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Essen & Trinken

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Die ungarische Küche ist herzhaft, würzig und tief in der Tradition der Puszta verwurzelt. Edelsüßer Paprika gibt vielen Gerichten Farbe und Charakter – vom Gulyás über Pörkölt bis zum frittierten Lángos. Dazu kommen Süßspeisen wie Kürtőskalács und große Weine wie Tokajer und Egri Bikavér.

Was zeichnet die ungarische Küche aus?

Die ungarische Küche steht für Einfachheit, Tiefe und Wärme. Ihre Gerichte sind kräftig gewürzt, oft langsam geschmort und eng mit der Geschichte der Hirten in der weiten Tiefebene der Puszta verbunden. Charakteristisch ist die großzügige Verwendung von Paprika, Zwiebeln, Schmalz und saurer Sahne. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt, wird die echte ungarische Küche im Land oft anders zubereitet, als man es aus deutschen Restaurants kennt – das berühmte „Gulasch“ etwa ist in Ungarn eine Suppe, nicht der dicke Eintopf. Geprägt wurde die Küche über Jahrhunderte von den Hirten der Puszta, die ihre Mahlzeiten im Kessel über dem Feuer zubereiteten, sowie von türkischen, österreichischen und jüdischen Einflüssen, die im Laufe der Geschichte neue Zutaten und Techniken brachten. So vereint die ungarische Tafel deftige Bodenständigkeit mit überraschender Vielfalt – und ist untrennbar mit der Geselligkeit verbunden, denn gemeinsames Essen und Trinken haben einen hohen Stellenwert.

Welche Rolle spielt der Paprika?

Paprika ist das Herz der ungarischen Küche. Das rote Gewürzpulver kam erst im 18. Jahrhundert in die ungarischen Töpfe, prägt seither aber praktisch jedes Nationalgericht. Man unterscheidet vor allem zwischen édesnemes (edelsüß, mild) und csípős (scharf). Die berühmtesten Anbauregionen sind Szeged und Kalocsa, wo der Paprika nach der Ernte zu langen roten Girlanden aufgefädelt und getrocknet wird. Ein gutes Paprikapulver verleiht Gerichten nicht nur die typische rote Farbe, sondern auch eine warme, leicht rauchige Würze. In Szeged und Kalocsa wird das Gewürz bis heute teilweise in Handarbeit gewonnen, indem die getrockneten Schoten in Mühlen fein vermahlen werden; Kenner unterscheiden bis zu acht Qualitätsstufen. Der Paprika ist so eng mit der ungarischen Identität verbunden, dass er als nationales Symbol gilt und auf Märkten in leuchtend roten Bündeln allgegenwärtig ist. Auch frisch als Gemüse spielt die Paprikaschote eine zentrale Rolle, etwa im Schmorgericht Lecsó oder gefüllt als Töltött paprika.

Was ist der Unterschied zwischen Gulyás und Pörkölt?

Die kurze Antwort: Gulyás ist eine Suppe, Pörkölt ein Schmorgericht. Beide sind Klassiker mit gemeinsamer Wurzel.

  • Gulyás: ursprünglich das Essen der Rinderhirten (gulyás = Hirte). Ein kräftiger Suppeneintopf aus Rindfleisch, Zwiebeln, Kartoffeln und reichlich Paprika, traditionell im Kessel (Bogrács) über offenem Feuer gekocht. Wie das Gericht entstand und worin sich die echte ungarische Gulaschsuppe vom deutschen Eintopf unterscheidet, erfahren Sie auf der eigenen Seite dazu.
  • Pörkölt: ein dickflüssiges Schmorgericht aus angebratenem Fleisch, viel Zwiebel und Paprika – intensiver und weniger flüssig als Gulyás. Wird oft mit Nockerln (Nokedli) serviert.
  • Paprikás: die mildere, mit saurer Sahne verfeinerte Variante, etwa als Hühner-Paprikás (Csirkepaprikás).

Was muss ich beim Streetfood probieren?

Das beliebteste ungarische Streetfood ist Lángos – ein flacher, in Öl frittierter Hefeteigfladen, der goldbraun und knusprig aus der Pfanne kommt. Klassisch wird er mit Knoblauch eingerieben und mit saurer Sahne und geriebenem Käse bestrichen; es gibt ihn aber in unzähligen Varianten, herzhaft wie süß. Man findet Lángos an jedem Marktstand, auf Festen und an den Stränden des Plattensees. Ebenfalls verbreitet sind gefüllte Palatschinken (Palacsinta) und herzhafte Pilzgerichte mit Pfifferlingen oder Champignons. An den Markthallen der Hauptstadt findet man zudem warme Snacks wie gebackenen Schafskäse und Würstchen mit scharfem Senf.

Welche Süßspeisen sind typisch?

Das wohl bekannteste süße Gebäck ist Kürtőskalács, der „Baumstriezel“: Hefeteig wird spiralförmig auf eine Holzrolle gewickelt, über glühender Kohle gebacken und in Zucker gewälzt, der zu einer knusprigen Karamellkruste schmilzt. Anschließend wird er mit Zimt, Walnuss oder Kakao bestreut. Dazu kommen die Dobostorte mit ihrer glänzenden Karamelldecke, gefüllte Palatschinken nach Gundel-Art und der typische Mohn- und Walnussstrudel (Bejgli), der besonders zu Weihnachten auf keinem Tisch fehlen darf. Beliebt sind außerdem die Somlói galuska, ein üppiges Dessert aus Biskuit, Schokolade, Rum und Schlagsahne, sowie der Rétes, ein hauchdünn ausgezogener Strudel mit Quark-, Apfel- oder Kirschfüllung. Die ungarische Konditorkunst erreichte im 19. Jahrhundert europäischen Rang und hat sich in den traditionsreichen Kaffeehäusern bis heute erhalten.

Gut zu wissen – Frisch gebackener Kürtőskalács schmeckt am besten lauwarm direkt vom Stand. Auf Weihnachts- und Stadtfesten gehört der Duft des über Kohle gebackenen Teigs fest dazu.

Was trinkt man in Ungarn?

Ungarn ist ein altes Weinland mit großen Namen: dem edelsüßen Tokaji Aszú aus dem Nordosten, dem kräftigen Rotwein Egri Bikavér („Stierblut“) aus Eger und den eleganten Rotweinen aus Villány im Süden. Einen ausführlichen Überblick über Anbaugebiete, Rebsorten und Spitzentropfen finden Sie auf unserer Seite zum ungarischen Wein. Als Aperitif oder Digestif gehört zudem der Obstbrand Pálinka dazu, gebrannt aus Aprikosen, Zwetschgen oder Kirschen; ein echter Pálinka enthält keinerlei Zusatzstoffe und ist seit einigen Jahren als ungarische Spezialität EU-weit geschützt. Auch das herbe Kräuterbittergetränk Unicum, nach einem geheimen Rezept aus Dutzenden Kräutern gebrannt, gilt als Nationalgetränk und wird gern nach dem Essen gereicht. Bier ist ebenfalls verbreitet, doch beim festlichen Mahl bleibt der Wein die erste Wahl.

Wo isst man am besten – Csárda oder Restaurant?

Für authentische Küche lohnt der Besuch einer Csárda, der traditionellen ungarischen Landgaststätte. In rustikalem Ambiente, oft mit Live-Zigeunermusik, gibt es hier Gulyás aus dem Kessel, Pörkölt und frischen Fisch – besonders schön in der Puszta oder an den Weinbergen des Plattensees. In Budapest reicht das Spektrum von preiswerten Étterem-Lokalen bis zu eleganten Adressen wie dem traditionsreichen Gundel am Stadtwäldchen mit seinem berühmten Weinkeller. Reservierung lohnt sich in den bekannten Häusern.

Welche regionalen Spezialitäten lohnen sich?

Jede Landschaft Ungarns hat ihre eigenen Spezialitäten. In der Tiefebene wird die Fischsuppe Halászlé aus Karpfen und Wels mit reichlich Paprika gekocht – am besten am Ufer der Theiß oder Donau. Aus der Puszta stammt das deftige Hirtenmahl Slambuc, ein Eintopf aus Nudeln, Kartoffeln und Speck aus dem Kessel. Eine Delikatesse ist die ungarische Gänseleber (Libamáj), die zu den besten der Welt zählt. Und wer im Winter reist, sollte gefüllte Krautwickel (Töltött káposzta) probieren, die nach Tagen erst ihren vollen Geschmack entfalten.

Auch bei den herzhaften Beilagen lohnt das Hinschauen: Lecsó, ein Schmorgericht aus Paprika, Tomaten und Zwiebeln, begleitet viele Hauptspeisen, und der typische Schafskäse Körözött mit Paprika und Kümmel wird als würziger Brotaufstrich gereicht. In Südungarn wiederum verfeinert man Eintöpfe gern mit Wein, während im Norden die Pilz- und Wildgerichte der bewaldeten Mittelgebirge dominieren. So entdeckt man auf einer Rundreise durch die Städte und Regionen nicht nur Landschaften, sondern in jeder Gegend auch neue Geschmäcker.

Was zeichnet ungarische Wurst und Salami aus?

Ungarn ist berühmt für seine Wurst- und Räucherwaren. Die Wintersalami aus Szeged, hauchdünn geschnitten und mit feinem Edelschimmel überzogen, gehört zu den bekanntesten Exportprodukten des Landes. In der Tiefebene wird die kräftige, paprikascharfe Kolbász (Paprikawurst) hergestellt, die geräuchert und luftgetrocknet wird. Eine ungarische Besonderheit ist das Mangalica-Schwein, eine alte Wollschweinrasse mit lockigem Fell, deren Fleisch besonders aromatisch und marmoriert ist; es erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance in der gehobenen Küche. Wer auf einem Markt einkauft, sollte zudem die Gänseleber und den geräucherten Speck (Szalonna) probieren, der traditionell über offenem Feuer geröstet und auf Brot mit Zwiebeln gegessen wird. Diese herzhaften Spezialitäten sind ein fester Bestandteil der bäuerlichen Esskultur und werden bei den winterlichen Schlachtfesten in vielen Dörfern bis heute selbst hergestellt.

Wie sieht eine ungarische Mahlzeit aus?

Ein traditionelles ungarisches Essen beginnt häufig mit einer Suppe – sei es die Gulyás- oder die Fischsuppe Halászlé – gefolgt von einem herzhaften Hauptgang mit Fleisch, Nockerln oder Kartoffeln. Ein beliebter Klassiker ist das deftige Paprikás krumpli, ein Kartoffeleintopf mit Wurst und Paprika. Den Abschluss bildet oft eine süße Mehlspeise wie die Dobostorte. Eine eigene Institution ist das ungarische Kaffeehaus: Seit dem 19. Jahrhundert sind die prachtvollen Cafés Budapests Orte des Genusses und der Geselligkeit, in denen man zu Kaffee und Kuchen verweilt. Hier entstanden literarische Zirkel, und bis heute gehört der Besuch eines historischen Kaffeehauses zum festen Programm jeder Reise. Auch der Wein hat seinen festen Platz bei Tisch – ein guter Tokajer rundet ein festliches Menü ab.

Häufige Fragen zur ungarischen Küche

Ist Gulasch in Ungarn dasselbe wie bei uns?

Nein. Das ungarische Gulyás ist eine kräftige Suppe, die im Kessel gekocht wird. Der dicke Eintopf, den man hierzulande „Gulasch“ nennt, heißt in Ungarn Pörkölt und ist ein eigenständiges Schmorgericht.

Ist die ungarische Küche immer scharf?

Nicht zwingend. Der typische Paprika ist meist edelsüß und mild, er sorgt vor allem für Farbe und Würze. Wer es scharf mag, greift zu Gerichten mit csípős (scharfem) Paprika oder zur Tischwürze Erős Pista.

Was ist ein Kürtőskalács?

Kürtőskalács ist der ungarische Baumstriezel: ein über Kohle gebackener Hefeteig, der spiralförmig auf eine Holzrolle gewickelt und in Zucker karamellisiert wird. Man isst ihn frisch und lauwarm, gern bestreut mit Zimt oder Walnuss.