
Was ist Hollókő?
Hollókő ist ein Dorf im Cserhát-Gebirge im Norden Ungarns, das rund 380 Einwohner zählt. Es ist als Welterbedorf in Ungarn einzigartig und ist bis heute ein bewohntes Dorf geblieben. Von Budapest erreichen Sie es in etwa einer Autostunde. Ein großer schwarzer Rabe am Ortsrand zeigt an, dass man richtig ist; weil Hollókő ein Sackgassendorf ist, führt die Straße nur ins Dorf hinein.
Die Landschaft rund um den Ort wird auf Seiten wie Nordungarn beschrieben. Hollókő eignet sich als Tagesausflug oder als ruhiger Kurzaufenthalt mit Übernachtung im Dorf.
Warum ist Hollókő Welterbe?
Die 67 geschützten Häuser des Alten Dorfes stehen seit 1987 auf der UNESCO-Liste. Nach Angaben des Ortes war Hollókő die erste Welterbestätte Ungarns und das erste Dorf der Welt, dem dieser Titel zuerkannt wurde. Prägend ist die Bauweise der Palóc-Bauernhäuser: weiß gekalkt, mit Veranda (Tornác), Holzbrüstung und Walmdach, aufgereiht auf schmalen „Hosengurt-Grundstücken“. Ihre heutige Form erhielten sie nach dem Dorfbrand von 1909.
In einigen Häusern sind Handwerksstätten, Museen und Schauhäuser untergebracht, in anderen können Sie übernachten. Das Dorf bietet unter anderem Töpfern und Weben zum Ausprobieren an; zur Handwerkstradition des Landes lesen Sie die Seite Kunsthandwerk. Der Alte Dorfkern ist ohne Ticket und kostenlos zugänglich; die Ausnahme ist die Zeit des Osterfestes.
Was ist die Kirche von Hollókő?
Im Zentrum steht die katholische Kirche mit Holzturm und Schindeldach, das Wahrzeichen des Dorfes. Die Einwohner ließen sie 1889 aus Spenden bauen. Sie ist dem heiligen Martin von Tours geweiht; die Pfarrei besteht aber schon seit 1342, das Dorf wird erstmals im Zusammenhang mit einem Priester namens György schriftlich erwähnt. Der Turm mit Pyramidenhelm stand 1862 bereits und erhebt sich über dem Chor der früheren Kirche; das Schiff wurde später angebaut. Die Restaurierung endete 1980, 1990 erhielt der Bau Schindeldach, Empore und eine einheitliche stilisierte Ausstattung. Im Inneren sehen Sie das restaurierte Altarbild des heiligen Martin, eine Pietà und einen volkstümlich geschnitzten Christus.
Mehr zu den Konfessionen im Land lesen Sie auf der Seite Religion.
Was erzählt die Burg Hollókő?
Die Burg krönt einen Felsen über dem Dorf. Nach dem Mongolensturm 1241/42 förderte König Béla IV. den Bau steinerner Burgen als Schutzorte für die Bevölkerung. Den ältesten Teil der Burg, den Alten Turm, ließ Péter I. aus dem Geschlecht Kacsics nach den 1260er Jahren errichten; er oder sein Sohn Mikus umgaben ihn mit einer hohen Steinmauer und einem Palastteil. 1312, nach der Schlacht bei Rozgony, ließ Karl Robert die Burg belagern, konnte sie aber nicht einnehmen. 1313 schenkte er sie Tamás Szécsényi. Dessen Enkel Frank Szécsényi, der den Beinamen „von Hollókő“ führte, baute die Anlage gegen Ende des 14. Jahrhunderts weiter aus; im Palast entstanden ein weiteres Geschoss, ein Rittersaal, eine Kapelle und Wohnräume.
1442 unterschrieben Adelige aus Nógrád und Hont auf der Burg einen Waffenstillstand mit den hussitischen Truppen unter Jan Giskra. 1461 schenkte König Matthias die Burg dem Palatin Mihály Országh und Albert Losonczi; in dieser Zeit wurde der Palast im Renaissancestil weitergebaut. Nach der türkischen Eroberung Budas 1541 wurde Hollókő Teil der Grenzburgenkette. Im August 1550 trug der frühere Burghauptmann György Kapitány ein berühmtes Duell mit dem türkischen Kommandanten der Burg Szanda, Hubiár Aga, aus, von dem der Chronist Sebestyén Tinódi ein Lied dichtete. 1552 nahm Ali, Pascha von Buda, die Burg kampflos ein, 1593 wurde sie zurückerobert, 1663 fiel sie erneut an türkische Truppen, und 1683 befreite sie König Johann Sobieski nach dem Entsatz Wiens.
Das Ende kam 1701, als Kaiser Leopold I. die Zerstörung der Burgen im Landesinneren anordnete. Der Aufstand unter Franz II. Rákóczi rettete sie noch kurz, nach dem Frieden von Szatmár 1711 begann der Abbruch, und in den Aufzeichnungen erscheint Hollókő danach als Ruine. Die Freilegung begann 1966, die Mauern wurden gesichert, und 1996 öffnete man die Burg für Besucher; 2014/15 folgten weitere Wiederherstellungen. Die ausführliche Geschichte können Sie bei der Betreibergesellschaft nachlesen; allgemeine Zusammenhänge liefert die Seite 12. bis 15. Jahrhundert.
Woher hat Hollókő seinen Namen?
Der Name „Hollókő“ bedeutet Rabenstein. Die Legende erzählt, ein Adeliger aus dem Geschlecht Kacsics namens András habe die schöne Frau eines Nachbarn geraubt und in einem Raum der im Bau befindlichen Burg eingesperrt. Was die Maurer tagsüber mauerten, verschwand nachts: Die Amme der Frau, eine Hexe, hatte mit dem Teufel paktiert, und Teufelchen in Rabengestalt trugen die Steine fort, bis die Frau frei war. Nach den Raben, den „Teufeln“, soll das Dorf und die Burg benannt sein.
In der Burg zeigt ein „Kacsics-Saal“ eine Szene des 13. Jahrhunderts mit sieben Figuren, die Kleidung der Zeit zeigen, sowie eine Waffenhalle mit Handwaffen vom 11. bis 16. Jahrhundert.
Was zeichnet die Palóc-Kultur aus?
Die Bewohner gehören zu den Palóc, deren Tracht in Hollókő noch heute zu Festen wie Ostern und Pfingsten getragen wird, nicht nur von Älteren, sondern auch von Jüngeren bei Familienfeiern und Hochzeiten. Die Männer tragen enge schwarze Hosen, Stiefel, ein Leinenhemd, ein Band um die Taille und einen schwarzen Hut. Frauen tragen unzählige geschmückte Röcke: Im Alltag früher zwei, an Festtagen sieben bis acht Unterröcke unter dem Seiden- oder Kaschmirrock, bei Mädchen sogar fünfzehn bis zwanzig. Dazu gehören eine gestickte Seidenschürze, ein Spitzenmieder und ein Schultertuch mit Fransen.
Besucher können die Trachten selbst anprobieren. In den Gästehäusern kosten Sie Palócsuppe, Tócsni und Görhe, wie sie das Dorf nennt. Weitere Hintergründe zu Bräuchen finden Sie auf der Seite Traditionen und zu Festtagen auf der Seite Feiertage.
Welche Museen gibt es im Dorf?
Im Alten Dorfkern liegen das Dorfmuseum, das Spinnstubenhaus (Guzsalyas), eine Handwerksdruckerei, das Haus des Schulmeisters, ein Palóc-Puppenmuseum, ein Postmuseum und ein Webhaus (Szatyingos). Die Dorfverwaltung bietet ein Kombi-Ticket („Faluséta“) an, das neun Stationen umfasst, darunter Museen, Kostproben, Werkstattbesuch, Webvorführung und ein Spielhaus. Das Ticket ist nicht verpflichtend, es gibt keine Führung, sondern eine Karte, mit der Sie in Ihrem Tempo gehen. Einzeltickets für die Museen sind vor Ort erhältlich. Preise und Zeiten wechseln, die Informationsstelle „Küszöb“ gibt Auskunft.
Was gibt es für Wanderer?
Das Dorf liegt zwischen Weiden und dem 141 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet Hollókő, das zu Spaziergängen und Läufen einlädt. Im Tal des Hollókő-Baches erinnern Waschteiche, Hanfröste-Teiche und im Tal am Südhang des Burgbergs die Reste eines Bauernbades an das frühere Leben. Mehrere Lehrpfade erklären die Natur: der Biologische Lehrpfad, der Kertek-alja-Pfad zu Kleingewässern, Hanfanbau, Obstgärten und Waschteichen, der Vár-alja-Pfad zu Quellen, Auwäldern, Amphibien und dem Feuersalamander sowie ein Burgwanderpfad.
Wo übernachten und essen Sie?
Im Alten Dorfkern vermieten die „Hollóköves Vendégházak“ individuell eingerichtete Gästehäuser in ursprünglichen Bauernhäusern, die jeweils von anderen Familien gestaltet wurden. Außerdem gibt es das Wellnesshotel Castellum Hotel Hollókő mit vier Sternen, das Panorama, Dorfspaziergang und Wellnessangebote verbindet, sowie weitere Gästehäuser in wenigen Gehminuten vom Alten Dorfkern, zum Beispiel am Rand zwischen Altem und Neuem Dorf. Für die Gastronomie nennt die Dorfseite unter anderem die Gaststätten Masinás und Muskátli.
In den Häusern der Familien bekommen Sie Geschichten des Dorfes erzählt und können an der Hausmannskost teilhaben. Die Ruhe des Ortes wird in den Beschreibungen immer wieder hervorgehoben: Im Winter knirscht der Schnee, im Sommer funkelt der Sternenhimmel, im Herbst steigt der Duft von Ofenrauch in den feuchten Abend.
Welche Feste feiert Hollókő?
Das Dorf feiert Ostern, Pfingsten, das Weinlesefest und den Martinstag. Das Weinlesefest fand 2026 am 10. Oktober mit Umzug durch den Alten Dorfkern statt. Das Sankt-Martins-Fest als 19. Ausgabe findet am 7. November 2026 von 11 bis 16 Uhr statt.
Für den Besuch bietet sich ein früher Start an, damit Sie Burg und Dorf mit Pausen genießen können. Die Burg ist ab 26. Oktober 2026 von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet, ab 1. November von 10 bis 15.30 Uhr. Wer übernachten möchte, findet Hinweise auf der Seite Hotels und Unterkünfte.
Häufige Fragen zu Hollókő
Seit wann ist Hollókő Welterbe?
Seit 1987; die 67 geschützten Häuser des Alten Dorfes stehen auf der UNESCO-Liste.
Wie viele Einwohner hat Hollókő?
Nach den Angaben des Ortes rund 380.
Kostet der Besuch des Dorfes Eintritt?
Der Alte Dorfkern ist ohne Ticket kostenlos zugänglich, außer während des Osterfestes; Burg und einzelne Museen kosten Eintritt.
Was bedeutet der Name Hollókő?
Rabenstein; die Legende führt ihn auf Teufel in Rabengestalt zurück, die Steine der Burg forttrugen.
Wann wurde die Burg gebaut?
Der älteste Teil, der Alte Turm, wurde nach den 1260er Jahren unter dem Geschlecht Kacsics errichtet.
Wann sind die Öffnungszeiten der Burg?
Ab 26. Oktober 2026 von 10 bis 16.30 Uhr, ab 1. November von 10 bis 15.30 Uhr; Änderungen beim Betreiber prüfen.
Was ist das Faluséta-Ticket?
Ein optionales Kombi-Ticket für neun Stationen im Alten Dorf; ohne Führer, mit Karte.