Nach der Renaissance-Blüte unter Matthias Corvinus stürzte Ungarn in seine schwerste Krise. Drei Jahrhunderte zwischen osmanischer Eroberung, habsburgischer Herrschaft und nationalem Erwachen formten das moderne Ungarn. Wie die glanzvolle Zeit davor aussah, schildert die Seite zum 12. bis 15. Jahrhundert; einen Überblick über alle Epochen finden Sie im Geschichte-Hub. Die frühe Staatswerdung des Landes schildert die Seite zur Vorzeit bis zum 11. Jahrhundert.
Warum war die Schlacht bei Mohács so verhängnisvoll?
Am 29. August 1526 schlug das osmanische Heer unter Sultan Süleyman I. die zahlenmäßig weit unterlegene ungarische Armee bei Mohács in Südungarn vernichtend. König Ludwig II. (Lajos II.), erst zwanzig Jahre alt, ertrank auf der Flucht in einem angeschwollenen Bach. Mit ihm endete die Königsmacht des mittelalterlichen Ungarn. Die Schlacht von Mohács gilt bis heute als das große nationale Trauma – die ungarische Redewendung „mehr ging bei Mohács verloren“ steht sprichwörtlich für eine Katastrophe. Der Tod des Königs ohne Erben löste einen Machtkampf um die Krone aus: Sowohl der Habsburger Ferdinand I. als auch der siebenbürgische Woiwode Johann Zápolya beanspruchten den Thron, sodass das ohnehin geschwächte Reich von innen zerfiel. Hinzu kam, dass die ungarischen Magnaten und der Adel zerstritten waren und keine geschlossene Verteidigung gegen die osmanische Übermacht zustande brachten. Die Niederlage besiegelte damit nicht nur eine verlorene Schlacht, sondern das Ende der staatlichen Einheit für rund 150 Jahre.
Wie kam es zur Dreiteilung Ungarns?
Nach Mohács zerfiel das Königreich bis 1541 in drei Teile. Den entscheidenden Einschnitt brachte die Einnahme Budas durch die Osmanen im Jahr 1541: Der zentrale Landesteil mit der Hauptstadt wurde osmanisches Verwaltungsgebiet und blieb es rund 150 Jahre. Buda wurde Sitz eines Paschas, viele Kirchen wurden zu Moscheen umgewandelt, und das Gebiet zerfiel in osmanische Verwaltungsbezirke, die sogenannten Sandschaks. Der westliche und nördliche Streifen – das „Königliche Ungarn“ – fiel an die Habsburger unter Ferdinand I.; seine Hauptstadt wurde Pressburg (das heutige Bratislava), wo fortan die ungarischen Könige gekrönt wurden und der Reichstag tagte. Der Osten, Siebenbürgen mit angrenzenden Gebieten, bestand als weitgehend selbstständiges Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit fort und entwickelte sich zu einem Hort ungarischer Eigenstaatlichkeit und religiöser Toleranz. Diese Dreiteilung prägte das Land für anderthalb Jahrhunderte und machte Ungarn zum dauerhaften Schlachtfeld zwischen Habsburgern und Osmanen.
Welche Bedeutung hatten Eger und Szigetvár in den Türkenkriegen?
Die Grenze zwischen königlichem und osmanischem Ungarn war über Generationen eine Kriegszone aus Festungen, Streifzügen und Belagerungen. Zwei Ereignisse wurden zu Symbolen des ungarischen Widerstands. 1552 belagerte ein zahlenmäßig weit überlegenes osmanisches Heer die Burg von Eger in Nordungarn. Die rund 2.000 Verteidiger unter dem Burghauptmann István Dobó hielten der Belagerung über fünf Wochen stand und schlugen die Angreifer schließlich zurück – ein seltener Sieg, der zum nationalen Mythos wurde und im Roman „Sterne von Eger“ von Géza Gárdonyi verewigt ist. Anders endete 1566 die Belagerung von Szigetvár: Der Verteidiger Miklós Zrínyi und seine Männer leisteten verzweifelten Widerstand und fielen fast vollständig, als die Festung nach wochenlangem Kampf einnehmbar wurde. Sultan Süleyman I. starb während der Belagerung in seinem Feldlager. Obwohl Szigetvár fiel, band der Widerstand die osmanischen Kräfte und ging als heroischer Opfergang in die ungarische Erinnerung ein. Solche Belagerungen prägten das 16. und 17. Jahrhundert: Das Leben in der Grenzregion war von ständiger Unsicherheit, Verwüstung und Bevölkerungsverlust gekennzeichnet.
Wie wurde Buda 1686 zurückerobert?
Die Wende kam mit dem Scheitern der zweiten osmanischen Belagerung Wiens 1683. Im anschließenden Großen Türkenkrieg drängte ein Bündnis christlicher Mächte, die Heilige Liga, die Osmanen aus Mitteleuropa zurück. Den symbolischen Höhepunkt bildete die Rückeroberung Budas: Nach rund zweieinhalbmonatiger Belagerung nahmen die Truppen der Heiligen Liga am 2. September 1686 die Stadt und den Burgberg ein und beendeten damit rund 145 Jahre osmanischer Herrschaft über die alte Hauptstadt. In den folgenden Jahren wurde fast das gesamte historische Ungarn befreit. Im Frieden von Karlowitz 1699 trat das Osmanische Reich seine Ansprüche auf den weitaus größten Teil Ungarns ab; das Land fiel damit endgültig an die Habsburger. Die Befreiung hatte jedoch ihren Preis: Weite Landstriche waren entvölkert, Städte zerstört, und die neue Macht in Wien betrachtete Ungarn als erobertes Gebiet, das es enger an die Monarchie zu binden galt.
Wie lebte Ungarn unter den Habsburgern?
Die Befreiung von den Osmanen brachte keine Freiheit, sondern eine neue Abhängigkeit. Ungarn wurde fester Teil der Habsburgermonarchie, von Wien aus regiert. Das Verhältnis war von Anfang an gespannt: Der Kuruzenkrieg unter Fürst Franz II. Rákóczi (1703–1711) war der größte Aufstand dieser Zeit. Rákóczi führte einen jahrelangen Freiheitskampf gegen die habsburgische Herrschaft, der weite Teile des Landes erfasste, am Ende jedoch militärisch scheiterte; der Friede von Szatmár 1711 sicherte den Ungarn immerhin gewisse ständische Rechte zu. Im 18. Jahrhundert folgte eine lange Phase des Wiederaufbaus – verödete Landstriche wurden mit deutschen, serbischen, slowakischen und rumänischen Siedlern neu bevölkert. Die als „Donauschwaben“ bekannten deutschen Siedler prägten ganze Regionen, und ihre Nachfahren leben teils bis heute in Ungarn. Unter Kaiserin Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. setzten weitreichende Reformen ein: Joseph II. erließ ein Toleranzpatent für die nichtkatholischen Konfessionen und hob die Leibeigenschaft auf, versuchte jedoch zugleich, Deutsch als alleinige Amtssprache durchzusetzen. Diese zentralistische Politik und die Frage der ungarischen Sprache und Selbstverwaltung blieben Dauerkonflikte, die das ganze Jahrhundert bestimmten.
Was war die ungarische Reformzeit?
Im frühen 19. Jahrhundert erwachte mit der sogenannten Reformzeit ein neues Nationalbewusstsein. Eine Generation aufgeklärter Adliger und Bürger forderte wirtschaftliche Modernisierung, die Stärkung der ungarischen Sprache und politische Mitbestimmung. Die zentrale Gestalt war Graf István Széchenyi, den seine Zeitgenossen den „größten Ungarn“ nannten. Er förderte den Bau der Kettenbrücke zwischen Buda und Pest, die Regulierung der Donau, die Dampfschifffahrt und die Gründung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, der er ein Jahreseinkommen stiftete. Neben ihm wirkte der streitbarere Lajos Kossuth, der über die Presse für tiefgreifende Reformen, die Befreiung der Bauern und die Loslösung von Wien warb. In dieser Zeit setzte sich das Ungarische als Sprache von Gesetzgebung und Bildung gegen das Lateinische und Deutsche durch. Die Reformzeit legte die geistige und institutionelle Grundlage für die Revolution, die 1848 eskalieren sollte – sie machte aus einem ständischen Königreich allmählich eine moderne Nation. Viele dieser Wegbereiter zählen bis heute zu den berühmten Persönlichkeiten Ungarns.
Was geschah beim Freiheitskampf 1848/49?
Am 15. März 1848 begann in Pest die ungarische Revolution. Eine Gruppe junger Intellektueller um den Dichter Sándor Petőfi formulierte im Café Pilvax die „Zwölf Punkte“ mit Forderungen nach Pressefreiheit, Aufhebung der Zensur und Ende der Fronarbeit; Petőfis Gedicht „Nationallied“ wurde zur Hymne der Erhebung. Zunächst hatte die Bewegung Erfolg: Der Wiener Hof bestätigte die „Aprilgesetze“, die Ungarn eine eigene verantwortliche Regierung, ein Parlament und weitgehende Autonomie gewährten. Der Politiker Lajos Kossuth wurde zur treibenden Kraft und führenden Stimme der Bewegung, die eine konstitutionelle Monarchie und nationale Selbstbestimmung forderte. Als Wien die Zugeständnisse zurücknehmen wollte, wurde aus der Revolution ein Freiheitskrieg gegen die Habsburger. Die ungarische Armee errang im Frühjahr 1849 beachtliche Siege, und im April 1849 erklärte das Parlament das Haus Habsburg-Lothringen für abgesetzt. Erst als der junge Kaiser Franz Joseph I. den russischen Zaren Nikolaus I. um militärische Hilfe bat, war der Aufstand verloren: Unter dem Druck der vereinten österreichischen und russischen Heere kapitulierte die Revolutionsarmee am 13. August 1849 bei Világos. Es folgten harte Repressionen, doch die Niederlage wurde zum Gründungsmythos des modernen ungarischen Nationalbewusstseins.
Was brachte der Ausgleich von 1867?
Nach Jahren der Repression und außenpolitischer Niederlagen Österreichs lenkte Wien schließlich ein. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867 verwandelte das Kaisertum Österreich in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Das Reich wurde in zwei gleichberechtigte Hälften geteilt: das Königreich Ungarn (Transleithanien) und die im Reichsrat vertretenen Länder (Cisleithanien). Jede Hälfte erhielt eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament; gemeinsam blieben nur Außenpolitik, Heer und die zu deren Finanzierung nötigen Mittel, verbunden durch die Person des Monarchen. Maßgeblich ausgehandelt wurde der Ausgleich auf ungarischer Seite vom Staatsmann Ferenc Deák, der als „Weiser des Vaterlandes“ in die Geschichte einging. Am 8. Juni 1867 wurden Franz Joseph und seine Frau Elisabeth („Sisi“) in Buda zu König und Königin von Ungarn gekrönt. Der Ausgleich leitete eine Blütezeit ein: Ungarn gewann weitgehende Selbstverwaltung, Wirtschaft und Kultur florierten, und Budapest wuchs zu einer europäischen Metropole.
Wie veränderte die Gründerzeit Ungarn bis 1900?
Die Jahrzehnte nach 1867 gelten als das goldene Zeitalter Ungarns. 1873 wurden die bis dahin selbstständigen Städte Buda, Óbuda und Pest zur Hauptstadt Budapest vereinigt – eine Metropole, die in raschem Tempo wuchs und sich mit Prachtbauten, breiten Boulevards und der ersten U-Bahn des europäischen Kontinents schmückte. Industrie, Eisenbahnnetz und Banken expandierten, und das Bürgertum erlebte einen kulturellen Aufschwung. Den symbolischen Höhepunkt bildeten die Millenniumsfeiern von 1896: Ungarn beging das tausendjährige Jubiläum der ungarischen Landnahme, also der Ankunft der Magyaren im Karpatenbecken um das Jahr 896. Zu diesem Anlass entstanden zahlreiche bis heute prägende Bauwerke und der Heldenplatz in Budapest. Hinter dem Glanz blieben jedoch ungelöste Spannungen: die wachsenden nationalen Forderungen der nichtungarischen Bevölkerungsgruppen und die soziale Frage. Wie diese Epoche im 20. Jahrhundert in Weltkrieg, Gebietsverluste und Diktatur mündete, lesen Sie auf der Seite zum 20. Jahrhundert.
Häufige Fragen zur Türken- und Habsburgerzeit
Wann war die Schlacht bei Mohács?
Die Schlacht bei Mohács fand am 29. August 1526 statt. Das osmanische Heer unter Süleyman I. besiegte die Ungarn, König Ludwig II. starb auf der Flucht. Die Niederlage leitete die Dreiteilung Ungarns und rund 150 Jahre Türkenherrschaft ein.
Wie lange dauerte die Türkenherrschaft in Ungarn?
Die osmanische Herrschaft über Zentralungarn dauerte rund 150 Jahre. Buda fiel 1541 an die Osmanen und wurde erst am 2. September 1686 von den Truppen der Heiligen Liga zurückerobert. Der Frieden von Karlowitz 1699 beendete die Türkenzeit endgültig.
Wer waren Kossuth und Petőfi?
Lajos Kossuth war der politische Führer der ungarischen Revolution von 1848/49, Sándor Petőfi der Dichter, dessen „Nationallied“ zur Hymne der Erhebung wurde. Beide gelten als Nationalhelden des Freiheitskampfs gegen die Habsburger.
Was war der Ausgleich von 1867?
Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867 schuf die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit zwei gleichberechtigten Reichshälften. Franz Joseph wurde am 8. Juni 1867 zum König von Ungarn gekrönt. Es folgte eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.