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Balaton-Oberland-Nationalpark

Der Balaton-Oberland-Nationalpark (Balaton-felvidéki Nemzeti Park) wurde 1997 gegründet und umfasst 56.997 Hektar nördlich des Plattensees. Sechs Landschaftsschutzgebiete gehören dazu: Kleiner Balaton, Keszthelyer Gebirge, Tapolcaer Becken, Káli-Becken, Pécsely-Becken und die Halbinsel Tihany. Berühmt sind die Basaltvulkane, die Höhlen und die Geysirkegel von Tihany.
Steinbruchwand eines Basaltvulkans mit senkrechten, vieleckigen Basaltsäulen auf einem Hügelgipfel und weitem Panorama über einen großen See und Vulkanhügel im klaren Herbstlicht

Was gehört zum Balaton-Oberland-Nationalpark?

Ein alter Traum des ungarischen Naturschutzes wurde 1997 wahr: Die lange getrennten Schutzgebiete im Umland des Balaton-Oberlandes (Balaton-felvidék) verband man zu einem geschützten ökologischen System. Der Nationalpark ist 56.997 Hektar groß und besteht im Wesentlichen aus sechs Landschaftsschutzgebieten: dem Kleinen Balaton (Kis-Balaton), dem Keszthelyer Gebirge, dem Tapolcaer Becken, dem Káli-Becken, dem Pécsely-Becken und der Halbinsel Tihany.

Der Kleine Balaton ist zusätzlich durch die internationale Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten geschützt. Die Halbinsel Tihany erhielt 2003 als Anerkennung für ihre herausragenden geologischen Werte und die Arbeit des Naturschutzes das Europadiplom. Die Natura-2000-Gebiete, die teilweise im Nationalpark liegen und über ihn hinausreichen, sichern Lebensräume sowie Pflanzen- und Tierarten von europäischer Bedeutung. Das Gebiet liegt am Nordufer des Plattensees und bildet den ruhigeren, naturbelassenen Gegenpol zu den Badeorten am Ufer.

Teile des Nationalparks liegen im Bakony–Balaton Geopark, der Mitglied des Europäischen und des Globalen Geoparks-Netzwerks ist. Geopark ist hier nicht nur ein Gebiet, sondern auch eine Organisation: Die Nationalparkdirektion führt sie und bindet Gemeinden, Schulen, Dienstleister und Einwohner als Partner ein. Ziel ist, geologische, natürliche und kulturelle Werte zu vermitteln und ihr Bewusstsein in der Gesellschaft zu stärken.

Was macht die Geologie so besonders?

Der Nationalpark ist außergewöhnlich reich an geologischen und Oberflächenformen; dafür bietet sich der Begriff Geodiversität an, analog zur Artenvielfalt. Die vielfältige Gesteinsfolge ist an vielen Stellen an der Oberfläche zu sehen, und mehrere Besucherorte und Lehrpfade machen die Geschichte der letzten Millionen Jahre anschaulich. Zu den bekanntesten Gesteinen gehört der im Perm entstandene rote Sandstein, der im Balaton-Oberland an mehreren Stellen zutage tritt. Vom Keszthelyer Gebirge bis zum Bakony reicht eine große geologische Schatzkammer.

Die markantesten Landschaftsbilder prägen die Spuren des Basaltvulkanismus aus dem Miozän und Pliozän, etwa im Tapolcaer Becken. Auch die Entstehung der Halbinsel Tihany ist ohne die einstigen Feuerberge nicht zu denken. Wer den geologischen Besucherort Hegyestű besucht, sieht eine der eindrucksvollsten Aufschlüsse von Säulenbasalt in Ungarn und genießt eine einzigartige Aussicht. Der Berg zwischen Zánka und Monoszló ragt 337 Meter hoch auf und wirkt vom Balaton aus wie ein regelmäßiger Kegel. Der nördliche Teil wurde abgebaut; die rund 50 Meter hohe Steinbruchwand zeigt das Innere des Basaltvulkans, der vor acht Millionen Jahren aktiv war. Die zähe Lava im Krater erstarrte und zerbrach in senkrechte, vieleckige Säulen. Das Bild ist in Ungarn einmalig und selbst in Europa selten. Das heute streng geschützte Säulenwerk wurde einst von Hand abgebaut.

Vom westlichen Rand des Steinbruchhofs bietet sich dank einer Panoramatafel der schönste Blick. Man erkennt den Plattensee, im Süden den Fonyóder Hügel, im Westen Badacsony, Gulács, das Keszthelyer Gebirge, Csobánc, Fekete-hegy, Boncsos und Tátika, im Norden den Kab-hegy und im Osten die Halbinsel Tihany. Auf dem Gipfel gibt es außerdem einen Rastplatz, einen Imbiss und einen Souvenirshop. Eine kleine Ausstellung im Gebäude am Steinbruch zeigt die Natur des Parks, die Basaltberge und die Tradition der Pflastersteingewinnung von Hand. Ein Steinpark zeigt die typischen Gesteine West-Ungarns, nach Erdzeitaltern geordnet. Zu Fuß erreicht man den Ort von Zánka und von Monoszló auf markierten Wanderwegen in jeweils etwa 45 Minuten. Das westlichste Glied dieser Vulkanreihe ist der Ság-Berg, den die Seite Őrség-Nationalpark vorstellt.

Ein leeres Holzboot auf einem ruhigen türkisfarbenen unterirdischen See in einer beleuchteten Kalksteinhöhle, die gewölbte Felsdecke spiegelt sich im Wasser

Warum hat Tihany das Europadiplom?

Der Europarat stiftete das Europadiplom für geschützte Gebiete 1965. Es stellt Schutzgebiete mit herausragender geologischer, biologischer oder landschaftlicher Vielfalt unter seine Obhut und würdigt zugleich die Wirksamkeit des Naturschutzes. Anträge stellen die Regierungen; über die Vergabe entscheidet das Ministerkomitee nach Begutachtung durch Experten vor Ort. Das Diplom wird alle fünf Jahre nach erneuter Prüfung verlängert und kann auch entzogen werden. In Ungarn erhielten es 1995 das Naturschutzgebiet Szénás-Berge und die paläontologische Fundstätte Ipolytarnóc, 2003 die Vulkanformationen von Tihany.

Die Halbinsel Tihany wurde 1952 zum ersten Landschaftsschutzgebiet Ungarns erklärt und gehört seit 1997 zum Nationalpark. Neben Feuchtlebensräumen wie dem streng geschützten Äußeren See (Külső-tó) liegen trockene, heiße Lebensräume von submediterranem Charakter. Diese bergen seltene Arten, etwa den Böhmischen Gelbstern, einen auffälligen Frühblüher der Felsen, und die Landdeckelschnecke. Die internationale Anerkennung verdankt Tihany jedoch vor allem seiner besonderen geologischen Geschichte. Basaltischer Tuff, den die vor sieben Millionen Jahren aktiven Vulkane ablagerten, verwitterte zu Felsformen wie den Szélmarta-sziklák („Windgepeitschte Felsen“).

Die größte Attraktion sind die Geysirkegel, die in Europa einzigartig sind. Mineralreiche heiße Quellen schieden nach der vulkanischen Tätigkeit ihre gelösten Kalk-, Kiesel- und Dolomitanteile ab und bildeten ein Gestein, den Geysirit. Es gibt über hundert solcher Kegel in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichem Innenaufbau, die meisten im Westen der Halbinsel. Der Lóczy-Lehrpfad verbindet die interessantesten Natur- und Kulturziele der Halbinsel, darunter ein Dutzend Geysirkegel. Er ist frei begehbar, Führungen lassen sich bestellen. Im Lavendelhaus (Levendula Ház) von Tihany, dem östlichen Tor des Geoparks, zeigen ein kurzer Film und eine interaktive Ausstellung das Vulkangebiet und das jahrhundertelange Zusammenleben von Mensch und Natur samt der Lavendelkultur. Mehr zum Ort stellt die Seite Tihany vor.

Welche Höhlen kann man besuchen?

Alle Höhlen, Quellen, Moore, Erdfälle, Salzseen, Hügelgräber und Erdburgen stehen in Ungarn kraft Gesetzes unter Schutz. Im Zuständigkeitsgebiet der Direktion sind mehr als 800 Höhlen verzeichnet, doch nur 32 sind länger als 100 Meter. 18 Höhlensysteme genießen wegen ihrer geologischen, morphologischen und biologischen Werte besonderen Schutz. 22 Höhlen darf man nur mit Genehmigung, in Begleitung eines sachkundigen Führers und mit entsprechender Ausrüstung betreten. Andere Höhlen sind unabhängig von Alter und Kondition für alle offen.

Die Seehöhle von Tapolca verbirgt sich unter Straßen und Häusern der kleinen Stadt nahe dem Plattensee. In der über 100 Jahre alten, streng geschützten Höhle fährt man mit dem Boot über den beleuchteten, bläulichen unterirdischen See. Die Temperatur liegt ganzjährig bei etwa 18 °C, und eine neue Beleuchtung zeigt die Höhle in schönerem Licht. Neben der Höhle gibt es ein Besucherzentrum mit der Ausstellung „Wunderbarer Karst“ in sieben Räumen: eine Abenteuerhöhle zum Kriechen für Kinder, ein Tastspiel für Erwachsene, paläogeografische Gemälde, Film und Fotos. Der Besuch des Zentrums dauert etwa anderthalb Stunden; die Besichtigung erfolgt nicht in der Reihenfolge des Eintreffens, sondern nach gebuchtem Zeitfenster. Ein Audioguide mit QR-Code führt auf Englisch, Deutsch, Russisch, Slowakisch, Tschechisch, Polnisch und Französisch durch die Ausstellung. Die Themen reichen vom Turmkarst in Südchina über das Reich der Tropfsteine bis zu Lavahöhlen, Eishöhlen und tropischem Paläokarst.

Die Lóczy-Höhle liegt am Stadtrand von Balatonfüred. Sie wurde 1882 an der Westseite des Tamás-Hügels entdeckt und 1934 für Besucher geöffnet. In mitteltriassischen Kalksteinschichten, die durch gebirgsbildende Kräfte aus ihrer waagerechten Lage verschoben wurden, entstand sie durch das Auflösen des Kalks von aus der Tiefe aufsteigendem warmem Wasser. Davon zeugen kesselförmige Lösungsformen und gelegentlich noch sichtbare Erbsensteine. In der Höhle herrschen etwa 12 °C; die Führung dauert rund 25 Minuten, höchstens 25 Personen gehen gleichzeitig hinein. Sie ist in Alltagskleidung begehbar. Vom Bahnhof Balatonfüred erreicht man sie vom Zentrum aus in fünf Minuten mit dem Auto oder in rund 30 Minuten zu Fuß auf dem grünen Strich, vom Jókai-Aussichtsturm aus zu Fuß auf dem grünen Dreieck. Das Besucherzentrum der Lóczy-Höhle wurde als „Balatoni Ház des Jahres 2021“ mit einem Sonderpreis des Balaton-Verbands ausgezeichnet.

Bei Balatonederics, im Wald des Nationalparks, liegt die streng geschützte Csodabogyós-Höhle, deren Gänge zusammen sechs Kilometer erreichen. Einige Teile sind für Besucher geöffnet: Man steigt rund 40 Minuten zu Fuß zum Eingang auf, Höhlenanzug, Helm und Stirnlampe werden gestellt. Die Höhle von Szentgál (Kolik-Höhle) im Süd-Bakony zeigt Besuchern ab zehn Jahren in Führungen die Entstehung der streng geschützten Höhle und Überreste aus Millionen von Jahren; man blickt auch in das Leben der Vorfahren, die hier vor 4.000 Jahren lebten. Vom Dorfzentrum geht man etwa 20 Minuten. Wer die Höhlen anderer Landesteile vergleichen möchte, findet auf der Seite Baradla-Höhle das größte Tropfsteinsystem des Landes.

Welche Feuchtgebiete gehören dazu?

Der Kleine Balaton (Kis-Balaton) ist ein Feuchtgebiet am Westende des Plattensees und als Ramsar-Gebiet international geschützt. Der Nationalpark unterhält dort mehrere Anlaufpunkte: den Wasserbüffelpark in Kápolnapuszta, den Lehrpfad „Haubentaucher“ bei Balatonmagyaród, der das ganze Jahr kostenlos zugänglich ist und dessen Tafeln auf Ungarisch und Deutsch informieren, das Schiefe Haus in Vörs und die Matula-Hütte mit der István-Fekete-Gedenkstätte, wo der Reiher-Lehrpfad Gruppen mit Führung offensteht.

Im Komitat Somogy liegt der Nagyberek, einer der am wenigsten bekannten Teile Ungarns. Von der märchenhaften Wasserwelt, die der beliebte Roman „Tüskevár“ von István Fekete schildert, ist nur ein Rest geblieben, der aber in verwandelter Gestalt weiter fasziniert und an einigen Stellen seine ursprüngliche Form bewahrt. An den tiefsten Stellen ist das Gebiet ganzjährig überflutet; dort wachsen Weiße Seerose, Gelbe Teichrose, Froschbiss und Wasserfeder, die Wasserwege säumt Schilf. Wertvoll ist das Gebiet als Lebensraum für Wasservögel, etwa Silberreiher, Seidenreiher, Nachtreiher, Rohrdommel und Zugvögel. Die Fehérvíz-Moore im Nagyberek stehen seit 1977 unter Schutz. Man erkundet das Gebiet mit Fahrrad, im Kanu oder in Gummistiefeln.

Reihen blühenden Lavendels auf einem sanften Hügel einer Seehalbinsel, dahinter ein ruhiger großer See und dunstige Hügel im warmen Abendlicht

Was gibt es sonst im Park?

Das Haus der Wälder in Bakonybél ist im Getreidespeicher der Benediktinerabtei aus dem 18. Jahrhundert eingerichtet. Die forst- und naturkundliche Ausstellung zeigt die Werte des Landschaftsschutzgebiets Hoch-Bakony, die Vielfalt der Gesteine, Flora und Fauna der Wälder, die Arbeit von Jägern, Förstern und Forstingenieuren und die traditionellen Holzberufe von Bakonybél. In Salföld liegt im Herzen des Nationalparks, an der Grenze zwischen Káli-Becken und Badacsony-Gebiet, ein Gutshof, den die Nationalparkdirektion am Ortsrand einrichtete; er dient als weiterer Ausstellungsort im Káli-Becken. Von Hegyestű aus lässt sich das Káli-Becken zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Für Gruppen kann man Führungen zum Natur- und Kulturerbe des Beckens vereinbaren.

Am Westende des Sees, unterhalb des Keszthelyer Gebirges, liegt die Stadt Keszthely, die die Seite Keszthely vorstellt.

Häufige Fragen zu Balaton-Oberland-Nationalpark