsschutzgebiet wird von der Nationalparkdirektion Bükk betreut, die auch das Besucherzentrum Harkály Ház in Mátrafüred betreibt.
Was umfasst das Landschaftsschutzgebiet Mátra?
Das Landschaftsschutzgebiet Mátra wurde 1985 ausgewiesen und umfasst knapp 12.000 Hektar. Es besteht aus zwei Teilen. Der kleinere westliche Teil umfasst das Gebiet um den Ágasvár und das Mátrabérc. Der größere östliche Teil umfasst das Kékes-Massiv der Ost-Mátra, ein zusammenhängendes Gebiet reich an Naturwerten. Die dicht besiedelten Ferienorte sind bewusst ausgespart.
Zwölf Gemeinden haben Anteil am Schutzgebiet: Bátonyterenye, Domoszló, Gyöngyös, Gyöngyössolymos, Kisnána, Markaz, Mátraszentimre, Parád, Parádsasvár, Pásztó, Recsk und Sirok. Das ganze Gebiet steht Wanderern auf markierten Wegen offen. In streng geschützten Zonen ist das Verlassen der Wege verboten, für besonders empfindliche Lebensräume ist eine Sondergenehmigung der Nationalparkdirektion nötig. Öffentliche Straßen sind frei befahrbar, für Forstwege braucht es eine Genehmigung. Radfahrer nutzen die markierten Waldradwege.
Die Höhenunterschiede im Gebiet betragen 400 bis 900 Meter. Das Klima ist gemäßigt mit Gebirgscharakter und weicht deutlich vom Landesdurchschnitt ab. Gelände und Wald erzeugen kleine Klimazonen, die auf wenigen Kilometern wechseln. Für Kuraufenthalte entstanden in den 1930er Jahren Ferienanlagen auf dem Kékestető, in Mátraháza und in Parádfürdő. Das Klima des ganzen Landes erklärt die Seite Klima in Ungarn.
Wie entstand das Gebirge?
Die Mátra gehört zur inneren Vulkanzone der Karpaten. Ihre Hauptmasse ist ein Schichtvulkankomplex aus dem Miozän, entstanden vor 20 bis 13 Millionen Jahren. Er besteht aus Andesit, Andesittuff und Andesitagglomerat und ist mehrere hundert Meter mächtig. Andesit ist ein dunkles bis graues Ergussgestein, das beim Erkalten von Lava entsteht und besonders hart ist.
Der Vulkanblock kippte früh in seiner Geschichte nach Süden und hob sich dabei ungleichmäßig. Die Erosion formte danach das heutige Relief mit steilen, tief eingeschnittenen Tälern. In der Eiszeit sprengte Frost das Gestein und ließ Felssäulen und Blockfelder entstehen, die „Steinmeere“ (kőtengerek).
Nach dem Ende des Vulkanismus lagerten sich Erze ab, vor allem bei Gyöngyösoroszi, Mátraszentimre, Parád und Recsk. Diese Lagerstätten prägten die Geschichte des Gebirges über Jahrhunderte. Im Parádfürdőer Ilona-Tal verläuft eine geologische Wanderstrecke mit alten Bergbaustellen, die weiter unten beschrieben ist.
Auch Höhlen gibt es: Das Csörgő-lyuk ist 370 Meter lang und die längste Höhle Ungarns in einem Gestein, das nicht Karst ist. Die Seite Höhlen von Budapest und der Beitrag zur Baradla-Höhle zeigen im Vergleich, wie anders Höhlen im Kalkstein aussehen.

Welche Quellen und Bäche prägen die Mátra?
Die Mátra ist reich an Wasser. Rund 360 Quellen sind bekannt, 47 davon schütten mindestens zehn Liter pro Minute. Wie viel Wasser fließt, hängt vom Niederschlag ab. Die Bäche sind meist steil und führen bei der Schneeschmelze und nach Sommergewittern viel Geröll mit, in trockenen Perioden trocknen manche aus.
Zwei Flüsse begrenzen das Gebirge. Im Westen fließt die Zagyva, im Osten die Tarna, beide münden in die Theiß. Die Zagyva nimmt 62 Bäche aus der Mátra auf, die Tarna 46.
Besonders sind die Mineralquellen. Kohlensäure- und Schwefelwasserstoffquellen, im Ungarischen „csevice“, treten bei Parádfürdő als Szent-István-Quelle im Ilona-Tal, bei Parádóhuta als Klarissza-Quelle sowie bei Mátraderecske und Parádsasvár aus. Nach Mátraderecske führt die Seite Heilbad Mátraderecske.
Ungarns höchstgelegener See ist der Sás-tó. Er liegt etwa drei Kilometer zu Fuß von Mátrafüred entfernt und gehört zur Stadt Gyöngyös. Der Lehrpfad „Cincér“ führt vom Besucherzentrum Harkály Ház zum See und erklärt das Landschaftsschutzgebiet, die Rolle von Totholz und die Geschichte der Waldnutzung.
Welche Wälder wachsen in der Mátra?
Den größten Teil der Fläche bedecken Zerreichen-Traubeneichen-Wälder. Mit zunehmender Höhe lösen sie Hainbuchen-Eichen-Wälder ab, auf der Nordseite ab etwa 550 Metern, auf der Südseite ab etwa 650 Metern. Darüber wachsen Buchenwälder, oberhalb von 900 Metern Hochgebirgs-Buchenwälder an den Nordhängen von Kékes, Galyatető und Piszkéstető.
Auf der Nordseite des Kékes steht ein alter, naturnaher Buchenwald, der eines von zwei Waldreservaten der Mátra ist. Dort können die Abläufe eines Waldökosystems über einen vollständigen Zyklus beobachtet werden. Dazu kommen Lindenwälder auf Schutthängen und Schluchtwälder an den Nordhängen.
Die heutigen großen, gleichaltrigen und einschichtigen Wälder haben eine Geschichte. Die Glashütten der Region brauchten Pottasche, dazu kamen Brennholz und Bauholz. Im Forstrevier Parád wird deshalb heute Dauerwald bewirtschaftet, bei dem kleine Lücken geschlagen werden, statt Kahlschläge zu machen. Fremde Baumarten werden schrittweise durch heimische ersetzt.

Welche seltenen Pflanzen gibt es?
Der Wald beherbergt Raritäten. Zu den bemerkenswerten Arten zählen Alpen-Heckenrose, Quirlblättrige Weißwurz, Europäisches Wanzenkraut, Alpen-Waldrebe, Silberblatt und Dreiblättriger Baldrian, dazu Farne wie der Braunsche Schildfarn. Der Alpen-Wimperfarn kommt in Ungarn ausschließlich in der Mátra vor.
An Felsen und auf Trockenrasen wächst die Amethyst-Schwingel, ein Relikt der Eiszeit, dessen nächstes Vorkommen in den Budaer Bergen liegt. Das Felsen-Steinkraut gedeiht in der Mátra nur an der Felswand des Gazoskő. Dazu kommen Nordischer Streifenfarn, Trauben-Steinbrech, Behaarte Hauswurz und die Mátra-Zwergmispel.
Auf Wiesen und in Feuchtgebieten blühen Lungen-Enzian, Wiesen-Küchenschelle, Sibirische Schwertlilie und Kugelorchis. Das Entferntährige Rispengras hat alle seine Vorkommen in Ungarn in der Mátra. Die Schachbrettblume hat nur einen einzigen Standort, einen zeitweise überfluteten Eichenwald.
Rund 60 Hektar Bergwiesen bei Mátraszentimre und Parád werden gepflegt: Gebüsch wird gerodet, die Flächen werden gemäht und beweidet. Die Beweidung übernimmt die Nationalparkdirektion selbst mit Karpaten-Rindern.
Welche Tiere leben hier?
Unter den Vögeln brüten Kaiseradler, Schreiadler, Mäusebussard, Wespenbussard, Schlangenadler, Uhu, Habichtskauz, Weißrückenspecht und Schwarzstorch. Der Kaiseradler ist ein besonders streng bewachter Brutvogel.
Alte Bäume und stillgelegte Bergwerksstollen sind Quartiere für Fledermäuse. In einer Kolonie leben unter anderem Langflügelfledermaus und Großes Mausohr. Die Stollen werden erhalten oder wiederhergestellt, damit die Tiere sie weiter nutzen können.
Bei den Lurchen leben Bergmolch, Gelbbauchunke, Springfrosch, Grasfrosch und Feuersalamander. An den Straßen am Sás-tó und bei Hasznos wurden 2015 Leitkanäle und Amphibientunnel gebaut, damit die Tiere sicher zu den Laichgewässern kommen. Die Laichplätze liegen an den Stauseen von Csórrét, Hasznos und im Köszörű-Tal. Das kleinste Kriechtier der Mátra ist die Johannisechse (Ablepharus kitaibelii).
Auch Wirbellose sind bemerkenswert. Im alten Buchenwald lebt eine Schneckenart (Discus ruderatus), ein Überbleibsel der Kaltzeiten. Der Veilchenblaue Wurzelhals-Schnellkäfer und der Eremit sind auf Totholz angewiesen. Der Perlmuttfalter Argynnis laodice erreicht in den Bachtälern der Mátra die Grenze seines Verbreitungsgebiets. Die Larven der Gestreiften Quelljungfer leben in kalten Bächen.
Welche Spuren haben Menschen hinterlassen?
Menschen siedelten hier schon vor unserer Zeitrechnung. Am südlichen Fuß des Gebirges fanden sich Werkzeuge aus Stein, Kupfer und Bronze. Befestigte Anlagen der Bronzezeit sind der Ágasvár und der Óvár. In Gyöngyös kam 1907 ein skythischer Urnenfriedhof aus dem 4. Jahrhundert vor Christus zum Vorschein, bei Nagyréde ein großes awarisches Gräberfeld.
Im Mittelalter standen mehrere Burgen im Gebirge: Gyöngyöspatá, schon in der Chronik Gesta Hungarorum aus dem 13. Jahrhundert erwähnt, außerdem Oroszlánvár, Hasznos und Bene aus dem 14. und 15. Jahrhundert. In der osmanischen Zeit verloren sie an Bedeutung, und ab dem 18. Jahrhundert trugen Dorfbewohner Steine aus den Mauern ab, sodass nur wenig stehen blieb.
Die Ruine von Bene-vár liegt wenige hundert Meter von Mátrafüred entfernt. Sie wurde am Ende der Árpádenzeit gebaut und gehörte Tamás Szécsényi. Schon im späten 15. Jahrhundert galt sie als Ruine, in den 1980er Jahren wurde sie ausgegraben. Die Kapelle der heiligen Anna am gleichnamigen See stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Auf dem Sár-hegy bei Gyöngyös wuchs früher Wein. Steinwälle zwischen den Parzellen begrenzten die Bodenerosion. Am Ende des 19. Jahrhunderts zerstörte die Reblaus einen Großteil der Weinberge. Ungarns Weinbau im Überblick bietet die Seite Ungarischer Wein, den berühmten Rotwein von der anderen Seite des Gebirges der Beitrag Egri Bikavér.
Goldabbau im Komitat Heves wird erstmals 1700 erwähnt. Bél Mátyás beschrieb die Gegend in den Jahren 1730 bis 1735, im 19. Jahrhundert sammelte Pál Kitaibel Daten über Pflanzen und Tiere. Eine umfassende naturkundliche Untersuchung begann 1977.
Welche Lehrpfade und Orte lohnen sich?
Der Kékes-Lehrpfad ist der höchstgelegene Lehrpfad Ungarns. Er beginnt auf dem Kékestető und zeigt Geologie, Pflanzen und Tiere des Gipfelmassivs. Der Gipfel ist zu Fuß von Mátrafüred oder Mátraháza erreichbar. Wer nicht wandern will, erreicht ihn auch auf der Straße mit Auto oder Rad.
Der Ilona-Tal-Lehrpfad bei Parádfürdő ist 6,5 Kilometer lang und führt durch das Tal eines Baches an den Grenzen mehrerer geologischer Zeitalter. Hier stoßen eozäne und miozäne Vulkangesteine auf oligozäne Meeresablagerungen. Zu den Stationen gehören der Etelka-Stollen, den Baron Orczy 1780 anlegen ließ, der Timsós-Einschnitt und die Ördöggátak, ein Gang aus miozänem Andesit, der in Sandstein und Rhyolithtuff eindrang. Am Ende fällt ein acht bis zehn Meter hoher Wasserfall über eine Wand aus Pyroxen-Andesit.
Die Tarjánka-Schlucht bei Domoszló ist eine der engsten und eindrucksvollsten Schluchten Ungarns auf der Südseite der Mátra. Sie ist nur mit Führungen der Nationalparkdirektion zugänglich, damit Natur und Besucher geschützt sind.
Der Sár-hegy bei Gyöngyös ist ein erloschener Vulkankegel am Südrand. Das Naturschutzgebiet Gyöngyösi Sárhegy besteht seit 1975 und umfasst 186 Hektar. Seine Südhänge bewahrten in der Eiszeit Pflanzen der Steppenwälder. Der Mandula-Pfad erschließt es.
Das Besucherzentrum Harkály Ház in Mátrafüred ist das ökotouristische Zentrum der Nationalparkdirektion mit Ausstellungen, darunter ein Raum „Nachtwald“ und ein virtueller Flug über die Mátra. Zum Gebirge gehören außerdem das Arboretum Tuzson in Fenyvespuszta und der Aussichtspunkt Nyikom-bérc.
Wie verbinde ich die Mátra mit anderen Zielen?
Die Mátra liegt zwischen Budapest und Eger und lässt sich in einer Rundreise durch Nordungarn mit beiden Städten verbinden. Die Stadt Eger mit Burg und Weinkellern liegt östlich des Gebirges. Das mittelalterliche Dorf Hollókő im Cserhát liegt westlich der Mátra, das Industrie- und Universitätszentrum Miskolc im Nordosten. Wer Gebirgslandschaft vergleichen will, besucht den Bükk-Nationalpark mit Kalkstein statt Vulkangestein und die Pilis und Visegrader Berge im Donauknie.
Zum Wandern eignet sich die Mátra, weil Höhe und Klima schnell wechseln. Auf den Gipfeln ist es spürbar kühler als in der Ebene. Gute Schuhe sind auf den steinigen und geröllreichen Wegen Pflicht. Wer Pflanzen und Tiere beobachten möchte, plant früh am Morgen, wenn Wald und Wiesen am lebendigsten sind. Die Landschaft in Zahlen und Kartenform zeigt die Seite Geografie Ungarns.