
Was umfasst der Duna-Ipoly-Nationalpark?
Nördlich von Budapest, dort wo die Donau zwischen Vulkanbergen einen großen Bogen schlägt, liegt der Duna-Ipoly-Nationalpark. Er entstand 1997 durch Verordnung 34/1997 und schützt Flüsse, Grundwasser, Wälder und Böden ebenso wie die kulturhistorischen Werte der Landschaft. Der Park setzt sich aus mehreren sehr verschiedenen Einheiten zusammen: den Gebirgen Börzsöny, Visegrád und Pilis, dem Tal des Grenzflusses Ipoly zwischen Hont und Balassagyarmat, dem Donauabschnitt zwischen Göd und Esztergom und Teilen der Szentendre-Insel. Das Besondere ist das Zusammentreffen von Flusstälern, Bergland und Ebene auf engem Raum.
Wälder bedecken 96 Prozent der Schutzflächen. Vulkanische und sedimentäre Gesteine liegen nebeneinander, dazu kommen lebendige Auensedimente und Kiesbänke im Strom. Zahlreiche Quellen und Bäche der Berge entwässern fast vollständig in Ipoly oder Donau. Die Pflanzenwelt verbindet das Transdanubische Mittelgebirge mit dem Nördlichen Mittelgebirge; submediterrane und kontinentale Einflüsse treffen aufeinander, sodass viele Arten und Pflanzengesellschaften hier an der Grenze ihres Verbreitungsgebiets stehen. Die Palette reicht von Auenvegetation und Sandrasen bis zu Mittel- und Hochgebirgswäldern. Die Berge Pilis und Visegrád stellt eine eigene Seite vor: Pilis und Visegráder Berge. Das Gesamtbild der Region zeigt die Seite zum Donauknie.
Warum ist das Börzsöny-Gebirge ein Vulkanland?
Das Börzsöny ist ein erloschener Vulkan. Vor Millionen Jahren erhob sich sein Kegel fast 2.000 Meter über den Meeresspiegel; spätere Ausbrüche und kräftige Erosion haben ihn stark abgetragen. Das Hauptgestein ist Andesit. Erhalten ist ein Caldera-Rand, ein ringförmiger Kraterrest: Der Hohe-Börzsöny-Kamm ist mehr als zehn Kilometer lang, und Gipfel um 800 Meter säumen den Rand. Der höchste Punkt ist der Csóványos mit 939 Metern, immerhin Platz 20 unter den 100 höchsten Gipfeln Ungarns. Das Wasser aus der Caldera sammelt der Schwarze Bach.
Rund 400 Quellen entspringen im Gebirge, etwa ein Zehntel davon oberhalb von 600 Metern, und kleine Bäche fließen in tiefen Tälern zur Donau oder zum Ipoly. Das Börzsöny ist waldreich: Über den Eichenwäldern der unteren Lagen herrscht die Buche. Etwa 1.200 Pflanzenarten wachsen hier, darunter ein Gras, das in Ungarn ausschließlich im Börzsöny vorkommt. In den alten Buchenwäldern mit viel Totholz lebt der Eremit, ein Käfer mit besonderer Lebensweise. Der Weißrückenspecht und der Schwarzstorch brüten in den Wäldern, der Uhu zieht seine Jungen hier auf, und die Wildkatze zeigt intakte Waldlebensräume an. Der Luchs ist seit Jahrzehnten im Gebiet nachgewiesen.

Das Landschaftsschutzgebiet Börzsöny wurde 1978 eingerichtet; seine Erweiterung bildet gemeinsam mit dem Block Pilis-Visegrád einen der Kerne des Nationalparks. Im Csarnai-Block rund um das Tal des Schwarzen Baches liegt die Zone, in der die Natur sich ohne Eingriffe entwickelt. Besiedelt ist vor allem der Rand des Gebirges und die Becken ringsum; Wald und Bodenschätze trieben die Entwicklung voran. Als dritte Waldbahn Ungarns wurde ab 1893 die Schmalspurstrecke von Kismaros nach Királyrét gebaut, später kamen Hunderte Kilometer Zweiglinien dazu, die in Seitentälern oft nur vorübergehend angelegt waren. In den 1940er Jahren waren es im Börzsöny rund 200 Kilometer; viele Strecken sind abgebaut, einige blieben für den Tourismus erhalten.
Was bietet das Hiúz Ház in Királyrét?
Das Hiúz Ház, das Luchshaus, ist Waldschule und Besucherzentrum bei Királyrét in Szokolya, mitten im Börzsöny. Von Budapest-Nyugati fährt man mit der Bahn nach Kismaros und weiter mit der Waldbahn oder dem Bus nach Királyrét; vom Bahnhof sind es etwa 350 Meter, den Luchs-Schildern folgend. Das Haus zeigt eine interaktive Ausstellung, hat einen Lehrpfad mit dem Béka-Bori-Kinderweg („Bori, der Frosch“), eine Freiluftschule, einen Klassenraum und Bastelangebote. Geführte Touren im Börzsöny sind auf Gruppen bis zu 20 Personen begrenzt. Am Bajdázó-See mit Spielelementen leben Sumpfschildkröten. Die Gegend ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Hohen Börzsöny.
Warum ist der Ipoly ein besonderer Fluss?
Der Ipoly entspringt in rund 1.100 Metern Höhe im slowakischen Erzgebirge und fließt etwa 220 Kilometer bis zur Donau, als linker Nebenfluss; sein Einzugsgebiet misst etwa 5.000 Quadratkilometer. Der Unterschied zwischen Niedrig- und Hochwasser beträgt fast das Neunhundertfache, in der Karpatenregion übertrifft ihn nur die Theiß. Starker Regen oder plötzliche Schneeschmelze lassen große Wassermengen über die Aue treten.
Der Mensch hat den Fluss stark verändert. Mehrere Schlingen wurden abgeschnitten, was ihn um etwa 50 Kilometer verkürzt hat, sechs Staustufen wurden gebaut. Das begradigte Bett hat sich eingetieft, und das Grundwasser in den Dörfern ist stark gesunken. Die Staustufen versperren Donaufischen im Frühjahr den Weg zu ihren Laichplätzen. Umso wertvoller ist der rund 30 Kilometer lange Abschnitt zwischen Ipolyszög und Hont, der unreguliert blieb: Er umfasst fast 3.000 Hektar und steht seit 1997 unter dem Schutz des Nationalparks. Seit 2001 ist das Tal Ramsar-Gebiet und eines der wenigen grenzüberschreitenden Ramsar-Gebiete Ungarns; das slowakische Gegenstück umfasst 450 Hektar.

Auf den Auwiesen weiden Ungarische Graurinder, die extensive Beweidung erhält die Wiesen. Jedes Jahr ziehen Tausende Wildgänse in die Aue, die dort vor der Jagd in der Slowakei Zuflucht suchen; Kleinwild ist im Schutzgebiet völlig geschont. Zu beiden Seiten des Flusses verlaufen Lehrpfade, die gemeinsam mit slowakischen Partnern entstanden sind, und Beobachtungstürme erlauben im Frühjahr, bei Überschwemmungen, den Blick auf die Vogelschwärme. Einige Routen sind mit dem Rad befahrbar.
Wie prägt die Donau den Nationalpark?
Der Park umfasst die Donau zwischen Göd und Esztergom, bei den Flusskilometern 1670 bis 1720. Die Form des Donauknies geht auf das Pleistozän zurück: Der Strom fand einen Weg zwischen den Vulkanbergen und trennte die Visegráder Berge vom Börzsöny, die größte und folgenreichste Veränderung des Flusssystems im Karpatenbecken. Der Fluss verengt sich hier und weitet sich zwischen Nagymaros und Vác leicht, wo er neue Kiesbänke und Inseln bildet. Auwälder säumen das Ufer, und die Szentendre-Insel ist wegen ihres hohen Naturwerts hervorgehoben. Feuchtgebiete und Sandstandorte am Sződ-Rákos-Bach sind Reste des früheren Donaulaufs.
Der Strom dient auch als Wasserstraße. Ufer- und Fahrrinnenpflege hat Kiesbänke abgetragen und die Vielfalt des Flussbettes verringert; hohe Wellen großer Fahrgastschiffe schädigen Jungfische. Der Park gehört dem internationalen Netzwerk DanubeParks an, das den Naturschutz entlang des Stroms abstimmt. Zwei Orte am Strom, die Besucher kennen sollten, sind Visegrád und Esztergom.
Welche Tiere und Pflanzen leben im Park?
Über 700 geschützte und streng geschützte Arten sind nachgewiesen. In den schnell fließenden Kiesbänken der Donau leben seltene Schnecken. Auf trockenen Berggrasländern lebt die Säbeldornschrecke. Alle einheimischen Amphibien kommen vor, im Börzsöny der Feuersalamander in feuchten Tälern; die Pannonische Eidechse lebt in Pilis und Börzsöny. Unter den Vögeln finden sich Waldsingvögel, Greifvögel, Wasser- und Watvögel, der Schwarzstorch und der Weißrückenspecht in alten Börzsöny-Wäldern, gelegentlich auch Seeadler. In Höhlen und alten Stollen leben Fledermauskolonien, mehrere Spitzmausarten sind geschützt, im ungestörten Wald kommt gelegentlich der Luchs vor, entlang der Gewässer der Fischotter.
Lebensräume sind Auwälder und -wiesen, Sandrasen, trockene Berggrasländer, Wälder der mittleren und hohen Lagen, feuchte Täler, Höhlen, aufgelassene Stollen und Kiesbänke im Fluss.
Welche Spuren hat die Geschichte im Park hinterlassen?
Menschen leben seit der Steinzeit hier. In der Höhle Pilisszántó-Kőfülke und anderen Höhlen blieben Werkzeuge und Jagdreste aus der Eiszeit erhalten, in beiden Gebirgen liegen Erdburgen der späten Bronzezeit. Die römische Grenze, der Limes, verlief von Óbuda bis Esztergom, der Abschnitt zwischen Visegrád und Esztergom war am dichtesten befestigt. Esztergom ist der Geburtsort von König Stephan I. um 969 bis 970, Visegrád Königssitz, dessen Palast unter König Matthias seinen Höhepunkt erreichte. Paulinerklöster wie Mariánostra (gegründet 1352) und die Zisterzienserabtei Pilisszentkereszt prägten das Gebirge; die Burg Drégely hielt im Juli 1552 einer Belagerung stand.
Im 18. Jahrhundert siedelten sich serbische, deutsche und slowakische Gemeinschaften an. Im 20. Jahrhundert prägten Steinbrüche, Holzeinschlag und Waldbahnen das Land. Künstler- und Schriftstellerkolonien entstanden in Szentendre, Zebegény, Leányfalu und Visegrád.
Welche Besucherzentren und Höhlen gehören zum Park?
Sieben Besucherstationen betreut die Direktion: die Höhle im Budaer Burgberg, die Pál-völgyi-Höhle, das Arboretum von Alcsút, das Besucherzentrum Sas-hegy, das Dorfmuseum Ócsa, das Hiúz Ház in Királyrét und die Szemlő-hegyer Höhle.
Das Besucherzentrum Sas-hegy in der Tájék utca in Budapest ist ein „lebendiges Museum im Herzen der Stadt“ mit interaktiver Ausstellung, Terrarien im Freien, einer Panoramaterrasse und einem Lehrpfad; die Felsen des Sas-hegy liegen in der Nähe. Es ist mit Bus 8 vom Keleti-Bahnhof oder mit der Straßenbahn 59 ab Széll Kálmán tér erreichbar.

Die Pál-völgyi-Höhle wurde 1904 entdeckt und ist seit 1919 zugänglich. Die Führung dauert etwa eine Stunde, ist rund 500 Meter lang und überwindet über 400 Stufen und eine Leiter. Es gibt Tropfsteine und glitzernde Kalzitkristalle, die Temperatur liegt konstant bei 11 Grad, in manchen Gängen ruhen Fledermäuse wie das Kleine Mausohr. Gruppen sind auf 35 Personen begrenzt, Audioguides gibt es in acht Sprachen. Die Szemlő-hegyer Höhle entstand dagegen durch aufsteigendes Thermalwasser, daher ihre ungewöhnlichen Formen wie popcornartige Krusten und blumenkohlartige Wucherungen. Sie hat konstant 12 Grad, ist für Rollstühle und Kinderwagen zugänglich und zeigt Ausstellungen zu Karst, Höhlenrettung und Engstellen wie dem „Nadelöhr“. Mehr dazu im Beitrag Höhlen in Budapest.
Das Arboretum von Alcsút liegt im Váli-Tal, etwa 40 Kilometer von Budapest entfernt zwischen Tata und Székesfehérvár. Es war der Schlossgarten von Erzherzog Joseph, Palatin von Ungarn, umfasst rund 40 Hektar im englischen Stil mit See und hat etwa 540 Strauch- und Baumarten. Zwischen den Bäumen stehen Brücken, ein Aussichtspavillon, ein Puppenhaus und ein Bärenhaus. Schneeglöckchen blühen im Februar und März, Pfeifenstrauch und Teichrose im Mai, und im Juni leuchten Tausende Glühwürmchen. Das Dorfmuseum Ócsa neben der großen Kirche zeigt einen bäuerlichen Hof mit volkskundlicher Sammlung, Puppenausstellung, Handwerksangeboten und geführten Touren auf den Lehrpfaden der Umgebung.
Welche Herausforderungen hat der Schutz der Landschaft?
Der Park liegt vor den Toren einer Millionenstadt, deshalb ist der Erholungsdruck groß. Forststraßen fördern den Autotourismus, und Bauvorhaben können Konflikte verschärfen. Die in den 1970er Jahren eingeführten Mufflons haben sich so stark vermehrt, dass sie Boden und Pflanzen schädigen. Gebietsfremde Pflanzen verdrängen heimische. Die Schutzgebiete stehen deshalb in enger Abstimmung zwischen Forst und Naturschutz. Wer den Park besucht, bleibt auf markierten Wegen und nutzt die Lehrpfade der Besucherzentren; das schont die empfindlichen Bereiche und führt zu den schönsten Aussichten.
Wie kombiniere ich den Park mit einer Reise?
Der Park lässt sich von Budapest aus in Tagesausflügen erreichen: Börzsöny und Királyrét mit der Bahn über Kismaros, Visegrád und Esztergom per Schiff oder Straße, die Besucherzentren Sas-hegy und die Höhlen direkt in der Stadt. Für mehrtägige Touren eignen sich Orte am Donauknie. Eine Rundreise nach Norden verbindet den Park mit Nordungarn.