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Duna-Dráva-Nationalpark

Der Duna-Dráva-Nationalpark (Duna-Dráva Nemzeti Park) schützt im Süden Ungarns die Auen von Donau und Drau. Er wurde im Frühjahr 1996 gegründet, umfasst 49.478,8 Hektar, von denen 13.431,6 Hektar streng geschützt sind, und besteht fast ausschließlich aus ehemaligem Überschwemmungsland. Zu ihm gehören Gemenc, eines der größten zusammenhängenden Auengebiete Europas, die Wälder und Altwasser von Béda-Karapancsa und die wilde Drau.
Donau-Auwald mit alten Weiden und Eichen, die sich in einem ruhigen Altwasser spiegeln, leichter Morgennebel über dem flachen Land

Wo liegt der Duna-Dráva-Nationalpark und was umfasst er?

Der Duna-Dráva-Nationalpark liegt im Süden Ungarns entlang zweier Flüsse. Der Donauabschnitt reicht von der Mündung des Sió-Kanals bis zur südlichen Staatsgrenze, der zweite Teil folgt der Drau. Gegründet wurde der Park im Frühjahr 1996 mit der Verordnung 7/1996 des Umweltministeriums. Seine Fläche beträgt 49.478,8 Hektar, davon sind 13.431,6 Hektar streng geschützt. Verwaltet wird er von der Nationalparkdirektion Duna-Dráva, die zugleich fünf Landschaftsschutzgebiete und 19 weitere national bedeutende Schutzgebiete betreut.

Fast die gesamte Fläche liegt in früheren Überschwemmungsgebieten. Das Wasser hat hier die Landschaft geformt: Es hat Sand und Schlamm abgelagert, Flussschlingen abgeschnitten und Altwasser, Sandbänke, Weidenwälder und Hartholzauen entstehen lassen. Wer den Park besucht, sieht deshalb keine Berge und keine Felsen, sondern Wasser, Röhricht und hohen Wald, in dem im Frühjahr die Wasserstände steigen.

Die beiden Flüsse unterscheiden sich stark. Die Donau fließt im Park als ruhiger Mittellauf mit geringem Gefälle. Die Drau entspringt in den Alpen, erreicht Ungarn bei Őrtilos als schneller Fluss mit starkem Gefälle und viel Geschiebe und fließt weitgehend unreguliert in ihrem natürlichen Bett. Beide Charaktere in einem Schutzgebiet zu vereinen, macht den Reiz des Parks aus.

Der Park liegt im Westen und Süden von Südtransdanubien; die Stadt Pécs ist der übliche Ausgangspunkt für Ausflüge in den Süden des Landes.

Was zeichnet den Donauabschnitt mit Gemenc und Béda-Karapancsa aus?

Der Donauteil gliedert sich in zwei Gebiete: Gemenc und Béda-Karapancsa. Beide gehören zur Großen Ungarischen Tiefebene. Weil das Gefälle gering ist und die Strömung langsamer wird, ist die Donau hier ein Mittellauf-Fluss. Ursprünglich mäanderte sie, lagerte Sand und Schlamm ab, baute Sandbänke auf und verlegte ihr Bett immer wieder. Abgeschnittene Schlingen wurden zu Altwassern, in tieferen Senken entstanden Innenseen.

Die Regulierung hat dieses Bild grundlegend verändert. Man stach Krümmungen durch, um Eisgang und Schifffahrt zu verbessern, und engte den Fluss zwischen Dämmen ein. Die Strömung wurde schneller, das Bett vertiefte sich, der Wasserspiegel und mit ihm das Grundwasser sanken. Hinter den Dämmen blieben die Überschwemmungen aus, Altwasser trockneten aus oder verlandeten.

Im Sárköz ging man anders vor: Hier, wo viele Altwasser liegen, wurde der Hochwasserdamm weit vom Fluss entfernt gebaut, an der Grenze des früheren Besitzes des Erzbistums Kalocsa. Dadurch blieb Gemenc erhalten, eines der größten zusammenhängenden Überschwemmungsgebiete Europas. In Europa gibt es kaum noch eine Auenlandschaft dieser Ausdehnung, deshalb hat das Gebiet für den Naturschutz herausragende Bedeutung.

Ruhiges Altwasser mit blühenden weißen Seerosen, umgeben von Weidenbäumen im weichen Licht

Wie lebten die Menschen früher mit dem Hochwasser?

Bis ins 18. Jahrhundert versuchten die Bewohner nicht, das Hochwasser abzuwehren. Sie leiteten es im Gegenteil in ein System aus Kanälen, die Fok genannt wurden, und bezogen immer größere Flächen in den natürlichen Wasserkreislauf ein. Das Frühjahrshochwasser floss durch diese Gräben in Fischteiche, Senken, Wiesen, Weiden und Obstgärten.

Weil das Wasser langsam stieg, konnten Menschen und Tiere rechtzeitig ausweichen, die Schäden blieben gering. Die Fok sicherten den Lebensunterhalt: Man fing reichlich Fisch, hielt Pferde und das Ungarische Graurind auf den Weiden und nutzte die Wiesen. Ein einziger Fok versorgte oft eine ganze Reihe von Teichen. Seine Pflege verlangte viel Wissen und Arbeitskraft.

Mit dem Bau der Dämme und dem Absinken des Wasserspiegels brach dieses Wirtschaftssystem zusammen. Die Verbindung zwischen Donau, Fok und Altwassern riss ab, auf der geschützten Seite der Dämme blieb das Hochwasser aus. Was der Nationalpark heute bewahrt, sind Reste dieses Auensystems.

Welche Pflanzen wachsen in den Donauauen?

Die Vegetation ordnet sich nach der Nähe zum Wasser. An den Ufern und auf den Sandbänken wachsen Weidengebüsche, die niedrige Wasserstände aushalten, denn der grobe Sand der Bänke trocknet stark aus. Auf schlammig-sandigen Ufern stehen Weidenhaine mit der Silberweide, die im Frühjahr regelmäßig überflutet werden. Charakteristisch ist die Sommerknotenblume, die hier massenhaft blüht.

In den Altwassern von Gemenc blüht im Mai die geschützte Weiße Seerose. Der Wasserschlauch fängt als fleischfressende Pflanze kleine Tiere und blüht im Sommer auffällig. Die Wassernuss, ein Relikt der Wärmezeit, bedeckt die Wasseroberfläche mit ihren rautenförmigen Blättern; ihre Früchte wurden früher gesammelt und gegessen, heute steht sie unter Schutz. Mit dem Schwimmfarn und dem Kleefarn wachsen zwei geschützte Wasserfarne, die sich über Sporen vermehren. Hinter dem Wasser folgen Sumpfvegetation, Röhricht und Seggenbestände.

Im höheren Auenbereich, der nur bei großen Hochwassern überflutet wird, steht die Hartholzaue. Ihre wichtigsten Bäume sind Stieleiche, Ulme und Esche. In der Strauchschicht wachsen das geschützte Geißblatt und die Wilde Weinrebe, im Unterwuchs blüht die Schachbrettblume mit ihren rosa-braunen, schachbrettartig gefleckten Blüten. Reste dieser artenreichen Wälder gibt es in Béda-Karapancsa.

Welche Tiere leben in Gemenc und Béda-Karapancsa?

Im Donaugebiet sind bisher 51 Fischarten nachgewiesen. Der Sterlet und die Quappe kommen noch recht häufig vor, der Hecht ist der Raubfisch der Altwasser. Unter den Reptilien sind die Europäische Sumpfschildkröte verbreitet, und viele Amphibienarten nutzen die Gewässer als Laichplatz.

Von europäischer Bedeutung sind zwei Vögel. Die größte Schwarzstorch-Population Ungarns lebt in den Auwäldern, und ihr Schutz gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Parks. Der Seeadler zählt zu den seltensten Greifvögeln Europas und nutzt über Jahrzehnte denselben großen, hoch gebauten Horst. Beide Arten reagieren empfindlich auf Störung, deshalb muss ihr ungestörtes Brüten gesichert werden. Der Schwarzmilan ist in Béda-Karapancsa noch häufig. In den Schilfbeständen brüten Seidenreiher, Silberreiher, Nachtreiher und Purpurreiher, der Graureiher bevorzugt Weidengehölze. Im Herbst und Winter rasten Tausende Zugvögel, Enten, Gänse und Kormorane überwintern regelmäßig.

Unter den Säugetieren finden Teichfledermaus und weitere gefährdete Fledermausarten in alten Baumhöhlen Quartier. Der Fischotter ist an das Wasserleben angepasst, die Wildkatze bevorzugt ruhige Wälder nahe den Schilfgebieten. Der Europäische Biber war im 19. Jahrhundert ausgerottet und wurde in Gemenc wieder angesiedelt; er vermehrt sich dort wieder. Die Rothirsche von Gemenc sind wegen ihrer Trophäen weltberühmt, der Bestand zeichnet sich durch kräftigen Wuchs und außergewöhnliche Erbanlagen aus.

Was ist das Besondere an der Drau?

Die Drau entspringt in den Alpen und erreicht Ungarn bei Őrtilos. Sie ist schnell, hat ein erhebliches Gefälle und transportiert viel Geschiebe, das sie im ungarischen Abschnitt allmählich ablagert. So entstehen Kiesinseln, die ständig verschwinden und ihre Lage wechseln. Pionierpflanzen besiedeln diese Standorte, darunter die Deutsche Tamariske, die in Ungarn nur hier wächst und ab Mai rosa Blütentrauben trägt.

Wilde Flussbiegung mit hellen Kiesbänken und einem steilen Lössufer mit kleinen Brutlöchern, dahinter Weidenwald

Im Drau-Abschnitt leben fast 4.500 Tierarten. Die Drau-Köcherfliege zeigt, dass der Fluss noch sauberes Wasser führt; eine lebensfähige Population gibt es weltweit nur hier. Eintags- und Köcherfliegen verbringen ihre lange Larvenzeit im Wasser und leben als erwachsene Tiere nur kurz. Unter den Fischen ist der Glattstör besonders selten. Auf vegetationslosen Kiesbänken brüten Zwergseeschwalbe und Flussregenpfeifer, in den senkrechten Lösswänden graben Uferschwalben, Bienenfresser und Eisvögel ihre Brutröhren. Der Wiedehopf brütet in alten Bäumen. Wenn die Seen zufrieren, sammeln sich auf den offenen Wasserflächen der Drau Tausende Vögel.

Die Weichholzaue besteht aus Silberweide, Silberpappel und Schwarzpappel, in der Krautschicht wachsen die geschützten Farne Natternzunge und Winterschachtelhalm. Auf höheren Standorten folgt der Eichen-Eschen-Ulmen-Auwald. Eine Besonderheit sind die Hügel von Zákány und Őrtilos: Hier stehen in Ungarn einzigartige illyrische Hainbuchen-Eichenwälder und illyrische Buchenwälder, und einige Pflanzen wie das dreiblättrige Windröschen wachsen im Land nur hier. Auf alten Rodungsflächen haben sich Feucht- und Sumpfwiesen entwickelt, in denen Sibirische Schwertlilie und Knabenkräuter blühen.

Was ist die Barcser Wacholderheide?

Im Süden des Gebiets liegt auf sauren, sandigen Böden die Barcser Wacholderheide. Zwischen den Wacholdern siedeln zuerst Moose, Flechten und der Ungarische Schwingel, dann folgt Sandsteppenrasen mit Schwarzer Küchenschelle, Sandstrohblume und weiteren seltenen Pflanzen. In abflusslosen Senken wachsen Bruchwälder, an den Rändern Torfmoose und der Kammfarn. Der Königsfarn und die Weidenblättrige Spierstaude gedeihen in Ungarn nur hier.

Wie haben die Menschen die Drau-Landschaft genutzt?

Die Bewohner der kleinen Flussdörfer lebten vor allem von der Viehhaltung: Rinder, Fohlen, Schafe und Schweine trieb man auf die Weiden. In den alten Hutewäldern leben heute Hirschkäfer und Großer Heldbock, dessen Larven im Totholz wachsen; in den Baumhöhlen nisten Stare, Feldsperlinge und Wiedehopfe. Das Aushöhlen von Trogbooten und das Korbflechten waren an die Weichholzaue gebunden, das harte Holz der Eichenwälder diente dem Bau von Palisadenburgen und der Herstellung von Pottasche.

In der Region Ormánság stehen noch heute Kirchen mit bemalten Holzkassettendecken, zum Beispiel in Kórós, Drávaiványi, Adorjás und Kovácshida. Wer Natur und Dorfkultur verbinden will, findet im Besucherzentrum Ős-Dráva in der Ormánság eine interaktive Ausstellung, Vorführungen einheimischer Haustierrassen und Naturlehrpfade.

Graue Langhornrinder weiden auf einer Auenwiese mit alten Kopfbäumen im Dunst des späten Nachmittags

Welche alten Haustierrassen hält die Nationalparkdirektion?

Seit 2000 hält die Direktion alte ungarische Haustierrassen, um ihre Erbanlagen zu bewahren und Lebensräume durch Beweidung zu pflegen. Dazu gehören das Ungarische Graurind, die einzige alte ungarische Rinderrasse, das seit mehreren hundert Jahren im Land lebt, das Hortobágyer Zackelschaf, das schon bei den Ungarn vor der Landnahme zur Herde gehörte, das Cikta-Schaf, das mit deutschsprachigen Siedlern nach der Osmanenzeit kam und vor allem in Tolna und Baranya gehalten wurde, sowie das Wollschwein Mangalica, das von einheimischen Rassen des 19. Jahrhunderts abstammt. Mehr zur Weidewirtschaft der Tiefebene lesen Sie auf der Seite zum Hortobágy.

Was bedeutet das Biosphärenreservat Mur-Drau-Donau?

2021 wurde das UNESCO-Biosphärenreservat Mur-Drau-Donau eingerichtet. Es ist das weltweit erste Biosphärenreservat, das fünf Länder gemeinsam tragen: Ungarn, Österreich, Kroatien, Serbien und Slowenien. Es umfasst knapp eine Million Hektar entlang eines rund 700 Kilometer langen Flussabschnitts und zählt zu den größten Naturräumen Europas. Wie jedes Biosphärenreservat gliedert es sich in Kernzonen mit den naturnächsten Bereichen, Pufferzonen und eine Übergangszone, in der gewirtschaftet wird. Der ungarische Anteil liegt größtenteils im Duna-Dráva-Nationalpark, ein kleinerer Teil im Nationalpark Balaton-Oberland.

Ungarn hat sechs Biosphärenreservate: Aggtelek, Neusiedler See (Fertő), Hortobágy, Kiskunság, Pilis und Mur-Drau-Donau. Zu den anderen finden Sie Seiten über den Fertő-Hanság-Nationalpark, den Kiskunság-Nationalpark und die Baradla-Höhle.

Wie lässt sich der Nationalpark erleben?

Auf dem Wasser gelingt der Zugang am besten. Kanutouren führen auf der Vén-Duna, dem früheren Hauptarm der Donau, an Auwald und Wasservögeln vorbei, ebenso durch Béda-Karapancsa mit den wertvollen Feuchtlebensräumen des unteren ungarischen Donauabschnitts. Auch auf der Drau werden Wassertouren angeboten. Am Boki-Duna, einem alten Donauarm, führt ein ein- bis zweistündiges Programm historische Fangmethoden und Geräte der Fischer vor. Wer Tiere fotografieren will, wartet in Gemenc leise an Waldteichen auf Schwarzstörche, Silberreiher, Wildschweine oder Hirsche.

Zu Fuß erschließen Lehrpfade die Gebiete. Der Lehrpfad Őrtilosi Dráva-ártér beginnt am Bahnhof von Őrtilos und ist in etwa einer Stunde zu gehen. Der Pfad Üde rétek führt auf einem rund drei Kilometer langen Feldweg vom Besucherzentrum Dráva-Tor in Drávaszentes durch Wiesen und ihre Geschichte. Der Pfad Dráva élővilága zeigt Lebensräume vom offenen Wasser bis zum Hutewald und besitzt eine Beobachtungsstation für Vögel mit Beringung und einen Aussichtsturm. Am Kenderáztató erfährt man, wie Hanf verarbeitet wurde, der Pfad Bárányfok in Gemenc liegt in einem Ramsar- und Natura-2000-Gebiet, und der Brinyó-Pfad führt in den Bruchwald von Dunaszentgyörgy, wo es um Feuchtgebiete, Wasserrückhalt und invasive Arten geht. Radfahrer erreichen die Ormánság über die Drei-Flüsse-Route und den Radweg EuroVelo 13.

Als Fortsetzung nach Westen eignet sich ein Abstecher an die Donau bei Visegrád und Esztergom, wo die Landschaft ganz anders wirkt.

Häufige Fragen zu Duna-Dráva-Nationalpark