Wer ein Land verstehen will, schaut auf seine Menschen. Ungarn ist mit knapp zehn Millionen Einwohnern ein mittelgroßer EU-Staat – seit dem Beitritt 2004 fest in Europa verankert, kulturell aber mit einem ganz eigenen Profil. Die Bevölkerung hat das Land über die Jahrhunderte geprägt; mehr zu ihrer langen Vorgeschichte lesen Sie unter Geschichte.
Wie viele Menschen leben in Ungarn?
Ungarn hat rund 9,6 Millionen Einwohner (Schätzung der jüngeren Jahre) auf einer Fläche von etwa 93.000 Quadratkilometern. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von rund 105 Menschen pro Quadratkilometer – etwa halb so dicht besiedelt wie Deutschland. Das Land gliedert sich verwaltungstechnisch in Komitate und mehrere große Landesteile, von der Donau-Tiefebene im Osten bis zum Transdanubien westlich des Plattensees. Damit zählt Ungarn zu den mittelgroßen Staaten der Europäischen Union – flächenmäßig etwa so groß wie Portugal, bei den Einwohnern vergleichbar mit Österreich und der Schweiz zusammen. Die Bevölkerung verteilt sich allerdings sehr ungleich: Während sich rund um Budapest ein dicht besiedelter Ballungsraum erstreckt, sind die weiten Ebenen der Großen Tiefebene und einzelne Grenzregionen nur dünn bevölkert.
Wie entwickelt sich die Bevölkerung?
Die kurze Antwort: Sie schrumpft langsam. Wie in vielen mitteleuropäischen Ländern liegt die Geburtenrate seit Langem unter dem Wert, der die Bevölkerung stabil halten würde. Hinzu kommt zeitweise Abwanderung ins Ausland. Deshalb ist die Einwohnerzahl seit den 1980er-Jahren rückläufig – von einst über zehn Millionen auf heute knapp darunter. Die Altersstruktur verschiebt sich entsprechend nach oben; der Anteil älterer Menschen wächst. Familienpolitik und Zuwanderung sollen den Trend bremsen, eine Trendwende ist aber bislang nicht in Sicht. Konkret ist die Einwohnerzahl von einem Höchststand von gut 10,7 Millionen Anfang der 1980er-Jahre auf heute knapp unter 9,6 bis 9,7 Millionen gesunken. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl in den kommenden Jahrzehnten weiter leicht abnimmt. Die ungarische Familienpolitik setzt deshalb auf Anreize wie Steuervergünstigungen und Förderungen für Familien mit mehreren Kindern, um die Geburtenrate zu stützen – mit gemischten Ergebnissen.
Bemerkenswert ist außerdem die große Zahl der Auslandsungarn. Durch die Grenzverschiebungen nach dem Ersten Weltkrieg leben bis heute mehrere Millionen Menschen ungarischer Muttersprache in den Nachbarländern – vor allem in Rumänien (Siebenbürgen), der Slowakei, Serbien (Vojvodina) und der Ukraine. Rechnet man sie hinzu, ist die ungarischsprachige Welt deutlich größer als die Einwohnerzahl des Landes selbst. Diese grenzüberschreitende Verbundenheit prägt das Selbstverständnis vieler Ungarn und ist ein wiederkehrendes Thema in Politik und Kultur.
Welche Minderheiten gibt es?
Die große Mehrheit der Bevölkerung sind ethnische Ungarn (Magyaren). Die mit Abstand größte Minderheit bilden die Roma; ihr tatsächlicher Anteil liegt nach Schätzungen deutlich höher als die offizielle Zählung, weil sich viele bei Befragungen nicht als solche ausweisen. Weitere anerkannte Minderheiten sind unter anderem Deutsche (die sogenannten Donauschwaben), Slowaken, Rumänen, Kroaten und Serben. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den anerkannten Minderheitensprachen wider, über die Sie auf der Seite zur Sprache mehr erfahren.
In Zahlen ausgedrückt: Rund vier von fünf Einwohnern bekennen sich bei Volkszählungen ausdrücklich zur ungarischen Volkszugehörigkeit, wobei die Frage nach der Ethnie freiwillig beantwortet wird und viele keine Angabe machen. Die Roma werden offiziell mit etwa drei Prozent ausgewiesen; Fachleute schätzen ihren realen Anteil auf vier bis sechs Prozent, was mehreren Hunderttausend Menschen entspricht. Die deutschstämmige Minderheit der Donauschwaben bildet die zweitgrößte Gruppe und ist in einzelnen Regionen Südwest- und Mittelungarns bis heute präsent, etwa rund um die Stadt Pécs. Ungarn gewährt seinen anerkannten Nationalitäten besondere Rechte, darunter eigene Selbstverwaltungen und muttersprachlichen Unterricht.
Wie städtisch lebt Ungarn?
Gut zwei Drittel der Bevölkerung – rund 73 Prozent – leben in Städten. Das mit Abstand größte Zentrum ist die Hauptstadt Budapest mit etwa 1,7 Millionen Einwohnern; im Großraum sind es deutlich mehr. Damit konzentriert sich ein erheblicher Teil von Wirtschaft, Kultur und Verwaltung in der Metropole. Weitere bedeutende Städte sind Debrecen im Osten, Szeged im Süden, Miskolc, Pécs und Győr im Westen. Diese sogenannten Großstädte mit jeweils mehr als 100.000 Einwohnern bilden regionale Zentren mit Universitäten, Industrie und Kulturleben. Außerhalb der Ballungsräume prägen weite Ebenen, Weinregionen und ländliche Gemeinden das Bild. Auffällig ist das Gefälle zwischen der prosperierenden Hauptstadtregion und dem wirtschaftlich schwächeren Osten und Süden – ein Grund für die anhaltende Binnenwanderung Richtung Budapest und Westungarn, wo viele Arbeitsplätze entstehen.
Die Religion spielt für das Bild der Bevölkerung ebenfalls eine Rolle. Historisch ist Ungarn überwiegend christlich geprägt, mit einer römisch-katholischen Mehrheit und einer bedeutenden protestantischen (vor allem reformierten) Minderheit, die besonders im Osten des Landes stark vertreten ist. Wie in weiten Teilen Europas ist die aktive Religiosität in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, doch kirchliche Feste und Traditionen bleiben fest im Jahreslauf verankert – mehr dazu lesen Sie unter Traditionen.
Wie ticken die Ungarinnen und Ungarn?
Reisende erleben die Menschen oft als gastfreundlich, stolz auf ihre Kultur und ihre besondere Sprache – und als große Genießer guter Küche und ihrer berühmten Thermalbäder. Familie, Feste und Traditionen haben einen hohen Stellenwert. Wie sich das im Alltag zeigt, lesen Sie unter Traditionen, und welche Persönlichkeiten das Land hervorgebracht hat, zeigt die Seite zu den berühmten Persönlichkeiten. Zugleich ist Ungarn ein Land der Kontraste: Auf das pulsierende, weltoffene Budapest folgt schon wenige Kilometer weiter die Ruhe der Puszta, der weiten Tiefebene mit ihren Pferdehöfen und kleinen Dörfern. Genau dieser Wechsel zwischen Metropole und Land macht den Reiz einer Reise aus und erklärt, warum die Menschen je nach Region recht unterschiedlich leben.
Für Urlauberinnen und Urlauber zahlt sich diese Mischung aus: In den Städten trifft man auf eine junge, gut ausgebildete und englischsprachige Generation, auf dem Land auf herzliche Gastgeber, die Traditionen bewahren. Wer sich auf beide Welten einlässt, lernt ein Volk kennen, das seine wechselvolle Geschichte mit bemerkenswerter Gelassenheit und einer großen Liebe zum Leben trägt. Charakteristisch ist eine gewisse melancholische Grundstimmung, die sich in Musik und Literatur niederschlägt und zugleich von Lebensfreude, Gastfreundschaft und einem feinen Humor begleitet wird. Wer eingeladen wird, erlebt ungarische Gastlichkeit oft als großzügig und herzlich – ein Glas Pálinka oder Wein und eine reich gedeckte Tafel gehören selbstverständlich dazu.
Wie viele Ungarn leben außerhalb des Landes?
Ein Blick über die Grenzen erklärt viel vom ungarischen Selbstverständnis. Nach dem Vertrag von Trianon 1920 verlor das Königreich Ungarn rund zwei Drittel seines Staatsgebiets, und mit den abgetretenen Regionen geriet ein großer Teil der ungarischsprachigen Bevölkerung über Nacht in die neuen Nachbarstaaten. Bis heute leben mehrere Millionen Menschen ungarischer Muttersprache jenseits der heutigen Grenzen – die größte Gruppe im rumänischen Siebenbürgen, dazu bedeutende Gemeinschaften in der Südslowakei, in der serbischen Vojvodina und in der westukrainischen Karpatenukraine. Hinzu kommt eine weltweite Diaspora, etwa in den USA, in Westeuropa, Kanada und Australien, die häufig auf Auswanderungswellen des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Diese grenzüberschreitende Verbundenheit ist tief im kulturellen Gedächtnis verankert und ein wiederkehrendes Thema der ungarischen Politik. Ungarn bietet Angehörigen dieser Gemeinschaften seit einigen Jahren erleichterte Wege zur Staatsbürgerschaft, was die Bindung an das Mutterland weiter stärkt.
Welche Sprache spricht die Bevölkerung?
Nahezu die gesamte Bevölkerung spricht Ungarisch (Magyar) als Muttersprache. Die Sprache gehört zur finno-ugrischen Familie und ist mit dem Finnischen und Estnischen entfernt verwandt, nicht aber mit den umgebenden indogermanischen Sprachen wie dem Deutschen, Slawischen oder Rumänischen. Diese sprachliche Eigenständigkeit ist ein zentraler Bestandteil der ungarischen Identität. Als Fremdsprachen sind Englisch und Deutsch am weitesten verbreitet, wobei jüngere Generationen verstärkt Englisch lernen, während Deutsch traditionell im Westen des Landes und in der Bäderlandschaft eine Rolle spielt. Mehr über Herkunft und Besonderheiten erfahren Sie auf der Seite zur Sprache in Ungarn.
Einen Gesamtblick auf Mentalität, Sprache und Alltag bietet der Überblick zu Land & Leute.
Häufige Fragen zur Bevölkerung Ungarns
Wie viele Einwohner hat Ungarn?
Rund 9,6 Millionen Menschen auf etwa 93.000 Quadratkilometern. Die genaue Zahl wird laufend fortgeschrieben und liegt seit Jahren knapp unter zehn Millionen, mit leicht sinkender Tendenz.
Welche ist die größte Minderheit in Ungarn?
Die Roma. Ihr tatsächlicher Anteil liegt nach Schätzungen über der offiziellen Zählung. Weitere anerkannte Minderheiten sind unter anderem Deutsche, Slowaken, Rumänen, Kroaten und Serben.
Wie viele Menschen leben in Budapest?
In der Stadt selbst etwa 1,7 Millionen, im Großraum deutlich mehr. Damit lebt ein erheblicher Teil der gut 73 Prozent städtischen Bevölkerung in und um die Hauptstadt.
Warum leben so viele Ungarn in den Nachbarländern?
Nach dem Vertrag von Trianon 1920 verlor Ungarn rund zwei Drittel seines Staatsgebiets. Dadurch geriet ein großer Teil der ungarischsprachigen Bevölkerung in die neuen Nachbarstaaten – vor allem nach Rumänien, in die Slowakei, nach Serbien und in die Ukraine. Bis heute leben dort mehrere Millionen Menschen ungarischer Muttersprache.