Reise planen
Home › Geschichte
Geschichte

Geschichte

Ungarns Geschichte umspannt über tausend Jahre: von der Landnahme der Magyaren um 895 über das Königreich Stephans I., die Türkenzeit und die k.u.k.-Monarchie bis zu Volksaufstand 1956 und EU-Beitritt 2004. Dieser Überblick führt durch die großen Epochen – und zeigt, wo sie bis heute sichtbar sind.

Das moderne Ungarn ist die Heimat eines der ältesten europäischen Völker und blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. Seine Nachbarn sind heute die Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich und die Slowakei – ein Hinweis darauf, dass das Land jahrhundertelang ein weit größeres Territorium umfasste. Wer durch Budapest oder über Land reist, liest diese bewegte Geschichte an Burgen, Bädern und Denkmälern ab; sie ist untrennbar mit der ungarischen Kultur verwoben.

Wie alt ist der ungarische Staat?

Über tausend Jahre. Als Geburtsstunde gilt das Jahr 1000, in dem Stephan I. zum ersten König gekrönt wurde – doch die Magyaren waren da längst im Karpatenbecken angekommen. Ihre Vorfahren stammten aus den Weiten der eurasischen Steppe und brachten eine Sprache mit, die mit keiner Nachbarsprache verwandt ist. Aus dieser Doppelidentität – östliche Herkunft, westliche Prägung – speist sich das ungarische Selbstverständnis bis heute.

Was war die Landnahme der Magyaren?

Die Einwanderung ins heutige Ungarn um 895. Unter ihrem Großfürsten Árpád vereinigten sich sieben magyarische Stämme und zogen aus dem Osten ins fruchtbare Karpatenbecken, das sie nach mehreren Kriegszügen in Besitz nahmen. Von hier aus unternahmen die berittenen Krieger jahrzehntelang gefürchtete Raubzüge bis nach Westeuropa, ehe sie 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg geschlagen wurden. Diese Niederlage leitete den Wandel vom Reitervolk zum sesshaften christlichen Königreich ein – der Beginn der eigentlichen ungarischen Staatsgeschichte. Die sieben Stammesführer, die sich der Sage nach durch einen Blutschwur zusammenschlossen, gelten bis heute als legendäre Ahnen der Nation; ihr Anführer Árpád begründete jene Dynastie, die Ungarn über vier Jahrhunderte regieren sollte. An die Landnahme erinnert in Budapest das monumentale Millenniumsdenkmal auf dem Heldenplatz, das zur Tausendjahrfeier 1896 errichtet wurde.

Wer war Stephan I.?

Der Staatsgründer und Nationalheilige Ungarns. Stephan I. (ungarisch István), ein Nachfahre Árpáds, nahm das Christentum an und wurde um das Jahr 1000 zum ersten König von Ungarn gekrönt – der Überlieferung nach mit einer von Papst Silvester II. gesandten Krone. Er gliederte das Land in Komitate, baute Bistümer und Klöster auf und band Ungarn dauerhaft an das lateinische Abendland. Heiliggesprochen wurde er 1083; sein Festtag, der 20. August, ist bis heute der wichtigste Nationalfeiertag des Landes.

Gut zu wissen – Die mit Edelsteinen besetzte „Stephanskrone“ ist das Nationalsymbol Ungarns schlechthin. Sie wird heute im Parlamentsgebäude in Budapest aufbewahrt und galt jahrhundertelang als eigentlicher Träger der ungarischen Staatlichkeit – Könige regierten nur, wenn sie mit ihr gekrönt waren.

Wann erlebte das mittelalterliche Ungarn seine Blütezeit?

Zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert stieg Ungarn zu einer europäischen Großmacht auf. Unter den Königen aus dem Hause Árpád, das bis 1301 regierte, festigte sich das christliche Reich; Herrscher wie Ladislaus I. und Béla III. machten es zu einem geachteten Mitglied der abendländischen Staatenwelt. Nach dem Aussterben der Árpáden übernahmen die Anjou-Könige die Krone: Karl I. Robert und sein Sohn Ludwig der Große führten Ungarn im 14. Jahrhundert auf einen Höhepunkt seiner Macht, der zeitweise von der Adria bis ins Baltikum reichte. Eine zweite Blüte brachte das 15. Jahrhundert mit König Matthias Corvinus (1458–1490), unter dem Wissenschaft und Renaissancekunst aufblühten und dessen Bibliothek, die Corvinen, zu den berühmtesten Europas zählte. Sichtbares Erbe dieser Epoche sind Burgen wie Visegrád und Diósgyőr. Diese tausendjährige Königszeit schildert ausführlich der Überblick zum 12. bis 15. Jahrhundert, während die Wurzeln des Reiches die Seite zur Vorzeit bis ins 11. Jahrhundert behandelt.

Wie kam Ungarn unter osmanische Herrschaft?

Durch die Katastrophe von Mohács. Nach einer Blütezeit unter dem Renaissance-König Matthias Corvinus im 15. Jahrhundert traf das Land 1526 ein verheerender Schlag: In der Schlacht bei Mohács unterlag das ungarische Heer Sultan Süleyman I., der junge König Ludwig II. fiel. In der Folge zerfiel Ungarn in drei Teile: Der mittlere und südliche Landesteil samt Buda kam für rund 150 Jahre unter osmanische Verwaltung, ein westlicher Streifen blieb als „Königliches Ungarn“ bei den Habsburgern, im Osten bestand das halb unabhängige Fürstentum Siebenbürgen. Erst 1686 wurde Buda zurückerobert und die Türkenzeit beendet – sichtbares Erbe sind die osmanischen Kuppelbäder, die bis heute zur einzigartigen Budapester Bäderkultur gehören.

Welche Rolle spielten die Habsburger, Sisi und 1848?

Nach der Türkenzeit fiel ganz Ungarn an die Habsburger – und damit begann ein langes Ringen um Eigenständigkeit. Es entlud sich in der Revolution von 1848/49: Inspiriert vom Nationaldichter Sándor Petőfi und geführt von Lajos Kossuth erhoben sich die Ungarn gegen Wien, riefen die Unabhängigkeit aus und wurden erst mit russischer Hilfe niedergeschlagen. Eine Aussöhnung brachte der Ausgleich von 1867, an dem auch Kaiserin Elisabeth – die in Ungarn verehrte „Sisi“ – vermittelnd mitwirkte. Franz Joseph und Elisabeth wurden 1867 in der Budaer Matthiaskirche zu König und Königin von Ungarn gekrönt. Sechs Jahre später, 1873, vereinigten sich Buda, Óbuda und Pest zur Hauptstadt Budapest.

Was geschah in der Doppelmonarchie und nach 1918?

Die Jahrzehnte der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918) brachten dem Land eine Blütezeit: Budapest wuchs zur Großstadt, das prächtige Parlament entstand, Industrie und Künste florierten. Der Erste Weltkrieg beendete diese Epoche jäh. Im Vertrag von Trianon von 1920 verlor Ungarn rund zwei Drittel seines Staatsgebiets und über die Hälfte seiner Bevölkerung an die Nachbarstaaten – ein nationales Trauma, das die ungarische Politik bis heute prägt. Zwischen den Weltkriegen blieb das verkleinerte Land ein autoritär regiertes Königreich ohne König – als Reichsverweser stand Admiral Miklós Horthy an der Spitze des Staates –, ehe es im Zweiten Weltkrieg an der Seite des Deutschen Reiches in die Katastrophe geriet. Budapest erlebte 1944/45 eine verheerende Belagerung, bei der ein Großteil der historischen Donaubrücken und des Burgviertels zerstört wurde; der Wiederaufbau prägte das Stadtbild der Nachkriegsjahrzehnte.

Wie verlief der Weg von 1956 bis zur EU?

Über Aufstand, Wende und Annäherung an den Westen. Nach 1945 von der Sowjetunion besetzt, wurde Ungarn 1949 zur kommunistischen Volksrepublik. Im Oktober 1956 erhob sich Budapest gegen die stalinistische Herrschaft – der Volksaufstand von 1956 wurde nach knapp zwei Wochen von sowjetischen Panzern blutig niedergeschlagen, blieb aber ein Fanal der Freiheit. In den 1980er-Jahren leitete Ungarn vorsichtige Reformen ein; 1989 öffnete es als erstes Ostblockland seine Grenze nach Österreich und gab damit den Anstoß zum Fall des Eisernen Vorhangs. Es folgten der Beitritt zur NATO 1999 und am 1. Mai 2004 der Beitritt zur Europäischen Union. Die Grenzöffnung von 1989, bei der Ungarn Tausenden DDR-Bürgern die Ausreise in den Westen ermöglichte, gilt als einer der Schlüsselmomente der europäischen Wiedervereinigung – ein Ereignis, das in Deutschland bis heute mit Dankbarkeit erinnert wird. Seither hat sich Ungarn wirtschaftlich und politisch fest in Europa verankert und ist zugleich ein beliebtes Reiseziel mit lebendig erfahrbarer Geschichte geworden.

Wo erlebt man Ungarns Geschichte am besten?

Am dichtesten in Budapest: im Burgviertel mit der Matthiaskirche, am neugotischen Parlament mit der Stephanskrone und am bewegenden Mahnmal der Budapester Schuhe am Donauufer. Doch auch das Land erzählt Geschichte – die Burg von Eger, das Schlachtfeld von Mohács, das Barockschloss Esterházy. Anregungen für eine Reise auf den Spuren der Vergangenheit finden Sie unter Städte & Regionen. Wer die einzelnen Epochen vertiefen möchte, folgt der Zeitleiste weiter ins 16. bis 19. Jahrhundert mit Türkenkriegen und Habsburgerzeit sowie ins bewegte 20. Jahrhundert mit Trianon, Weltkriegen und dem Aufstand von 1956.

Häufige Fragen zur Geschichte Ungarns

Woher stammen die Ungarn ursprünglich?

Die Magyaren waren ein finno-ugrisches Reitervolk aus der eurasischen Steppe. Um 895 zogen sie unter Großfürst Árpád ins Karpatenbecken ein – die sogenannte Landnahme. Ihre Sprache ist mit Finnisch und Estnisch entfernt verwandt, nicht aber mit den indogermanischen Nachbarsprachen wie Deutsch oder Slowakisch.

Wie lange standen Teile Ungarns unter osmanischer Herrschaft?

Rund 150 Jahre. Nach der Niederlage bei Mohács 1526 kam der mittlere Landesteil samt Buda unter osmanische Verwaltung. Erst 1686 wurde Buda von den habsburgischen Truppen zurückerobert und die Türkenzeit beendet. Sichtbares Erbe sind die osmanischen Thermalbäder Budapests.

Was war der Vertrag von Trianon?

Der Friedensvertrag von 1920, mit dem Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg rund zwei Drittel seines Staatsgebiets und über die Hälfte seiner Bevölkerung an die Nachbarländer verlor. Viele Ungarn empfinden ihn bis heute als historische Ungerechtigkeit; das Trauma prägt das nationale Selbstverständnis nachhaltig.

Wer war König Matthias Corvinus?

Matthias Corvinus (1458–1490) gilt als einer der bedeutendsten Herrscher Ungarns. Unter ihm erlebte das Land im 15. Jahrhundert eine kulturelle Blüte; sein Hof in Buda und seine berühmte Bibliothek, die Corvinen, machten Ungarn zu einem Zentrum der europäischen Renaissance. Im Volksmund lebt er als „gerechter König Matthias“ der Sagen fort.