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Sprache

Ungarisch zählt zu den finno-ugrischen Sprachen und ist damit eine der wenigen nicht-indogermanischen Sprachen Mitteleuropas – nur entfernt verwandt mit Finnisch und Estnisch, nicht mit Deutsch. Wer ein paar Wörter lernt, gewinnt im Urlaub schnell die Sympathie der Gastgeber.

Kaum eine Sprache wirkt auf Mitteleuropäer so fremd wie das Ungarische. Endlos lange Wörter, ungewohnte Laute, kein einziger vertrauter Wortstamm – und doch lohnt es sich, einen Blick auf diese außergewöhnliche Sprache zu werfen. Sie ist ein wichtiger Teil der ungarischen Identität und eng mit der Kultur und Geschichte des Landes verknüpft. Für Reisende ist das eine gute Nachricht: Schon wenige Worte öffnen Türen, und Sie müssen die Grammatik nicht beherrschen, um Eindruck zu machen.

Woher stammt die ungarische Sprache?

Ungarisch (Eigenbezeichnung magyar nyelv) gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie, einem Zweig der uralischen Sprachen. Seine nächsten Verwandten sind nicht etwa Deutsch oder die slawischen Nachbarsprachen, sondern Finnisch und Estnisch – allerdings nur sehr entfernt. Der ugrische Zweig, zu dem Ungarisch gehört, hat sich schon vor rund 3.000 Jahren vom finnischen abgespalten. Im heutigen Wortschatz finden sich deshalb nur noch schwache Spuren dieser Verwandtschaft; gesichert ist sie vor allem durch Aufbau und Grammatik der Sprache. Damit ist Ungarisch eine der wenigen nicht-indogermanischen Sprachen Mitteleuropas – ein sprachlicher Außenseiter inmitten germanischer und slawischer Nachbarn.

Die Vorfahren der heutigen Ungarn brachten ihre Sprache aus dem Gebiet östlich des Uralgebirges mit, von wo sie im Lauf des ersten Jahrtausends nach Westen zogen, bevor sie sich um das Jahr 895 im Karpatenbecken niederließen. Auf diesem langen Weg übernahm das Ungarische Wörter aus dem Türkischen, später aus dem Slawischen, dem Lateinischen und dem Deutschen – doch der grammatische Kern blieb durchweg uralisch. Wie eng Sprache und Volksgeschichte zusammenhängen, lässt sich gut im Überblick zu Land & Leute nachvollziehen.

Mit welchen Sprachen ist Ungarisch verwandt?

Verwandt ist Ungarisch in erster Linie mit Finnisch und Estnisch, und auch das nur entfernt. Anders als zwischen Deutsch und Niederländisch oder zwischen Spanisch und Italienisch ist die Nähe so gering, dass sich Ungarn und Finnen kein Wort verstehen. Die Verwandtschaft zeigt sich nicht im Klang oder im Wortschatz des Alltags, sondern in der Tiefenstruktur: im agglutinierenden Bau, in der Vokalharmonie und in einigen sehr alten Grundwörtern für Zahlen, Körperteile oder Verwandtschaftsbeziehungen. Sprachwissenschaftler ordnen daneben kleinere Völker im Norden Russlands und in Westsibirien derselben Familie zu, etwa die Chanten und Mansen, deren Sprachen dem ugrischen Zweig am nächsten stehen.

Wichtig für das Verständnis: Mit dem Deutschen, dem Englischen oder den slawischen Sprachen der Nachbarländer ist Ungarisch nicht verwandt. Gemeinsamkeiten beschränken sich auf Lehnwörter, die im Lauf der Jahrhunderte – besonders während der Habsburger Zeit – aus dem Deutschen ins Ungarische gewandert sind. Mit insgesamt rund 13 Millionen Sprechern ist Ungarisch dabei keineswegs eine kleine Sprache: Etwa zehn Millionen leben im heutigen Ungarn, weitere Millionen in den Nachbarländern – vor allem in Rumänien (Siebenbürgen), in der Slowakei, in Serbien (Vojvodina) und in der Ukraine – sowie in einer weltweit verstreuten Diaspora von Nordamerika bis Australien.

Was macht Ungarisch so besonders?

Drei Eigenheiten fallen sofort auf. Erstens ist Ungarisch eine agglutinierende Sprache: Grammatische Informationen wie Fall, Zeit oder Besitz werden durch das Anhängen von Endungen an den Wortstamm ausgedrückt. So entstehen die berüchtigten langen Wörter, in denen ein deutscher Satz aus mehreren Wörtern zu einem einzigen ungarischen verschmilzt. Zweitens kennt das Ungarische ein außergewöhnlich umfangreiches Fallsystem – je nach Zählweise rund 18 Fälle, wo das Deutsche mit vieren auskommt; sie ersetzen oft das, was wir mit Präpositionen wie „in“, „auf“ oder „zu“ ausdrücken. Statt „in dem Haus“ hängt man die Endung einfach an: ház wird zu házban. Drittens gilt das Prinzip der Vokalharmonie: Innerhalb eines Wortes passen sich die Vokale aneinander an, es gibt „helle“ und „dunkle“ Vokale, die nicht beliebig gemischt werden – die Endungen verändern sich entsprechend, damit das Wort harmonisch klingt.

Hinzu kommen weitere Besonderheiten, die deutschen Ohren ungewohnt erscheinen. Ungarisch kennt kein grammatisches Geschlecht – es gibt nicht einmal getrennte Wörter für „er“ und „sie“; das Pronomen ő steht für beide. Auch einen bestimmten und einen unbestimmten Artikel gibt es zwar (a/az und egy), doch werden sie anders gehandhabt als im Deutschen. Und die Betonung liegt grundsätzlich auf der ersten Silbe – ausnahmslos, egal wie lang ein Wort ist. Das macht das Sprachgefühl gleichmäßig und, einmal verstanden, sogar berechenbar.

Wie funktioniert das ungarische Alphabet?

Wundern Sie sich nicht über die vielen Sonderzeichen im Schriftbild. Das ungarische Alphabet verwendet die lateinische Schrift, kennt aber zahlreiche Buchstaben mit Akzenten – etwa á, é, í, ó, ö, ő, ú, ü und ű. Diese Striche und Doppelpunkte sind keine Verzierung, sondern verändern die Aussprache und manchmal die ganze Bedeutung eines Wortes: Der lange Akzent über á oder é zeigt an, dass der Vokal gedehnt wird, und die seltenen Doppelstriche über ő und ű kennzeichnen lange Varianten von ö und ü. Ein deutsches „ä“ gibt es im Ungarischen übrigens nicht.

Dazu kommen Doppelbuchstaben – sogenannte Digraphen – wie „cs“, „sz“, „zs“, „gy“, „ny“ und „ly“, die jeweils für einen einzigen Laut stehen. „Sz“ klingt wie ein scharfes deutsches „s“, „cs“ wie „tsch“, „zs“ wie das weiche „j“ in „Journal“, „gy“ etwa wie ein erweichtes „dj“ und „s“ allein wie „sch“. Wer sich diese wenigen Regeln einprägt, liest Ortsnamen wie Székesfehérvár oder Hévíz gleich viel sicherer – und versteht, warum „Budapest“ auf Ungarisch ganz anders klingt, als es ein deutscher Leser zunächst vermutet.

Was geschah bei der Sprachreform im 19. Jahrhundert?

Das moderne Ungarisch verdankt seine Gestalt einer bewussten Erneuerung. Um 1800 galt Latein noch als Amts- und Gelehrtensprache, während dem Ungarischen Tausende von Begriffen für Wissenschaft, Technik und das öffentliche Leben fehlten. Hier setzte die Spracherneuerung (nyelvújítás) ein, deren bekanntester Vordenker der Dichter und Gelehrte Ferenc Kazinczy war. Er und seine Mitstreiter prägten gezielt neue Wörter aus alten ungarischen Wurzeln, belebten vergessene Begriffe wieder und schufen so einen modernen, schriftfähigen Wortschatz. Viele Wörter, die heute völlig selbstverständlich klingen, sind tatsächlich künstliche Schöpfungen jener Jahrzehnte.

Diese Reform war weit mehr als ein sprachliches Projekt: Sie fiel in die Zeit des nationalen Erwachens und machte das Ungarische überhaupt erst zur Trägerin einer großen Nationalliteratur. Ohne sie wären die Werke der späteren Dichtergenerationen kaum denkbar gewesen. Wer sich für diese Verbindung von Sprache und Schrifttum interessiert, findet auf der Seite zur ungarischen Literatur tiefere Einblicke, und einige der prägenden Köpfe stellt die Übersicht zu berühmten Persönlichkeiten vor.

Gibt es ungarische Dialekte und andere Sprachen?

Ja. Im ungarischen Sprachraum unterscheidet man mehrere Dialektregionen, die sich vor allem in der Aussprache unterscheiden – die Standardsprache verstehen jedoch alle. Über die Jahrhunderte hat besonders das Deutsche durch die Habsburger Herrschaft viele Lehnwörter beigesteuert. Daneben werden in Ungarn die Sprachen anerkannter Minderheiten gepflegt, darunter Romani, Deutsch, Kroatisch, Rumänisch und Slowakisch. Mehr über die Zusammensetzung des Landes erfahren Sie auf der Seite zur Bevölkerung.

Warum gilt Ungarisch als schwierig?

Für Deutschsprachige zählt Ungarisch zu den anspruchsvollsten Sprachen überhaupt – und das aus mehreren Gründen. Der wichtigste: Es fehlt jeder vertraute Ankerpunkt. Wer Spanisch oder Englisch lernt, kann auf bekannte Wortstämme zurückgreifen; im Ungarischen erkennt man so gut wie kein Wort wieder. Dazu kommt das umfangreiche Fallsystem, das den Bau der Sätze grundlegend anders organisiert, als wir es gewohnt sind. Statt Präpositionen vor dem Wort tragen die Endungen die Bedeutung, und durch die Vokalharmonie nimmt ein und dieselbe Endung je nach Wort eine andere Form an.

Hinzu kommen die langen, zusammengesetzten Wortformen, in denen sich Stamm und mehrere Suffixe stapeln, sowie eine Aussprache mit Lauten, die es im Deutschen nicht gibt. All das macht den Einstieg steil. Die gute Nachricht: Vieles im Ungarischen ist zugleich sehr regelmäßig. Es gibt kaum Ausnahmen, die Betonung liegt immer auf der ersten Silbe, und die Schrift wird weitgehend so gelesen, wie sie geschrieben steht. Wer also den ersten Berg erklimmt, findet danach festen Boden – und für die Reise genügen ohnehin ein paar Höflichkeitsformeln, wie sie weiter unten und in den Reiseinformationen zusammengefasst sind.

Welche Wörter helfen im Urlaub?

Mit einer Handvoll Höflichkeitsfloskeln kommen Sie überraschend weit – Ungarinnen und Ungarn freuen sich sichtbar, wenn Gäste es versuchen. Hier ein kleines Reise-Vokabular (Aussprache vereinfacht in Klammern):

  • Hallo (vertraut): Szia (ßi-a)
  • Guten Tag: Jó napot (joh na-pot)
  • Bitte (etwas erbitten): Kérek (keh-rek)
  • Bitte (höflich): Kérem (keh-rem)
  • Danke: Köszönöm (kö-ßö-nöm)
  • Ja / Nein: Igen (i-gen) / Nem (nem)
  • Entschuldigung: Bocsánat (bo-tschah-nat)
  • Prost / Zum Wohl: Egészségére (e-gehß-schehg-ehre)
  • Auf Wiedersehen: Viszontlátásra (wi-ßont-lah-tahsch-ra)
Tipp – Sprechen Sie Wörter ruhig langsam und betonen Sie immer die erste Silbe – im Ungarischen liegt die Betonung grundsätzlich auf dem Wortanfang. Das macht selbst lange Wörter berechenbar. Und keine Sorge vor der Aussprache: Schon ein freundliches Köszönöm wird fast überall mit einem Lächeln beantwortet.

Wie zählt man auf Ungarisch?

Die Grundzahlen tauchen ständig auf – beim Einkaufen, an der Kasse oder im Restaurant:

  • 1 egy · 2 kettő · 3 három · 4 négy · 5 öt
  • 6 hat · 7 hét · 8 nyolc · 9 kilenc · 10 tíz

Auch Speisekarten lesen sich mit ein paar Vokabeln leichter – passend dazu lohnt die Seite zu Essen & Trinken, wo Sie Gerichte wie Gulyás oder Pörkölt direkt im Original wiederfinden.

Wundern Sie sich also nicht, wenn ein einziges ungarisches Wort einen ganzen deutschen Halbsatz ersetzt: Genau das ist das Wesen einer agglutinierenden Sprache. Was zunächst abschreckt, folgt in Wahrheit klaren Mustern – und gerade diese Logik macht das Ungarische für Sprachinteressierte so reizvoll.

Brauche ich für die Reise Ungarischkenntnisse?

Zum Reisen reichen Englisch und gute Vorbereitung. In Budapest, in Hotels und touristischen Regionen kommen Sie mit Englisch, oft auch mit Deutsch gut zurecht – besonders rund um den Plattensee ist Deutsch traditionell weit verbreitet. Auf dem Land und bei älteren Menschen ist es dünner gesät; hier sind die wenigen ungarischen Wörter Gold wert. Eine Übersetzungs-App auf dem Handy hilft im Notfall zuverlässig weiter. Schon ein freundliches „Köszönöm“ zum Abschied öffnet aber oft mehr Türen als jede App: Es signalisiert Respekt vor einer Sprache, auf die das Land zu Recht stolz ist, und wird fast immer mit einem Lächeln beantwortet. Niemand erwartet, dass Sie fließend sprechen – allein der Versuch zählt und wird als große Höflichkeit verstanden.

Wer tiefer in die Sprache und das Wesen des Landes eintauchen möchte, findet im Überblick zu Land & Leute weitere Themen rund um Menschen, Mentalität und Alltag.

Häufige Fragen zur ungarischen Sprache

Ist Ungarisch mit dem Deutschen verwandt?

Nein. Deutsch ist eine indogermanische Sprache, Ungarisch gehört zur finno-ugrischen Familie. Die beiden sind nicht miteinander verwandt – einzelne deutsche Lehnwörter im Ungarischen stammen aus der gemeinsamen Geschichte, nicht aus einer Sprachverwandtschaft.

Welche Sprachen sind mit Ungarisch verwandt?

Am engsten Finnisch und Estnisch, allerdings nur sehr entfernt. Die Trennung liegt rund 3.000 Jahre zurück, sodass sich Ungarn und Finnen heute keineswegs verstehen – die Verwandtschaft zeigt sich vor allem im grammatischen Aufbau und in wenigen sehr alten Grundwörtern.

Wie viele Menschen sprechen Ungarisch?

Rund 13 Millionen Menschen, davon etwa zehn Millionen in Ungarn selbst. Weitere Sprecher leben in den Nachbarländern – vor allem in Rumänien, der Slowakei, Serbien und der Ukraine – sowie in einer weltweiten Diaspora.

Komme ich in Ungarn mit Englisch oder Deutsch zurecht?

In Budapest und touristischen Regionen meist gut. Englisch ist verbreitet, in vielen Hotels und am Plattensee wird auch Deutsch gesprochen. Auf dem Land helfen ein paar ungarische Höflichkeitswörter und eine Übersetzungs-App.