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Baradla-Höhle bei Aggtelek

Die Baradla-Höhle bei Aggtelek ist Ungarns am längsten erforschte und bekannteste Tropfsteinhöhle. Mit der slowakischen Domica-Höhle bildet sie ein System von über 30 Kilometern. Es gibt drei geführte Touren ab Aggtelek und Jósvafő; in der Höhle herrschen das ganze Jahr etwa 10 Grad, warme Kleidung ist nötig.
Tropfsteine und Säulen in einer beleuchteten Halle der Baradla-Höhle bei Aggtelek, ohne Menschen, mit feuchtem Fels und warmem Licht

Was ist die Baradla-Höhle?
Die Baradla-Höhle liegt im Aggteleker Nationalpark im Nordosten Ungarns an der slowakischen Grenze. Der Nationalpark nennt sie die am längsten erforschte, bekannteste und seit Jahrhunderten besuchte Tropfsteinhöhle Ungarns. Ihr voller Name ist Baradla-Domica-Höhlensystem, weil sich ein etwa 8 Kilometer langer Abschnitt auf slowakischem Gebiet Domica-Höhle nennt. Die Höhlen des Aggteleker und Slowakischen Karsts wurden am 6. Dezember 1995 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Die Region beschreibt die Seite Nordungarn, in der Aggtelek bereits als Reiseziel auftaucht; die Lage im Land erklärt die Seite Geografie. Hier erfahren Sie alles, was Sie für einen Höhlenbesuch brauchen.

Wie ist die Höhle entstanden?
Die Höhle bildete sich in Kalkstein der Trias, der vor 200 bis 230 Millionen Jahren entstand. Damals bedeckte ein allmählich tiefer werdendes Meer das Gebiet; abgestorbene Tiere mit Kalkskeletten bildeten die Sedimente. Später zog sich das Meer zurück, der Kalk verfestigte sich und wurde bei der Gebirgsbildung angehoben und stark zerbrochen. Die Baradla liegt in drei verschiedenen Kalksteinen.

Der älteste ist der dunkelgraue bis schwarze Gutensteiner Kalk im Jósvafőer Abschnitt, der stark zerklüftet ist und wegen seiner Verunreinigung nur wenige Tropfsteine trägt. Der längste Teil der Hauptstrecke verläuft im hellgrauen Steinalmer Kalk, der sich gut für Tropfsteinbildung eignet und Fossilien wie Grünalgen, Ammoniten und Seelilien enthält. Vom Eisentor bis zu den Ausgängen bei Aggtelek folgt der Wettersteiner Kalk, entstanden in einer flachen Lagune. Die erforschte Gesamtlänge des Baradla-Domica-Systems beträgt über 30 Kilometer: 22.027 Meter Baradla und 8.127 Meter Domica, zusammen 30.154 Meter.

Eine zweite Welt unter der Erde zeigen die Höhlen in Budapest, darunter die Pálvölgy-Höhle als längstes Höhlensystem des Landes.

Woher kommt der Name Baradla?
Der Name stammt vermutlich vom slawischen Wort „bradlo“, das Felsklippe oder steilen Felsberg bedeutet. Das Wort lebt in der Slowakei als Ortsname weiter. Früher war auch der Name Aggteleker Tropfsteinhöhle gebräuchlich, heute wird er nicht mehr verwendet.

Welche Touren gibt es?
Der Nationalpark bietet drei Touren an. Die Aggteleker Kurztour dauert 60 Minuten, führt über einen Kilometer und gilt als leicht, hat aber 166 Stufen. Sie startet um 10, 13 und 15 Uhr, auch bei nur einer angemeldeten Person. Sie führt durch große Hallen mit hängenden und stehenden Tropfsteinen, Säulen und Tropfsteinfahnen, vorbei an Formationen mit Namen wie „Schwiegermutterzunge“, „Nikolaus“ und „Tiger“, durch die Säulenhalle und den Konzertsaal, dessen ausgezeichnete Akustik Konzerte ermöglicht.

Die Jósvafőer Kurztour dauert etwa 60 Minuten, ist 1,4 Kilometer lang (hin und zurück) und gilt trotz nur 73 Stufen als mittelschwer, weil sie viele Höhenmeter überwindet. Sie startet um 12 Uhr. Der erste Teil führt durch Felsstrecke mit Faltungen und Verwerfungen und kaum Tropfsteinen, im zweiten Teil werden die Hallen schmuckvoller; Höhepunkt ist die Halle der Riesen, der größte Raum des Systems mit besonderer Akustik. Die Mitteltour ab dem Roten See (Vörös-tó) ist 2,3 Kilometer lang, dauert etwa 100 Minuten und hat 598 Stufen. Sie führt durch den längsten elektrisch beleuchteten Abschnitt entlang des Styx-Baches, zum 19 Meter hohen „Sternwarte“-Tropfstein, dem höchsten stehenden Tropfstein Ungarns, und endet am Ausgang in Jósvafő.

Geheimtipp – Planen Sie die Mitteltour, wenn Sie ein Auto haben: Der Park fährt Besucher mit dem Bus zum Eingang am Roten See. Beachten Sie die Änderung ab 2. November 2026: Dann gibt es die Tickets für diese Tour an der Kasse in Jósvafő.

Was müssen Sie vor dem Besuch wissen?
In der Höhle herrschen etwa 10 Grad, deshalb sollten Sie warme Kleidung tragen (die Außentemperaturen im Jahresverlauf stehen auf der Seite Klima und beste Reisezeit). Einzelgäste können nicht vorab online buchen; Karten gibt es an der jeweiligen Höhlenkasse für die nächste Tour. Die Kasse in Aggtelek verkauft nur Tickets für die Aggteleker Kurztour. Die Kassen öffnen im Sommer (1. Mai bis 31. August) von 8 bis 17 Uhr, im Winter (1. September bis 30. April) von 8 bis 16 Uhr. Preise und Abfahrtszeiten ändern sich; prüfen Sie sie auf der Seite des Nationalparks.

Wer mehrere Tage bleibt, kann im Haus Szalamandra mit Waldschule, Campingplatz und Touristenherberge in Szögliget oder in den Apartments Kövirózsa in Aggtelek übernachten. Weitere Möglichkeiten zeigt die Seite Hotels und Unterkünfte.

Wie ist das Klima in der Höhle?
Schon Imre Vass stellte 1825 fest, dass die Höhlentemperatur nicht den Schwankungen der Oberfläche folgt. Er maß im Mittel 10 Grad, spätere Messreihen seit den 1950er Jahren bestätigten das. In kalten Wintern liegen zwischen Höhlenluft und Außenluft nicht selten 25 bis 30 Grad Unterschied, wodurch kräftiger Zug entsteht. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 95 bis 100 Prozent. Der Park weist darauf hin, dass das Klima der Höhle wegen der Luftqualität heilend wirken kann.

Wie wurde die Höhle für Besucher erschlossen?
Den ersten Ausbau führte man 1806 anlässlich eines Besuchs von Palatin Joseph durch: Eingang und Engstellen wurden gesprengt, über den Bach legte man Brücken und Stege. 1881 übernahm der Ungarische Karpatenverein die Höhle. Noch im selben Jahr entstand am Eingang von Aggtelek die erste Schutzhütte im heutigen Ungarn; Kálmán Münnich vermaß die Höhle, Brücken und Wege wurden erneuert, und es entstanden der Münnich-Durchgang und der Abstieg am Roten See. Die Artikel von Károly Siegmeth und die ab 1890 erscheinenden Fotos von Károly Divald machten die Höhle bekannt: In den 1830er Jahren kamen etwa 200 Besucher im Jahr, um 1900 waren es mehr als tausend.

1922 fand Péter Kaffka hinter dem Endpunkt bei Jósvafő einen rund 500 Meter langen neuen Abschnitt. Ende der 1920er Jahre entstanden der Ausgang bei Jósvafő und die vielen Brücken, die noch heute genutzt werden. 1935 wurde die Beleuchtung eingeschaltet, die als Beginn der Blütezeit unter Hubert Kessler gilt. Seit 1984 gehört die Höhle dem Naturschutz; fast 250.000 Besucher kamen 1978, so viele wie nie zuvor.

Wie fließt das Wasser durch die Höhle?
Der Niederschlag gelangt durch viel Versickerung und durch zahlreiche Schlucklöcher an der Oberfläche in das System, etwa über die Kis-Baradla, den Acheron und die Ravaszlyuk-Schlucklöcher. Markierungsversuche haben gezeigt, dass unter der Hauptstrecke zwei hydrologisch unabhängige Höhlensysteme liegen, die Lange und die Kurze Untere Höhle. Nach größeren Regenfällen oder Schneeschmelze rauscht der Styx-Bach durch die Gänge der Mitteltour.

Wer lebt in der Höhle?
Neben den Fledermäusen leben in der Baradla mehr als 500 nachgewiesene Tierarten, darunter endemische Arten. Genannt werden der Aggteleker Höhlenflohkrebs und die Ungarische Höhlenlaufkäferart, die 1903 entdeckt wurde. Die ersten wissenschaftlichen zoologischen Arbeiten stammen aus den 1840er Jahren. Zu den auffälligen Spuren gehören glänzend schwarze Manganoxid-Überzüge an den Wänden, die von Bakterien ausgeschieden wurden. Die Höhle zählt zu den offenen Höhlen mit direkter Verbindung zur Oberfläche und hat deshalb ausgedehnte Eingangsbereiche mit eigener Fauna, darunter Zweiflügler, Käfer, Schmetterlinge und die Höhlenkreuzspinne. Bei den Fledermäusen hat der Besucherverkehr die Artenzusammensetzung verändert: Störungsempfindliche Mausohren gingen zurück, die störungstoleranteren Hufeisennasen wurden häufiger; die seltenste Art, die Mittelmeer-Hufeisennase, wird mitunter mit über tausend Tieren beobachtet. Trotz der großen Artenvielfalt gilt die Höhlenluft als nahezu steril.

Was haben Archäologen gefunden?
Der Höhleneingang bot den Menschen seit etwa 7.000 Jahren zeitweise Schutz. Bei Ausgrabungen kamen mehrere tausend Funde zutage, überwiegend aus der Jungsteinzeit: Werkzeuge aus Stein und Knochen und viele unversehrte Gefäße mit Linienverzierung aus der Bükker Kultur. Auch aus der frühen Eisenzeit stammen Funde, darunter Goldschmuck und eine fast vollständige Kampfausrüstung der Hallstattkultur. In der Knochenhaus-Halle entdeckte man eine Grabstätte, in der Verstorbene in Hockerlage mit Pflanzensamen bestattet waren. Die ältere Geschichte des Landes erzählt die Seite Vorzeit bis 11. Jahrhundert.

Wie wurde die Höhle erforscht?
Erwähnt wurde die Höhle erstmals 1549 in einem in Basel erschienenen Werk von G. Wernher, noch ohne Namen und mit falscher Ortsangabe. 1794 fertigte József Sartory die erste Vermessung an; sein Plan gilt als erste von einem Ingenieur erstellte Höhlenkarte der Welt, eine Kopie liegt in der Széchényi-Nationalbibliothek. 1807 erschien eine gedruckte Karte von Keresztély Raisz. Imre Vass erschloss 1825 die Hauptstrecke bis zum Theater-Raum, nachdem der Wasserstand durch eine Dürre gesunken war, und veröffentlichte 1831 seine Beschreibung mit Karten.

Als Sehenswürdigkeit ist die Höhle seit etwa 500 Jahren bekannt.

Was gibt es außer der Höhle?
Der Nationalpark bietet Wanderungen, Radtouren und Reitprogramme. Er hält eine Herde der Huzulenpferde, der Ponys der Karpaten, und stellt die Rasse auf seiner Seite vor. Wer die Höhle mit einer Wanderung verbinden möchte, informiert sich auf der Seite des Nationalparks über die Touren und Programme, die sich je nach Jahreszeit ändern.

Häufige Fragen zu Baradla-Höhle bei Aggtelek

Wie lang ist die Baradla-Höhle?

Das Baradla-Domica-System ist über 30 Kilometer lang: 22.027 Meter Baradla in Ungarn und 8.127 Meter Domica in der Slowakei.

Wie warm ist es in der Höhle?

Die Temperatur liegt das ganze Jahr bei etwa 10 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 95 bis 100 Prozent.

Kann man online buchen?

Für Einzelgäste ist keine Online-Buchung möglich; Karten gibt es an der Höhlenkasse für die nächste Tour.

Welche Tour ist am besten?

Die Aggteleker Kurztour ist leicht; die Mitteltour ab dem Roten See führt am längsten durch beleuchtete Hallen bis zum 19 Meter hohen Tropfstein.

Wie alt ist der Kalkstein?

Er entstand vor 200 bis 230 Millionen Jahren in der Trias.

Woher kommt der Name?

Vermutlich vom slawischen „bradlo“ für Felsklippe.

Wie viele Tierarten leben in der Höhle?

Mehr als 500 Arten wurden nachgewiesen, darunter endemische.